11. April 2018, 11:08 Uhr

Streit im Lumdatal

AfD kritisiert Kirche

Gestörter Dialog in der Causa Sylke Schäfer: Wird die AfD-Ortsvorsitzende aus Allendorf weiter als Lektorin Gottesdienste halten?
11. April 2018, 11:08 Uhr
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Von Rüdiger Soßdorf , 3 Kommentare
Sylke Schäfer vom AfD-Ortsverband Gießen-Nord im Kreis von Parteifreunden. (Foto: pm)

Der Wechsel der früheren FDP-Politikerin Sylke Schäfer zur AfD schlägt weiter Wellen: Die AfD wirft der evangelischen Kirche vor, Schäfer zu benachteiligen und auszugrenzen. Auf Facebook schrieb die AfD am Wochenende, der ausgebildeten Lektorin seien von den Pfarrern aus Treis, Allendorf/Lumda und Alten-Buseck die Gottesdienste entzogen worden mit der Begründung, dass sie Mitglied der AfD sei. »Wenn die evangelische Kirche gegen Ausgrenzung predigt, warum gilt dies jetzt nicht für Sylke Schäfer? schreibt die AfD. Weiterer Vorwurf der Partei auf ihrer Facebook-Seite: Sowohl die Pfarrer als auch der Kirchenvorstand hätten Gespräche mit dem AfD-Ortsverband Nordkreis abgelehnt, obwohl man sie mehrfach angeschrieben und darum gebeten habe.

Dekanat Kirchberg widerspricht

Diese Darstellung weist die evangelische Kirche mit Vehemenz zurück: Erst in der vergangenen Woche habe ein ausführliches Gespräch stattgefunden, an dem der Propst für Oberhessen, Matthias Schmidt, Dekan Hans-Theo Daum, Sylke Schäfer und – auf deren Wunsch – ein Vertreter der AfD teilgenommen haben, sagt Dr. Angela Stender, die Öffentlichkeitsbeauftragte des Dekanats Kirchberg.

»Es kann nicht die Rede davon sein, dass Kirchengemeinde/Dekanat nicht das Gespräch mit Frau Schäfer gesucht hätten. Das Gegenteil ist der Fall.«

Pfarrer suchen das Gespräch

Pfarrer Stefan Schröder (Allendorf/Lumda) hatte im Februar aus der Presse erfahren, dass Schäfer zur Vorsitzenden des AfD-Verbands Gießen-Nord gewählt worden war. Da er nicht absehen konnte, welche Reaktionen dies in der Gemeinde respektive in den Medien hervorrufen würde, habe er ihr den nächsten Gottesdienst entzogen und um ein klärendes Gespräch gebeten, sagt Stender. Schäfer habe jedoch Gespräche abgelehnt und ankündigt, von ihren kirchlichen Ämtern zurückzutreten. Von dieser Ankündigung trat sie knapp zwei Wochen später jedoch wieder zurück – quasi der Rücktritt vom Rücktritt nach dem Dialog mit Propst und Dekan.

Dialog ist gestört

Sowohl Pfarrer Andreas Lenz (Treis) als auch Pfarrer Thomas Leimbach (Alten-Buseck) hatten Gottesdienste von Schäfer ebenfalls abgesagt, weil sie eine Polarisierung in der Kirchengemeinde vermeiden wollten, legt Stender dar.

Sie bestätigt, dass die betroffenen Pfarrer der Aufforderung zum Gespräch von AfD-Mitgliedern nicht gefolgt sind: Es handele sich um eine Angelegenheit zwischen Kirchengemeinde und Sylke Schäfer und nicht um eine Angelegenheit zwischen Kirchengemeinde und AfD, so das Argument der Kirche.

Von der FDP zur AfD

Die kirchlichen Gremien vor Ort beraten derzeit, wie mit der Situation umzugehen ist.

Auch in der FDP hatte man sich kritisch mit Schäfer auseinandergesetzt und nach ihrem Wechsel zur AfD gefordert, das Amt im Kreisausschuss wieder an die FDP zurückzugeben – allerdings ohne Erfolg.

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