03. August 2021, 19:47 Uhr

Weit mehr als Palmen

Frankfurts grünes Herz ist der Palmengarten. Der Park blickt auf 150 Jahre wechselhafte Geschichte zurück. An diesem Freitag öffnet eine neue Attraktion ihre Türen.
03. August 2021, 19:47 Uhr
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Von DPA
Dutzende Arten tropischer Falter ganz nah erleben: Ein Goldener Hekale hängt im neuen Blüten- und Schmetterlingshaus im Frankfurter Palmengarten an einer Pflanze. Das kleine Foto zeigt einen Blauen Morphofalter. Das Gebäude öffnet am Freitag erstmals seine Türen für Besucher. FOTOS: DPA

Kaffee- und Kakaopflanzen mitten in Frankfurt? Bananenernte unweit der Bankentürme? Wenn es um exotische Pflanzen geht, kann es sich nur um den Palmengarten handeln. Auf dem Areal im noblen Westend der Mainmetropole wachsen mehr als 13 000 Pflanzenarten aus aller Welt, im Freien wie auch in den teils historischen Gewächshäusern. In diesem Jahr feiert der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Park sein 150-jähriges Bestehen. Der Höhepunkt im Programm steht nun bevor.

Am Freitag wird das für acht Millionen Euro errichtete Blüten- und Schmetterlingshaus eröffnet. Leuchtend blaue Himmelsfalter flattern dort zwischen exotischen Pflanzen umher, ebenso wie weitere bis zu 25 Arten von Faltern. Die Schmetterlinge werden im Puppenstadium aus Costa Rica eingeflogen. Einige vermehren sich vor Ort, so gibt es auch Eier und gefräßige Raupen zu entdecken.

In einem abgeteilten Trakt weist die Ausstellung »Abgestaubt - von Blüten und ihren Besuchern« auf die Bedeutung von Insekten für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung hin. Ohne sie keine Bestäubung und keine Früchte - ein Zusammenhang, den Palmengarten-Direktorin Katja Heubach auf die einfache Formel »No Bees, no Bembel« bringt. Schließlich müsse auch die Apfelblüte bestäubt werden, wenn am Ende Ebbelwoi herauskommen soll.

Das Jubiläumsprogramm von »Frankfurts grünem Herz« sieht zudem eine eigene Ausstellung mit Rückblick und Zukunftswerkstatt vor - zudem Konzerte sowie eine Klangins-tallation, die auch der Frage nachgeht, welche Geräusche Pflanzen produzieren. Auch ohne Jubiläum beherbergt der Palmengarten regelmäßig Vorträge, Führungen, Live-Musik und Ausstellungen, lockt mit Blumenschauen und Veranstaltungen wie dem traditionellen Rosen- und Lichterfest.

Der Coronavirus hatte dem Programm im vergangenen Jahr einen Riegel vorgeschoben. Die Besucherzahlen brachen wie anderswo ein: 2019, vor der Corona-Pandemie, waren es knapp 651 000; 2020 hingegen kamen mit rund 301 000 Besuchern nicht einmal die Hälfte.

Die Eröffnung der innerstädtischen Oase war nach mehreren Jahren Vorarbeit mit einem Festakt am 16. März 1871 begangen worden, am folgenden Tag war der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm zu Gast. Die Gründung geht auf den Gartengestalter Heinrich Siesmayer zurück. Mithilfe von Bürgeraktien gelang es, die Sammlung exotischer Pflanzen des klammen Adolph von Nassau aus dem Biebricher Schlosspark nach Frankfurt zu holen.

Seitdem ist das Angebot auf dem 22 Hektar großen Areal immer mehr gewachsen. Die heimischen, exotischen und seltenen Pflanzen sind in Themenbereichen untergebracht, darunter das Tropicarium, das Subantarktishaus und der Rosengarten. 2012 kam der Botanische Garten Frankfurts hinzu. Zusammen zählen die Sammlungen den Angaben zufolge zu den größten der Welt.

Der Palmengarten blickt auf wechselvolle 150 Jahre zurück. Zu Kriegszeiten wurde in den Beeten Gemüse angebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich ein Freizeitclub für amerikanische Soldaten auf dem Gelände. Schon zuvor war der Park auch Sportstätte - unter anderem für Ruderer, Turner, Schlittschuhläufer und Anhänger des Radrennsports - und blieb es bis zum Auszug des »Tennisclubs Palmengarten« Ende der 80er Jahre.

Die Stadt Frankfurt hatte den Park - bis dahin eine Bürgerinstitution - 1931 übernommen, Inflation und Weltwirtschaftskrise machten den Schritt nötig. Zum Jubiläum schenkte sie ihm eine Erwähnung im Titel der nahen U-Bahn-Station, die nun »Westend (Palmengarten)« heißt.



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