03. Juni 2021, 18:51 Uhr

Von Pandemie stark getroffen

Wenn der Absatz an die Gastronomie wegen der Pandemie wegbricht, bedeutet das auch für hessische Höfe mit Direktvermarktung enorme Umsatzeinbußen. Auch wenn der eigene Hofladen meist weiter gut läuft. Zu Besuch bei einer Forellenzucht und einer Straußenfarm.
03. Juni 2021, 18:51 Uhr
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Von DPA
Auch die Straußenfarm ·Tannenhof· in Schaafheim hat in der Corona-Krise massive Umsatzverluste hinnehmen müssen. FOTO: DPA

Im idyllischen Wispertal im Taunus liegen die Forellenhöfe der Familie Seitz. In naturbelassenen Teichen wachsen die Fische heran, bis sie als regionale Spezialität in Küchen und auf Tellern landen. Auch wenn die Betreiber ihre Hofläden offen lassen durften - die Corona-Pandemie hat das Unternehmen hart getroffen. Rund die Hälfte des Umsatzes werde mit Lieferungen an die Gastronomie erwirtschaftet, berichtet Siegbert Seitz. »Das fiel über Nacht weg.«

Inzwischen laufe das Geschäft wieder langsam an, auch wenn die Gastronomen teils noch verunsichert seien, sagt der 68-Jährige. Er fährt die Ware derzeit selbst aus - seinen beiden Fahrern hatte er pandemiebedingt kündigen müssen.

Seitz blickt allerdings »absolut optimistisch« in die Zukunft: »Es gibt eine aufgestaute Nachfrage nach Ausgehen.« Das würden die Gastronomen und damit auch deren Lieferanten merken.

Zwei Drittel an Umsatz eingebüßt

Rund 100 000 Fische produzieren seine beiden Betriebe im Jahr, berichtet der frühere Unternehmensberater, der vor vielen Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Während des Lockdowns habe er zwei Ganztagskräfte gehalten - und manchmal nicht gewusst, wie er sie beschäftigen sollte, wenn das nötige Holz für den Räucherofen gehackt war.

In seinen Hofläden seien während der verschiedenen Phasen der Pandemie unterschiedliche Typen von Neukunden gekommen, erzählt Seitz. In der ersten Phase fuhren Autos aus allen möglichen Regionen auf den Parkplatz - »oft Menschen aus dem Homeoffice, die mit einem Ausflug ihrem Partner entfliehen wollten«. In der zweiten Phase seien viele Menschen gekommen, die das Selberkochen und damit heimische Produkte für sich entdeckt hätten.

Auch die Straußenfarm Tannenhof mit ihren rund 150 Vögeln ist von der Pandemie hart getroffen worden, wie Chefin Stephanie Roth in Schaafheim im Odenwald berichtet. »Zu unserem Konzept gehört, dass wir ein Ausflugsziel sind. Diese Schiene ist komplett weggebrochen.« Der Hof habe zwei Drittel seines Umsatzes eingebüßt. Vor allem, weil die Führungen zu den Straußen und regelmäßige Feste wegen der Pandemie ausfallen mussten. »Wir durften zwar den Hofladen offen lassen - jedoch fehlte uns die Laufkundschaft etwa von den Führungen«, sagt Roth.

Zu den drei bis vier Festen im Jahr kämen üblicherweise mehrere 1000 Menschen zum Tannenhof. Ohne staatliche Unterstützung hätte sie den Hof womöglich an den Nagel hängen müssen, sagt Roth. Die Umsatzeinbußen hätten die Hilfen jedoch »niemals abgedeckt«.

Das Minus hätten auch nicht die Neukunden ausgleichen können, die wegen des coronabedingten neuen Interesses für regionale Produkte zum Hofladen gekommen seien.

Ohne die Pandemie gehe das Konzept des Hofes auf, betont Roth. Besucher kämen teilweise aus mehr als 100 Kilometern Entfernung. Mit den ersten Corona-Lockerungen sieht die Chefin aber optimistisch in die Zukunft. »Wir dürfen unter strengen Auflagen wieder anfangen mit den Führungen.« Sie sagt aber auch: »Wir können nicht aufholen, was wir verpasst haben.« Große Feste kann sich Roth noch nicht vorstellen - aber kleinere Events.

Kleine Hofläden im Aufwind

Landwirte mit einem eigenen Hofladen sind nach Einschätzung des hessischen Bauernverbandes bislang grundsätzlich gut durch die Corona-Krise gekommen - oder haben sogar Neukunden gewonnen. Von den Direktvermarktern höre man viel Positives, sagt Verbandssprecher Bernd Weber in Friedrichsdorf im Taunus. Bauernmärkte und Hofläden hätten teils enormen Zuspruch erfahren, weil viele Menschen im Lockdown wieder mehr gekocht hätten. Die Hofläden und Märkte durften geöffnet bleiben.

Verbraucher seien vermehrt auf regionale Produkte aufmerksam geworden und hätten diese schätzen gelernt, sagt Weber. Je nach Absatzkanal gebe es aber auch Direktvermarkter mit Einbußen: Eher schlecht sehe es etwa aus, wenn ein Hof überwiegend Caterer oder eine Betriebskantine beliefere, die im Lockdown geschlossen waren.



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