07. März 2018, 13:00 Uhr

»Bunte Schule«

AfD nimmt Anstoß an »bunter Schule« in Lollar

Die Grundschule in Lollar nennt sich nun auch offiziell »bunte Schule«. Der AfD passt das allerdings überhaupt nicht. Ihre aufgeführten Gründe widerlegt Schulleiter Kramer.
07. März 2018, 13:00 Uhr
Die Schule in Lollar trägt jetzt offiziell den Namen "bunte Schule". (Foto: Archiv)

Das Bekenntnis der Grundschule Lollar, eine »bunte Schule« zu sein, zeigte ihren Willen zur Integration. Seit dem vergangenen Jahr trägt sie diesen selbst gewählten Namen. Nun hat der Kreis als Schulträger dies nachvollzogen und genehmigt. Eigentlich eine reine Formsache, denn mit Kosten (außer vielleicht für neues Briefpapier) ist das nicht verbunden.

Am Montag im Kreistag gab es allerdings elf Gegenstimmen der AfD-Fraktion. Im Ausschuss hatte die AfD dazu geschwiegen, im Kreistag konnte sie dazu nicht reden, denn der Antrag wurde ohne Aussprache zum Beschluss aufgerufen. AfD-Fraktionsvorsitzender Karl Heinz Reitz nennt es auf Nachfrage »eine Farce«, wenn der Kreistag etwas beschließen solle, das faktisch und ohne Beteiligung des Kreisparlaments vor Ort bereits festgelegt sei.

 

AfD thematisiert Kinder mit Migrationshintergrund

Die AfD stört sich zudem in der Sache: »Der Begriff ›bunte Schule‹ suggeriert etwas positiv Besetztes, passend zu den bekannten Sprüchen wie ›Der Landkreis bleibt bunt‹«, nimmt Reitz Anstoß. Bunt sei die Schule nur insofern, als der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund überproportional hoch sei.

Und der AfD-Mann will wissen, dass immer mehr »einheimische Eltern« ihre Kinder lieber in anderen Grundschulen anmelden würden, »wo der Anteil der deutschsprachigen Kinder deutlich höher ist«.

 

Schulleiter widerspricht

Der Leiter der Bunten Schule Lollar, Michael Kramer, nennt diese Argumentation »unsinnig«. Eine Absetzbewegung von der Schule in der Kernstadt sieht er keineswegs. Kramer erinnert: »In Lollar ist Migration und damit Integration seit über 100 Jahren Thema, im Prinzip seit der Industrialisierung. Hier herrscht kulturelle Vielfalt.«

Einstimmig beschlossen hat der Kreistag derweil einen Integrationsbeirat für den Kreis Gießen – gemeinsam initiiert von SPD, CDU, Grünen, Freien Wählern, FDP und Linken. Nach der langwierigen Debatte im Sozial- und Integrationsausschuss in der vergangenen Woche hat man sich auf einen gemeinsamen Weg verständigt, der dann ohne weitere Aussprache am Montag in Wißmar beschlossen wurde.

Ziel ist es, die vielfältigen Integrationsbemühungen im Landkreis Gießen zu bündeln und die Akteure um der Sache willen zusammenzuführen.

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