12. August 2021, 21:36 Uhr

Verweis »beschämend«

12. August 2021, 21:36 Uhr

Bad Zwesten - Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sich entsetzt darüber gezeigt, dass ein nordhessischer Campingplatz keine Sinti und Roma aufnimmt. »Das ist ein krasser und beschämender Fall«, sagte Bernhard Franke, der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle. »Niemand darf in Deutschland wegen seiner ethnischen Herkunft oder aus rassistischen Gründen benachteiligt werden«, fügte er hinzu. Das gelte nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz am Arbeitsplatz ebenso wie im Hotel oder auf einem Campingplatz.

Der hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma hatte den Fall, der sich in der vorigen Woche auf dem Waldcampingplatz Bad Zwesten ereignet hatte, öffentlich gemacht und als »rassistischen Vorfall« angeprangert. Der Platzwart des Campingplatzes bestätigte auf Anfrage, dass er Sinti und Roma abgewiesen hatte und diejenigen, die bereits mit dem Aufbau begonnen hätten, den Platz wieder hätten verlassen müssen.

Trägerverein entschuldigt sich

Dies gehe auf einen Beschluss zurück, den der Trägerverein bereits vor rund zwei Jahren gefasst habe. Damit habe man auf schlechte Erfahrungen mit Sinti und Roma reagiert, etwa auf große Müllmengen, nächtlichen Lärm und einen Fall von Zechprellerei, erklärte der Platzwart. Inzwischen hat sich der Campingclub Kassel für sein Verhalten entschuldigt. Zugleich habe man einen Vorstandsbeschluss, der zu diesem »unsäglichen Vorfall« geführt habe, »selbstverständlich sofort aufgehoben«.

»Wir sind schockiert«, hatte Adam Strauß, der Vorsitzende des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, den Vorfall kommentiert. »Hier werden jahrhundertealte Ausgrenzungen vollkommen unverhohlen fortgeführt.« Er forderte, die »antiziganistische und rassistische Ausgrenzung« sofort aufzuheben.

Der Verband der Campingunternehmer in Hessen (VCH) spricht von einem »Grenzbereich«. Der Vorsitzende Ernst-Rudolf Müller sagte, lärmende Gruppen oder Gäste, die ihre Plätze vermüllten, verprellten die anderen Camper. Das könne für Jugendgruppen wie für »fahrende Händler« gelten.

»Wenn man Probleme hatte mit einer ähnlichen Gruppe, dann würde ich sagen: lieber nicht aufnehmen«, erläuterte Müller. »Wir haben natürlich Hausrecht.« Allerdings müsse eine »Gruppendiffamierung« unbedingt vermieden werden. »Da bewegt man sich auf dünnem Eis.« Pitt v. Bebenburg

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