Kreis Gießen

Allendorf bei Grundsteuer unrühmlicher Spitzenreiter

Der Bund der Steuerzahler hat den Landkreis Gießen genau unter die Lupe genommen. Welche Kommunen die Steuern angehoben haben, und was das in Allendorf mit der Bürgermeisterwahl zu tun hat.
13. Juli 2017, 10:00 Uhr
Kays Al-Khanak
Geld
(Symbolfoto: dpa)

Im Landkreis Gießen haben sechs von 18 Städten und Gemeinden in diesem Jahr mindestens eine Steuer angehoben. Allendorf/Lumda, Lollar und Heuchelheim steigerten sogar alle Realsteuerhebesätze, teilt der Bund der Steuerzahlen Hessen in einer Presseerklärung mit. Den »unrühmlichen Spitzenplatz« beim Hebesatz der Grundsteuer B hat Allendorf mit 686 Prozent – wohl aber vorübergehend.

Biebertal hat fünfmal erhöht

Der Bund der Steuerzahler Hessen hat die aktuelle Steuerpolitik der Städte und Gemeinden im Landkreis Gießen aufbereitet. »Seit 2011 wurden vor allem die Hebesätze der Grundsteuer B oft gleich mehrfach erhöht«, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Joachim Papendick. So habe Biebertal seitdem fünf Erhöhungen beschlossen und damit den Hebesatz um 230 Punkte erhöht. In Lollar, Rabenau und Reiskirchen wurde in dieser Zeit jeweils viermal erhöht.

Den Hebesatz der Grundsteuer B steigerten nach dem Bund der Steuerzahler Hessen fünf Kommunen. Besonders deutlich fällt die Erhöhung in Allendorf aus: um 286 Punkte auf nunmehr 686 Prozent. Diese drastische Steigerung sei nach Angaben der Kämmerei einmalig notwendig gewesen, um den im Schutzschirmvertrag vereinbarten Haushaltsausgleich auch für 2017 erreichen zu können. Hintergrund: Nach der Niederlage der ehemaligen Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause bei der Bürgermeisterwahl im Februar musste die Stadt Pensionsrückstellungen in ihren Haushalt einstellen. Nach langer Rechnerei konnten die Stadtverordneten Steuererhöhungen nicht abwenden, da der Haushalt sowieso auf Kante genäht war. Für 2018 beschlossen die Stadtverordneten bereits, den Hebesatz wieder auf das Niveau des Jahres 2016 zurückzuführen.

Damit ist Allendorf in diesem Bereich führend – deutlich vor Gießen, wo 600 Prozent gefordert werden. Tiefer in die Tasche greifen müssen die Steuerpflichtigen auch in Biebertal (plus 50 Punkte auf 500 Prozent), Heuchelheim (plus 85 auf 365 Prozent), Lollar (plus 90 auf 450 Prozent) und Rabenau (plus 91 auf 450 Prozent). Der Durchschnittswert des Landkreises liegt 2017 bei dieser Steuer bei 438 Prozent. Das sind 33 Punkte mehr als im vergangenen Jahr.

Die weniger ertragreiche Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen erhöhten Heuchelheim und Lollar. Zudem steigerte Allendorf den Hebesatz wie bei der Grundsteuer B vorübergehend um 286 Punkte und verlangt mit 686 Prozent den kreisweit höchsten Hebesatz 2017. Dagegen ruft Rabenau mit 290 Prozent am wenigsten auf. Der Kreisdurchschnittswert stieg um 22 Punkte auf 372 Prozent an.

Höchste Gewerbesteuer in Laubach

In diesem Jahr verlangt Laubach mit 450 Prozent erneut den höchsten Gewerbesteuerhebesatz im Kreis. Am wenigsten belastet werden nach Angaben des Bundes der Steuerzahler die Gewerbesteuerzahler mit 340 Prozent in Langgöns. Angehoben wurde die Gewerbesteuer wie bereits im Vorjahr in Biebertal. Auch Heuchelheim, Lich und Lollar erhöhten ihre Gewerbesteuerhebesätze. Allendorf griff zu einer einmaligen Steigerung um 48 Punkte auf 428 Prozent, die – ähnlich wie bei den Grundsteuern – 2018 wieder zurückgenommen werden soll. Der Kreisdurchschnittswert beträgt 391 Prozent, im Vorjahr waren es 385.

Bei den Bagatellsteuern gibt es 2017 kaum Veränderungen. Heuchelheim, Biebertal und Rabenau erhöhten die Hundesteuer, die beiden letztgenannten außerdem die Kampfhundesteuer.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Allendorf-bei-Grundsteuer-unruehmlicher-Spitzenreiter;art457,283115

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