02. April 2021, 21:31 Uhr

Urteile aufgehoben

02. April 2021, 21:31 Uhr

Karlsruhe - Der Fall einer kranken jungen Frau mit Downsyndrom, der die Familie beim Sterben zusah, ohne Hilfe zu holen, muss noch einmal neu vor Gericht verhandelt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob die Verurteilung der Eltern aus Mittelhessen zu jeweils zwei Jahren Haft auf Bewährung auf. Auch der Freispruch für die Schwester der Toten hatte keinen Bestand. Das Landgericht Limburg habe sein Urteil nicht ausreichend begründet, bemängelten die obersten Strafrichter in Karlsruhe.

Die zuckerkranke Tochter, die bis dahin immer gefördert und medizinisch gut versorgt worden war, war 2016 mit 21 Jahren durch Insulin-Mangel gestorben. Am Tag ihres Todes hatte sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert. Trotzdem riefen Eltern und Schwester keinen Arzt, sondern versammelten sich am Abend bei der Sterbenden im Wohnzimmer. Die Schwester hielt sie im Arm, als der Atem aussetzte. Erst dann wählte die Familie den Notruf - viel zu spät.

Gegen die Urteile aus dem Jahr 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Die BGH-Richter stellten aber auch Rechtsfehler zuungunsten der Eltern fest. Damit ist der Ausgang eines zweiten Prozesses offen. dpa

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