27. Mai 2021, 20:16 Uhr

Viele Menschen zu Millionären gemacht

27. Mai 2021, 20:16 Uhr
Auf Holztäfelchen präsentierte Karin Tietze-Ludwig einst die Lotto-Zahlen. FOTO: DPA

. Als Karin Tietze-Ludwig das erste Mal die Lottozahlen präsentierte, flimmerte das Fernsehbild noch in Schwarz-Weiß. Mehr als drei Jahrzehnte war die Moderatorin mit der blonden Föhnfrisur ganz nah dabei, wenn Menschen zu Millionären wurden. Am kommenden Montag (31. Mai) wird die »Grande Dame des Lotto« 80 Jahre alt.

»Mein größter Wunsch ist es, gesund zu bleiben, das gilt ja nicht nur in der jetzigen Corona-Zeit, sondern grundsätzlich«, sagt Tietze-Ludwig, die in der Nähe von Frankfurt lebt, am Telefon. Natürlich gebe es mit zunehmenden Alter kleine Zipperlein, »aber ich erfreue mich - glaube ich - bester Gesundheit«.

Wie sie sich fit halte? »Nach Möglichkeit spiele ich zweimal in der Woche Golf und schwimme jeden zweiten Tag.« Zudem lese sie viel und sei politisch und wirtschaftlich interessiert. »Das ist es, was einen aufrechthält - man muss einfach am Tagesgeschehen teilnehmen, sonst verödet man.« Auch die Corona-Zeit habe sie »ziemlich unbelastet« überstanden. »Wenn man einen Garten hat und rauskann, dann ist das schon ein ziemliches Privileg.«

Im mittelhessischen Biedenkopf aufgewachsen, lernte Tietze-Ludwig den Beruf der Fremdsprachensekretärin. Danach wollte sie eigentlich Stewardess werden, doch ihr Vater war dagegen und so bewarb sie sich beim Hessischen Rundfunk (HR). Dort arbeitete sie ab 1964 zunächst als Ansagerin, »das war damals noch ein eigenständiger Beruf, der längst ausgestorben ist«.

Ohnehin war es eine andere Epoche: Es gab in Westdeutschland gerade einmal drei TV-Sender, die Einführung des Privatfernsehens oder gar des Internets lagen noch in sehr weiter Ferne. »Das waren andere Zeiten, das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen«, erinnert sich Tietze-Ludwig. Frauen seien nur für freundliche, komödienhafte Sendungen eingesetzt worden, sobald es ernster oder politisch anspruchsvoller wurde, hätten die Männer übernommen.

Die Lottozahlen präsentierte Tietze-Ludwig erstmals 1967 - noch vor dem Start des Farbfernsehens im selben Jahr. »Ich hatte schon eine Art Schornsteinfeger-Image, mir wurde sehr freundlich begegnet«, erinnert sich die »Glücksfee«. Fremde Menschen hätten sie auf der Straße angesprochen und manch ein Lottogewinner habe sich bei ihr persönlich bedankt. Aber Tietze-Ludwig sagt auch: »Ein Lottogewinn kann zum Glück beitragen, aber er kann auch viel Leid mit sich bringen, gerade wenn man nicht mit Geld umgehen kann.«

Von 1967 bis 1998 Frau der Zahlen

Im Jahr 1998 übergab sie die Moderation der Lotto-Sendung an Franziska Reichenbacher, die den Job bis heute macht. Bei ihrer Verabschiedung hat Tietze-Ludwig - Mutter eines Sohnes - gesagt: »Ich freue mich nun auf ein ganz normales Hausfrauendasein, das ich bisher ja nur nebenbei geführt habe.« Ihr Mann, der Redakteur Hans-Jürgen Tietze, starb nur wenige Jahre später.

Was die Nachfolgerin an ihrer Vorgängerin schätzt? »Sie ist eine tolle, außergewöhnliche Frau - munter und hellwach, positiv und lebenszugewandt«, so Reichenbacher. Und sie würde wohl auch weiterhin die Lotto-Sendung verfolgen. »Als die Sendung im erstem Lockdown einmal ausfiel, hat sie mich direkt angerufen und sich ganz besorgt erkundigt, was denn los sei. Das fand ich total nett von ihr.«

Ihren Geburtstag wird Tietze-Ludwig am Mittelmeer in der Sonne verbringen, wie sie sagt. Auf ihr Leben blicke sie dankbar und zufrieden. »Im Großen und Ganzen bin ich mit mir im Reinen.« Das liege daran, dass sie grundsätzlich eine Optimistin sei. »Ich sehe im Negativen immer noch etwas Positives.« Jenny Tobien

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