24. August 2018, 18:57 Uhr

81 Stunden im Sattel – und keine trockenen Klamotten mehr

24. August 2018, 18:57 Uhr

Als Alfred Weis und Markus Röhlke am Kap Finisterre (Ende der Erde) an der Westküste von Galicien im Nordwesten Spaniens ankommen, liegen 81 Stunden im Sattel, 1002 Kilometer und 23 650 Höhenmeter auf dem Camino del Norte, einem Teil des Jakobswegs, hinter ihnen. Das ganze ohne technischen Defekt. Dafür gab es bereits in der Planungsphase eine kleine »Panne«.

Den Termin für die Reise haben die beiden Busecker nach der Regenwahrscheinlichkeit festgelegt und nicht daran gedacht, dass in dieser Zeit »Freddy« die 60 voll macht. »So hatte ich an meinem runden Geburtstag nur einen Gast, und mit ihm musste ich sogar ein Ehebett teilen«, lacht Weis.

»Na, immer noch besser als unsere erste Nacht in einer Turnhalle mit 34 weiteren Schnarchern«, wirft Röhlke ein. Und ergänzt: »Am Tag nach dem Sechzigsten sind wir nur die halbe Strecke gefahren, das war mein Geburtstagsgeschenk für den Neu-Sechziger.«

Die beiden sind ein gutes Team, hatten bereits 2015 den klassischen Jakobsweg, den »Camino Frances«, unter die Pedale genommen. Nun also der Camino del Norte, der Küstenweg von Irun bis zur Atlantikküste. Diese Route ist nicht ganz so stark frequentiert, dafür sind mittlerweile mehr Mountain-Biker und Pilger-Light unterwegs. Man erkennt sie auf Anhieb am kleinen Gepäck, nach einigen Kilometern fahren sie mit Bussen oder Autos weiter. Dass die Anzahl der Pilger per Fuß abnimmt, liegt für Weis und Röhlke daran, dass kaum ein Berufstätiger mehrere Wochen am Stück Urlaub bekommt.

Auffallend: 70 Prozent der Pilger waren weiblich, darunter sehr viele junge Frauen. »Man hatte das Gefühl, die haben gestern erst Abitur gemacht«, meint Röhlke. »Der Jakobsweg scheint das neue Australien zu sein«, ergänzt Weis.

Als Navi dienten den Radlern ein Buch, GPS-Daten und das Smartphone. Dabei haben die Angaben dieser drei Quellen nicht einmal übereingestimmt. So war es auch mit der Wetterprognose. Oft hat es geregnet, bei rund 17 Grad: Da wird die Handwäsche über Nacht nicht trocken und man kann sie auch nicht am Rucksack flattern lassen. »An einem Tag hatte ich kein trockenes Kleidungsstück mehr – außer meiner Badehose«, erzählt Weis.

Die Radpilgerer berichten von traumhaften Stränden und Buchten, von Kirchen und Kathedralen, die im Gegensatz zum klassischen Pilgerweg meist geschlossen waren, von Riesen-Hortensien und dem Cidra (der spanischen »Äbbelwoikultur«) sowie von Herbergen in kleinen Orten, die ohne den »Camino« längst ausgestorben wären.

Nicht gesehen haben sie die »Picos de Europa«, denn das Kalksteinmassiv lag im Nebel.

Ein glücklicher Zufall dagegen in Santiago de Compostela: Weis und Röhlke konnten wieder dabei sein, als der Botafumeiro, ein 1,60 Meter großes und 54 Kilo schweres Weihrauchfass, in der Kathedrale von acht Männern an einem 66 Meter langen Seil geschwenkt wurde. Koreaner hatten dafür die Kosten übernommen.

Fotos ihrer Tour haben die beiden Radler übrigens zusammmen mit einer detaillierten Routenbeschreibung von Michael Lemmer öffentlich gemacht. Sie stehen auf www.Buseck-online.de. (siw)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Jakobsweg
  • Kleidungsstücke
  • Pannen
  • Pilger
  • Westküste
  • Siglinde Wagner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos