10. August 2021, 21:06 Uhr

Zeitung aus Liebe

Rebekka Ott ist einer der Namen, die in der Kartei der Abonnenten dieser Zeitung zu finden sind. Doch die 35-Jährige sagt: »Ich lese gar keine Zeitung, sondern lasse mir immer das Wichtigste erzählen«. Denn sie hat ihrem Mann Matthias zu Weihnachten einen Wunsch erfüllt und ihm ein Zeitungs-Abo geschenkt. Aus Liebe.
10. August 2021, 21:06 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler

Eigentlich ist es eine Familientradition: »Meine Eltern haben schon immer Zeitung gelesen und sie früher zeitweise sogar ausgetragen«, sagt Matthias Ott aus Wölfersheim. Seine Frau Rebekka, die gemeinsam mit ihm inzwischen in Münzenberg wohnt und ursprünglich aus Gießen kommt, sagt: »Das ist bei meinen Eltern nicht anders, sie haben die Zeitung bis heute abonniert.« Und trotzdem verwundert es, dass Rebekka Ott in der Abonnenten-Kartei dieser Zeitung auftaucht, aber selbst von sich sagt: »Ich lese selbst keine Zeitung - bekomme aber die wichtigsten Teile immer vorgelesen.«

Dafür verantwortlich ist Ehemann Matthias. Er sagt: »Ich lese morgens immer die Zeitung. Natürlich wird erst einmal sortiert: Erst der Sport, denn dort kenne ich viele Leute und deshalb verfolge ich das, dann der Lokalteil und zum Schluss das Überregionale. Ich will einfach den Überblick haben, wissen, was los ist, was um mich herum passiert. Und gerade durch die Lokalzeitung bekomme ich auch etwas von kleineren Vereinen mit - oder von Sportlern, Veranstaltungen oder Initiativen, für die man sich normalerweise nicht interessieren würde. Es ist mir wichtig, zu wissen, was in meinem Umkreis abgeht.« Und weil es nun einmal irgendwann anstrengend ist, bei jedem Besuch beim Bäcker oder im Supermarkt daran zu denken, die neuste Ausgabe der Zeitung mitzubringen, hat Rebekka Ott Ende vergangenen Jahres entschieden, ihrem Mann, den sie im August 2019 geheiratet hat, ein Abo der »Wetterauer Zeitung« zu schenken - und der freut sich seitdem jeden Tag, wenn er an den Frühstückstisch kommt.

Natürlich bekomme man auch über digitale Kanäle heutzutage viele Infos, etwa über die sozialen Medien, aber »bei der Zeitung kann man sich darauf verlassen, dass es auch seriöse Informationen sind«, sagt Matthias Ott. »Auch deshalb ist es schade, dass es sonntags nicht wenigstens eine kleine Ausgabe gibt, zumal man dann normalerweise mehr Zeit zum Frühstücken hat. Überhaupt ist Frühstücken mit Zeitung ein Ritual für mich, ein Lebensgefühl.« Allein deshalb »freue ich mich schon auf mein nächstes Weihnachtsgeschenk«, sagt er und grinst dabei seine Frau an, die aber sofort nachgibt: »Das Abo läuft schon weiter. Es ist einfacher und auch günstiger, als wenn wir die Zeitung jeden Tag so kaufen.«

Und dann findet Rebekka Ott doch noch Dinge, die sie in der Zeitung jeden Tag anschaut: Das Rätsel, das Sudoku und die Witze - das sei schon früher so gewesen, »ansonsten bin ich ein Fachidiot«, sagt die Sport- und Mathe-Lehrerin an der Gießener Ostschule mit einem Lachen. Die 35-Jährige ist überzeugt: »Man überlegt sich nicht, was man später mal wird, sondern man ist es plötzlich und besorgt sich dann die entsprechende Ausbildung.« So sei sie ins Lehrerdasein »reingerutscht«, als sie in der Oberstufe ihrem Lehrer, einem passionierten Triathleten, beim Schwimmtraining geholfen habe. Ihr Mann Matthias ist ebenfalls Pädagoge, arbeitet als Förderschullehrer für das regionale Beratungs- und Förderzentrum an der Gabriel-Biel-Schule in Butzbach und ist zurzeit in Nidda. Er sagt: »Ich mag die vermeintlich schwierigen Fälle, zu denen finde ich immer einen Draht.«

Sorgen um die nächste Generation

Die beiden Pädagogen sorgen sich wegen einer zunehmenden Ich-Bezogenheit, die sie in unserer Gesellschaft wahrnehmen, etwa wenn es um die Themen Umwelt- und Klimaschutz gehe, aber auch über die immer stärker werdende Fokussierung auf soziale Medien. »Viele schauen nicht mehr über den Tellerrand hinaus«, sagt Matthias Ott, und seine Frau Rebekka fügt hinzu: »Es fehlt oft auch an Respekt. Einige schaffen es zwar und erkennen, dass sie auch mal etwas für andere tun müssen - viele andere aber leider auch nicht.« Sie wüssten, dass sie alleine die Welt nicht retten könnten, aber verbessern wollen sie sie schon. Dafür müsse man im Kleinen anfangen und auf das Positive schauen, sagt Rebekka Ott. Nur zu denken, dass man selbst in einem riesigen System festhänge und sowieso nichts ausrichten könne, bringe nichts. »Wir müssen uns ein bisschen Arbeit für die Jungen machen und ihnen die Augen öffnen«, sagt Matthias Ott, der gerade erst seinen 40. Geburtstag gefeiert hat.

Ein Schritt auf dem Weg dorthin könnte der Sport sein, den beide so sehr lieben. »Dort wird der Wir-Gedanke noch gelebt, auch wenn der olympische Gedanke hier und da heutzutage schon nicht mehr präsent ist«, sagt Matthias Ott. Er selbst ist seit Kindertagen Sportler, rutschte während seines Sportstudiums in die Position des Fitnesstrainers beim heutigen Eishockey-Zweitligisten des EC Bad Nauheim und füllte sie insgesamt neun Jahre aus. »Es war eine schöne Zeit, ich bin viel rumgekommen und habe viel erlebt«, sagt er.

Heute ist er Triathlet, engagiert sich darüber hinaus als Kampfrichter, gibt einige Kurse im Butzbacher Fitnessstudio »Go« oder für die Techniker Krankenkasse, betreut außerdem ehrenamtlich die deutsche Inlinehockey-Nationalmannschaft, in der auch etliche Athleten von den Rhein-Main-Patriots aus Assenheim, seinem früheren Klub, mit dabei sind. »Sport frisst schon viel Zeit, wenn man etwas ambitioniert ist«, gibt Matthias Ott zu. Dennoch hat er sich für das kommende Jahr eine Ironman-Langdistanz vorgenommen, auch der Berlin-Marathon in diesem Jahr ist - trotz Corona-Lage - noch nicht ganz abgeschrieben.

Auch in diesem Punkt hat er mit seiner Frau, die er übrigens bereits während des Studiums kennenlernte, dann aber wieder aus den Augen verlor, ehe sie sich bei einem Spiel des EC Bad Nauheim wieder über den Weg gelaufen sind, die perfekte Partnerin gefunden. Denn auch Rebekka Ott ist leidenschaftliche Triathletin und Trainerin. »Das gehört einfach zu meinem Leben dazu«, sagt sie.

Hochzeit mit Triathlon

Beispiel gefällig? Erst kürzlich waren die Otts zu einer Hochzeit innerhalb der Familie nach Niedersachsen eingeladen. Und was lag da näher, als ein paar Tage vorher anzureisen, die freie Zeit für gemeinsames Training zu nutzen und am Sonntag nach der Hochzeit auf dem Rückweg noch schnell einen Wettkampf einzulegen - und zwei Podestplätze einzufahren. »Das war schon witzig«, sagt Rebekka Ott. Besondere Kommentare würden sie dafür schon lange nicht mehr kassieren, höchstens noch ein Augenrollen.

Überhaupt nutzen die beiden viel ihrer gemeinsamen Freizeit für den Sport - schwimmen, Rad fahren, laufen - sind aktive Mitglieder bei Triathlon Wetterau und Fördermitglieder bei der SG Wetterau, Rebekka Ott ist zudem Fördermitglied des Gießener Schwimmvereins, für den sie früher selbst gestartet ist. So oft es geht, ist Labrador Sam an ihrer Seite. Den Rest ihrer Zeit nutzen sie für Familie und Freunde, ein bisschen Gartenarbeit oder die Pflege des eigenen Pools, abends darf es auch gerne mal eine Netflix-Serie zum Abschalten sein.

Hawaii als großes Ziel

Denn in einem Punkt sind sich die Otts einig: Auch wenn ihr Beruf noch so wichtig ist, er darf in ihren eigenen vier Wänden, die sie 2015 gekauft haben, nicht zum Dauerthema werden. »Dann gehen wir lieber raus«, sagt Matthias Ott, der über seine Frau sagt, dass er mit ihr sein privates Glück gefunden habe. Sportlich will er es aber immer wieder mal wissen - und es irgendwann zum legendären Triathlon nach Hawaii schaffen. Ganz so ambitioniert ist seine Frau nicht, ihr sei vor allem ein gesundes und fittes Leben und Zeit mit Freunden und Familie wichtig.



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