22. Januar 2021, 22:51 Uhr

Verbreitung der Variante noch unklar

22. Januar 2021, 22:51 Uhr

Wiesbaden - Am Donnerstag ist auch die brasilianische Variante des Coronavirus in Deutschland angekommen. Und zwar in Frankfurt. Der oder die Betroffene saß in einem Flugzeug aus Brasilien, das am Abend auf dem Rhein-Main-Flughafen landete. Die Crew hatte die deutschen Behörden von unterwegs über den Verdacht informiert, berichtete die Virologin Sandra Ciesek gestern in Wiesbaden.

Die Person sei symptomfrei gewesen, sagte die Expertin, die aus Datenschutzgründen keine weiteren Details nannte. Ob es sich um einen Einzelfall handele, sei schwer zu sagen, ergänzte Sozialminister Kai Klose (Grüne). »Wir wissen nicht, wie verbreitet die Varianten in Deutschland sind.« Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie hatte mit ihrem Team an der Frankfurter Uni-Klinik am Donnerstag die Variante aus Brasilien nachgewiesen. Schon in der vorigen Woche waren in Hessen die Mutationen aus Großbritannien und Südafrika entdeckt worden; auch sie stehen in Zusammenhang mit Reisen. Ein Patient war Ende Dezember aus Südafrika gekommen, auch Kontaktpersonen wurden positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Bei dem anderen handelt es sich um einen Frankfurter, der aus Großbritannien nach Deutschland zurückkehrte. Bei der Ankunft war er symptomfrei und wurde zunächst negativ getestet. Corona-Beschwerden traten erst später auf.

»Nicht jede Mutation hat die gleiche Bedeutung«, betont Ciesek. Sie seien auch völlig normal. »Was uns Sorgen macht, sind Mutationen an bestimmten Stellen des Virus.« Eine solche sei etwa dafür verantwortlich, dass die britische Variante um 30 bis 35 Prozent ansteckender sei als der bislang in Deutschland verbreitete »Wildtyp«. Weniger gut seien die aus Südafrika und Brasilien erforscht. Das gelte es nun nachzuholen.

Studien deuten darauf hin, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer in diesem Fall nicht so voll greift wie bei der Mutation aus dem Vereinigten Königreich. Auch gibt es erste Hinweise, dass eine Reinfektion nach einer bereits überstandenen Corona-Erkrankung möglich ist. Nicht bestätigt habe sich bisher die Befürchtung, dass die Mutationen kranker machten, sagte Ciesek.

»Belastbar kann man aktuell zur Ausbreitung in Deutschland nichts sagen«, sagte Klose. Doch von einem »dramatischen Anstieg der Infektionskurven« wie in Großbritannien könne bisher nicht die Rede sein. Hessen werde die Wachsamkeit nochmals erhöhen: »Wir schauen jetzt noch einmal genauer hin.«

Nach einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums sollen die Labore künftig bei positiven Testergebnissen intensiver nach Mutationen suchen. Doch Genomsequenzierung brauche aus mehreren Gründen Zeit, erläuterte Ciesek. Es gebe eine einfachere und flottere PCR-Diagnostik, die jetzt für die schnelle Abklärung im Vorfeld angewandt werden könne. Die besondere Aufmerksamkeit liege auf einem Zusammenhang mit Reisen sowie einem Ausbruch in einer Einrichtung. Hinzukomme das vom Bund verordnete Screening in der Fläche. Als Reaktion auf die neuen Varianten gelten seit 14. Januar bundesweit Regeln für Einreisende aus sogenannten Hochinzidenzgebieten. Sie müssen vor der Abreise dem Beförderer, etwa der Airline, nachgewiesen haben, dass sie nicht infiziert sind. Jutta Rippegather

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