23. November 2021, 20:18 Uhr

DAS DATUM

Weniger Reisende, mehr Angebot

Die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen liegen auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch weit unter den Vorkrisenwerten. Dennoch setzt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit seinem Winterfahrplan ab dem 12. Dezember auf mehr Platz, eine neue IC-Verbindung für Mittelhessen und den X-Bus-Ausbau.
23. November 2021, 20:18 Uhr
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Von DPA
Der neue Fahrplan des RMV soll den Bahnreisenden mehr Komfort, Schnelligkeit und Flexibilität bieten. FOTO: DPA

Ziel des RMV sei weiterhin, bis zum Jahr 2030 als Beitrag zur Verkehrswende 30 Prozent mehr Fahrgäste zu gewinnen, sagte Geschäftsführer Knut Ringat gestern in Frankfurt. Das gehe nur mit mehr Platz. Daher weite man zum neuen Fahrplan 2022 das Angebot aus. Sechs neue X-Bus-Linien gehen im Dezember an den Start - darunter zum Beispiel die X35 (Alsfeld - Marburg), die Fahrgäste aus Alsfeld mehr als eine Stunde schneller als bisher ans Marburger Klinikum bringt. Ein weiteres Highlight ist die neue Linie X95 (Büdingen - Erlensee - Frankfurt-Enkheim). Zwischen Erlensee und Enkheim spart sie über eine halbe Stunde Fahrzeit gegenüber der aktuellen Verbindung.

Außerdem schaffen neue Fahrzeuge mehr Kapazität auf der Taunusstrecke sowie ab Sommer 2022 auf der Odenwaldbahn. »Unser X-Bus-Netz umfasst nach dem Fahrplanwechsel 29 Linien. Hier kommen unsere Fahrgäste schneller an ihr Ziel - und das auch noch mit kostenlosem WLAN«, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat.

Zubringer verbindet Gießen mit IC34

Mit dem IC34 bringt die Deutsche Bahn zwischen Frankfurt und Münster (Westfalen) eine neue zweistündliche Fernverkehrsverbindung nach Mittelhessen. Bad Nauheim, Wetzlar und Dillenburg erhalten so Anschluss an den IC-Verkehr. Um auch Gießen und Weilburg an den IC anzubinden, schafft der RMV mit der neuen Linie RE24 eine Zubringerverbindung über Wetzlar: Dort können Fahrgäste dann in den IC einsteigen.

Bis zur Fertigstellung des S6-Ausbaus belegt der IC34 zudem aktuelle Regionalverkehrstrassen und wirkt sich daher alle zwei Stunden auch auf den Fahrplan der RB95 und RE99 aus. In diesem Fall übernimmt der RE99 für die RB95 die Bedienung aller Halte zwischen Siegen und Dillenburg.

Derzeit sind in Limburg, im Kreis Offenbach, Taunusstein, Darmstadt und im Frankfurter Norden On-Demand-Shuttles des RMV unterwegs. Im Laufe des Jahres 2022 sollen dann auch in Hofheim, Kelsterbach, Wiesbaden, Hanau und im Landkreis Darmstadt-Dieburg On-Demand-Fahrzeuge rollen. »Mit On Demand waren wir 2021 sehr erfolgreich: Rund 82 000 Fahrgäste sind in diesem Jahr bisher über alle Testfelder hinweg mitgefahren und zeigen, dass unsere Shuttles einen Nerv treffen«, so Ringat.

Außerdem sieht der RNVP umfangreiche Erweiterungen des S-Bahn-Netzes wie zum Beispiel die Verlängerung der Linie S5 und die Nordmainische S-Bahn vor. Dazu sind die Reaktivierungen der Horloff- und der Lumdatalbahn geplant. Die DB Netz AG wird auf mehreren Strecken die Signaltechnik grundhaft erneuern. Außerdem bereitet der Bund umfangreiche Ausbaumaßnahmen im Fernverkehrsnetz vor. Ringat: »Wir begegnen der steigenden Nachfrage mit mehr Angebot. Dafür werden die 20er Jahre ein Jahrzehnt des Bauens.«

Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seien derzeit nur etwa zwei Drittel der Fahrgäste unterwegs, sagte Ringat. Seit Beginn der vierten Welle sei der Fahrkartenverkauf wieder rückläufig. Fahrgäste müssen sich auf verschärfte Regeln einstellen, die ab heute gelten. In Bussen und Bahnen dürfen nur noch Geimpfte, Genesene und negativ Getestete (3G) mitfahren. Ein Selbsttest reicht nicht aus. Auf Verlangen muss zusätzlich ein amtlicher Lichtbildausweis vorgezeigt werden. Die Maskenpflicht gilt weiterhin. Geplant sind Stichprobenkontrollen durch externe Sicherheitsunternehmen.

Beförderte der RMV 2019 noch 808 Millionen Fahrgäste, waren es im ersten Corona-Jahr 2020 nur noch 524 Millionen. Die Prognose für dieses Jahr liegt bei 565 Millionen. Der Corona-Schaden betrage im laufenden Jahr laut Prognosen 220 Millionen Euro, kommendes Jahr möglicherweise 210 Millionen Euro. Ringat verwies auf vereinbarte Gespräche von Bund und Ländern über neue Finanzhilfen für die Verkehrsunternehmen.

Zweimal im Jahr ist Fahrplanwechsel. In diesem Winter ist es der 12. Dezember. Wie kommt dieses Datum zustande? Das ist einer Richtlinie der EU-Kommission geschuldet, um den Termin in allen EU-Ländern zu koordinieren. Fahrplanwechsel finden immer in der Nacht des zweiten Samstags im Juni auf den folgenden Sonntag und in der Nacht des zweiten Samstags im Dezember auf den folgenden Sonntag statt. In Deutschland gilt das seit 2002; bis 2001 begann das Fahrplanjahr Ende Mai. Bei der Deutschen Bahn ist der Termin im Winter ein großer Fahrplanwechsel mit vielen Änderungen. dpa



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