28. Mai 2010, 17:14 Uhr

125 Jahre Evangelische Freie Gemeinde in Hüttenberg

Hüttenberg (jow). Die Evangelische Freie Gemeinde, 1885 als »Gemeinschaft Hochelheim« gegründet, feiert unter anderem mit einer Festwoche ab Sonntag, 30. Mai, ihr 125-jähriges Bestehen.
28. Mai 2010, 17:14 Uhr
Diese Aufnahme wurde bei einem Ausflug nach Dickenschied gemacht.

Über die Anfangszeit der Gemeinschaft gibt es kaum Aufzeichnungen. Im Zeitalter des Rationalismus und der Aufklärung litt überall in Deutschland auch die biblische Verkündigung. Wie viele andere bibeltreue Pfarrer organisierte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der Groß-Rechtenbacher Pfarrer Lindenborn Versammlungen außerhalb des Sonntagsgottesdienstes. Diese Bibelkreise wurden als »Privatversammlungen« vom Staat untersagt und danach inoffiziell abgehalten.

Nach den Wirren des Revolutionsjahres 1848 gründete Pfarrer Feldner in Wuppertal Barmen mit 53 gläubigen Pfarrern die »Evangelische Gesellschaft für Deutschland« (EG) mit dem Ziel »Deutschland zu evangelisieren!« So genannte »Kolporteure« oder auch »Boten« reisten als Hausmissionare von Ort zu Ort. Die ersten regelmäßigen Versammlungen in Mittelhessen fanden in Wetzlar, Leun und Ehringshausen statt. In diese Zeit fallen auch die ersten Anfänge der Hochelheimer Gemeinschaft mit einem Bibelkreis in Privathäusern. Der Anfang wurde in der alten Gasse bei Familie Schuster gemacht. Später zog man zu »Scheffe«.

Als es dort zu klein wurde, hat man in »Äwels Haus«, heute Langgönser Straße 20, diese Versammlungen fortgesetzt. Dort führte auch Luise Zörb über viele Jahre hin eine Sonntagschularbeit für Kinder durch. Als die Zahl der Bibelstundenbesucher weiter zunahm, versuchte man, der Versammlung auch eine äußere Ordnung zu geben. Da die »Boten«, die teilweise die Bibelstunden hielten, aus Wuppertal gesandt wurden, entschloss man sich in Hochehlheim 1885, einen Zweigverein der EG zu gründen. Als solcher gehörte man von Anfang an zum Gemeinschaftsgebiet Rechtenbach.

Erster Prediger in Rechtenbach war Karl Trippler aus Daaden (Westerwald). Er predigte im Wechsel mit den örtlichen Laienbrüdern. Neben den Bibelstunden betreuten die Prediger auch die entstehenden Jugendkreise. Aber auch seelsorgerliche Aufgaben gehörten zu ihren Aufgaben. In Hochelheim bekam die Gemeinschaft im Laufe der 1920er Jahre einen Bauplatz »Am Steinberg« (Ecke Langgönser Str./Lindenstr.) geschenkt und entschloss sich zum Bau eines eigenen »Vereinshauses«. Die Einweihung fand 1927 statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der 50er Jahre diente der große Saal des Vereinshauses als Unterkunft des kommunalen Kindergartens. Von 1939 bis 1962 war Ernst Schiek Prediger im Gebiet Rechtenbach. 1962 nahm Fritz Meier als Gebietsprediger seinen Dienst auf. In dieser Zeit fanden etliche junge Familien zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus. Ein besonderes Kapitel der Gemeindegeschichte war die freundschaftliche Verbindung zur Sinti-Gemeinde »Geborgenheit« in Hamburg, die sich ab Mitte der 60er Jahre entwickelte.

Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu Umbau- und Erweiterungsarbeiten am »Vereinshaus«. Seit den 1970er Jahren wurde der große Saal regelmäßig für Gottesdienste benutzt. Unter dem damaligen Prediger Helmut Bauer erlebten besonders der Jugendkreis und die Bibelstunden eine Blütezeit. Die späten 80er und die frühen 90er Jahre waren geprägt von einer intensiven Jugend- und Kinderarbeit. Vor allem der »Hüttenberger Jugendchor« hatte viele Einsätze. Aufgrund der wachsenden Jugend- und Kinderarbeit entstand mit der Zeit zwangsläufig Raumbedarf. 1998 ergab sich die Möglichkeit, am »Leihgesterner Weg« einen Neubau zu planen. Im April 2000 wurde mit dem Bauen begonnen und die Pläne mit viel ehrenamtlichem Engagement umgesetzt. In dieser Zeit wurde auch der Gemeindename in »Evangelische Freie Gemeinde« geändert. Im Juni 2002 zog die Gemeinde in das neue Haus.

Die Gemeinde wird von einem Ältestenkreis unter dem aktuellen Vorsitz von Gemeindeleiter Reinhard Faber geführt. Dabei ist es bis heute so, dass der hauptamtliche Pastor, zurzeit Matthias Hennemann, für alle Gemeinden des Gebietes Hüttenberg, also Lützellinden, Hochelheim, Dornholzhausen, Weidenhausen und Reiskirchen, zuständig ist. Er wird unterstützt durch den zweiten Pastor Markus Neitzel und neuerdings auch Jugendpastor Johannes Hackbarth. Das starke ehrenamtliche Engagement ist also weiterhin ein wesentlicher Bestandteil des Gemeindeverständnisses. »In den 125 Jahren hat Gott durch einfache Leute hier am Ort gewirkt. Er hat dafür gesorgt, dass Menschen zum lebendigen Glauben an ihn und sein Wort gefunden haben«, heißt es in der Festschrift der Gemeinde.

Jubiläumswoche startet am Sonntag

Die Jubiläumswoche wird am Sonntag, 30. Mai, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet. Dr. Jürgen Schuster, selbst ein ehemaliges Gemeindeglied der Gemeinschaft, wird die Predigt halten. Er war mit seiner Familie viele Jahre als Missionar in Japan und ist jetzt Dozent an einer theologischen Fachschule in Bad Liebenzell. Nach dem gemeinsamen Mittagessen ist am Nachmittag um 14.30 Uhr das Marionettentheater Dorondolon zu Gast. Präsentiert wird das Stück »Der Ausreißer« für die ganze Familie.

Am Montag um 20 Uhr findet der akademische Abend statt. Dafür ist als Höhepunkt die Uraufführung eines Kurzfilms angekündigt, der eigens für das Jubiläum produziert wurde. Am Dienstag um 18 Uhr werden in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Heimatkreis historische Bilder von Hüttenberg gezeigt. Der Mittwoch steht im Zeichen eines Benefizkonzertes. Hier werden ab 20 Uhr in der Sporthalle Hüttenberg viele Chöre und Musiker musizieren. Der Erlös ist für Hilfsprojekte in Haiti und auch für die Kinder- und Jugendarbeit der Kommunalgemeinde Hüttenberg bestimmt. Bei einem »Tag der offenen Tür« können Interessierte am Donnerstag einen Blick hinter die Kulissen werfen. Von 10 bis 17 Uhr gibt es im Gemeindehaus der EFG Informationen über die Gemeinde, Angebote für Jung und Alt, ein Fußballturnier, Würstchen und Steaks vom Grill sowie Kaffee und Kuchen. Am Freitag und Samstag findet ein Kinderprogramm mit Jürgen Platzen und seinem Team statt. »Abenteuer-Zeitreise« heißt es von 10 bis 13.30 Uhr für die 8- bis 13-jährigen und von 15.30 bis 17 Uhr für Kinder im Alter von 3 bis 7 Jahren. Am Freitagabend ist die EFG Hüttenberg dann Ausrichter des 2. Hüttenberger Ortspokalsingens, das in der Sporthalle Hüttenberg stattfindet. Daran beteiligen sich verschiedene Vereine aus Hüttenberg.

Abgeschlossen wird die Festwoche am Sonntag um 10 Uhr wieder mit einem Gottesdienst. Andreas Klotz, Direktor des Gemeindeverbandes »Evangelische Gesellschaft für Deutschland« wird die Festpredigt halten. Im Anschluss klingt die Festwoche mit einem gemeinsamen Mittagessen aus der Gulaschkanone der Freiwilligen Feuerwehr aus.

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