14. März 2021, 23:01 Uhr

Viel Briefwahl und viel Andrang

Für die Kommunalwahl in Hessen haben so viele Menschen Briefwahl beantragt wie selten. Doch wer dachte, dadurch blieben sämtliche Wahllokale am Sonntag leer, hatte sich grundlegend getäuscht.
14. März 2021, 23:01 Uhr
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Aus der Redaktion
Alle Hände voller Stimmzettel: Frankfurter Wähler mit Wahlunterlagen in einer Turnhalle. FOTO: DPA

Junger Mann! Das Ende der Schlange ist da hinten«, sagt die Frau mit dem Mundschutz und weist um die Ecke des Hauses. Gut 50 Meter stehen dort die Wähler hintereinander - und warten. Wer hier, in der Merianschule im Frankfurter Nordend, seinen Stimmzettel zur Kommunalwahl ausfüllen will, muss neben einer Mund-Nase-Bedeckung vor allem eines mitbringen: Geduld. »Damit hat kaum einer gerechnet«, sagt der Leiter des Frankfurter Wahlamts, Oliver Becker. Seit 5.30 Uhr ist er auf den Beinen, um die Wahllokale in Hessens größter Stadt zu inspizieren. Läuft alles wie geplant? Gibt es Engpässe? Funktionieren die Hygiene- und Abstandsregeln? Um die erwartete Flut an Briefwahlunterlagen zu bewältigen, wurde vielerorts die erlaubte Maximalzahl an Helfern ausgeschöpft. In Frankfurt hatte fast jeder dritte Wahlberechtigte Briefwahl beantragt. Zum Vergleich: Bei den vergangenen Wahlen vor fünf Jahren war es nur rund jeder zehnte. Angesichts solcher Zahlen mag es überraschen, dass sich zeitweise lange Schlangen vor den Wahllokalen bildeten. Möglicherweise seien die Menschen auch froh über einen triftigen Grund, das Haus zu verlassen, vermutet der in Frankfurt für das Wahlamt zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU). »So muss Demokratie aussehen«, sagt er. Und dann erste Ergebnisse am späten Abend:

In Frankfurt könnten die Grünen die Wahl gewinnen, aber auf eine Koalition wollten sie sich gestern nicht festlegen. Man suche Partner, mit denen »wir den sozial-ökologischen Aufbruch hinbekommen«, sagte Spitzenkandidatin Martina Feldmayer. SPD-Spitzenkandidat Mike Josef gab die Wahl, als er vor die Presse trat, noch nicht verloren. Dabei lagen die Sozialdemokraten zu diesem Zeitpunkt mehr als fünf Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2016. Es werde noch ein enges Rennen, sagt der SPD-Chef trotzdem. Dabei seien die Rahmenbedingungen sehr schwierig gewesen. Auswirkungen auf das Wahlergebnis hätte wohl etwa die AWO-Affäre gehabt.

Bei der Wahl zum Stadtparlament in Gießen zeichnete sich gestern Abend ein großer Gewinner ab: Die Grünen legten deutlich an Stimmen zu, konnten nach letztem Stand von rund 28 Prozent der Stimmen ihr Endergebnis von 2016 damit fast verdoppeln. Die SPD verlor offenbar. SPD-Spitzenkandidat Christopher Nübel erklärt: »Der Trend zeigt, dass wir unser erstes Ziel, stärkste Kraft zu bleiben, verfehlt haben.« Die AfD büßte offenbar deutlich an Prozentpunkten ein, stand gestern bei knapp acht Prozent.

Auch in Darmstadt und Kassel lagen am Abend (Stand 21.15 Uhr) die Grünen vorn. In der Landeshauptstadt Wiesbaden zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen ab. In Fulda war die CDU mit Abstand stärkste Partei. Allerdings waren in den Städten mitunter zahlreiche Stimmen noch nicht ausgezählt.

In Offenbach ist die SPD laut dem Trendergebnis als stärkste Partei aus der Stadtverordnetenwahl hervorgegangen. Demnach kamen die Sozialdemokraten auf 26,09 Prozent der Stimmen, dahinter folgten fast gleichauf die CDU (18,77 Prozent) und die Grünen (18,56 Prozent). Die AfD kam auf 9,72 und die Linke auf 9,07 Prozent. Die FDP erzielte 6,34 Prozent, die Freien Wähler kamen auf 4,12 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 35,56 Prozent der Stimmen.



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