04. Januar 2021, 22:18 Uhr

Willingen plant Betretungsverbot für Hänge und Pisten

04. Januar 2021, 22:18 Uhr
Zahlreiche Menschen tummelten sich am Wochenende wieder in den Wintersportgebieten. FOTO: DPA

Willingen/Schmitten - Nach dem großen Andrang in Wintersportregionen könnte es in Hessen erstmals Sperrungen von Skipisten und Rodelhängen geben. Grundlage soll das Infektionsschutzrecht der Corona-Pandemie sein. Für das nordhessische Willingen werde eine entsprechende Regelung vorbereitet, sagte Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) am Montag: »Wir sehen aufgrund der Erfahrungen keine andere Lösung.« Tausende waren am Wochenende in die 7000-Einwohner-Gemeinde geströmt.

Willingen ist mit dem Problem nicht allein. An den Festtagen waren viele Mittelgebirge stark frequentiert: Die Wasserkuppe, der Große Feldberg, der Hohe Meißner, der Westerwald. Mit Straßensperrungen versuchten Kommunen und Polizei, die Lage in den Griff zu bekommen. Zwar sprachen Behörden stellenweise von »chaotischen« Verhältnissen. Doch manchmal lagen An- und Entspannung nah beieinander. In Königstein im Taunus waren die Zufahrten zu den Waldparkplätzen mit Rodelbahnen teils mit langen Autoschlangen verstopft. Viele Familien parkten daraufhin im Ort und machten sich am Rande der Bundesstraße 8 auf den Weg zum Rodeln. Nur wenige Kilometer abseits der Ausflugsziele waren noch freie Parkplätze zu haben.

Dabei meldeten die Polizeidienststellen keine Häufung von Corona-Verstößen. Stattdessen beschäftigten überlastete Parkplätze und Straßen Ordnungskräfte. Trachte und die Polizei in Waldeck-Frankenberg halten eine Sperrung wegen des Infektionsschutzes trotzdem für vertretbar. Zwar hätten sich auch die Besucher in Willingen zunächst an Corona-Regeln gehalten. Doch die Situation habe sich geändert, als die Nachbarn im nordrhein-westfälischen Winterberg Pisten und Parkplätze geschlossen hätten. Da seien Tausende auf Willingen ausgewichen. »Das aktuelle Interesse an für den Nah- und Kurzzeittourismus interessanten Gebieten macht die Einhaltung der Abstandsregelungen vielfach nahezu unmöglich«, sagte das hessische Sozialministerium. Insofern bestehe ein Ansatzpunkt für Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz. Die Entscheidung liege aber in erster Linie bei den Landkreisen und kreisfreien Städten. Die Zufahrtsbeschränkungen täglich zwischen 9 und 16 Uhr zum Hoherodskopf und zur Herchenhainer Höhe im Vogelsberg bleiben bis Ende der Woche erst einmal bestehen, wie der Vogelsbergkreis mitteilte.

Zu den Leidtragenden des Besucheransturms gehört auch die Taunus-Gemeinde Schmitten am Großen Feldberg. Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos) glaubt nicht an die Wirkung von Verboten. »Wir werden gar nichts in den Griff kriegen, es gibt Probleme, die kann man nicht lösen auf der Welt«, sagt er. Wenn jetzt gefordert werde, Besucher auf Waldwegen zu kontrollieren, dann stelle sich die Frage: »Wer macht das? Keiner!«

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen sieht den Einsatz von Polizisten auf Skipisten äußerst kritisch. Die Polizei sei für die Überwachung des fließenden und ruhenden Verkehrs gerüstet. »Was wir aber nicht wollen, ist, auf Pisten die Allgemeinverfügungen der Kommunen durchzusetzen«, sagte Jens Mohrherr, stellvertretender GdP-Landesvorsitzender. dpa

Schlagworte in diesem Artikel

  • Allgemeinverfügungen
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Infektionsschutzgesetz
  • Polizei
  • Polizeigewerkschaften
  • Rodelbahnen
  • Rodeln
  • Wasserkuppe
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos