13. August 2021, 21:36 Uhr

Üben bis zum »Wow«-Gefühl

13. August 2021, 21:36 Uhr
Monika Kraus (r.) aus Marburg ist froh über ihre Teilnahme am Radfahrkurs. FOTO: DPA

- Besonders das Aufsteigen fand Monika Kraus früher schwierig. Nun bringt die 61-Jährige ihr Fahrrad schon ziemlich routiniert in Gang. Sie nimmt an einem Kurs für Erwachsene mit wenig bis keiner Übung im Radfahren teil. Radfahrlehrerin Christine Rhodes berichtet von einer stetig steigenden Nachfrage von Menschen jeden Alters, die das erste Mal seit Jahren oder das erste Mal überhaupt Fahrrad fahren.

Fernab vom tosenden Straßenverkehr der Mainmetropole üben die Kursteilnehmer zunächst auf der weitläufigen, ebenen und geteerten Fläche des Alten Flugplatzes in Frankfurt-Bonames. Sie fahren in einer Linie der Trainerin hinterher und umkurven grüne und rote Hütchen. Wichtig sei, dass die Übungen so gestaltet seien, dass erst gar keine Angst aufkomme. »Bergab fahren beginnen wir deshalb unten am Berg, nicht oben«, sagt Rhodes.

Viele der sechs Teilnehmer berichten, dass sie als Kind kein Fahrrad hatten. Entweder fehlte das Geld, oder es gab Sorgen der Eltern um die Sicherheit. Der aus dem Iran stammenden Masoumeh Tüllner-Hejri war es sogar verboten. Nun freue sie sich sehr, bald mit dem eigenen Rad loslegen zu können, sagt die 58-Jährige. Im Kurs hat sie unter anderem gelernt, sicher auf- und abzusteigen, bergauf und bergab zu fahren und mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen. Zudem erhalten die Teilnehmer Informationen, wie sie anschließend weiter üben können, wie Lehrerin Rhodes berichtet.

Die Radfahrlehrerin aus Hadamar gibt die Kurse im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). 20 Stunden verteilt auf mehrere Tage wird dabei geübt. Gegen Ende geht es auch vom Flugplatz weg auf die Straße.

Monika Kraus sagt, sie sei froh, dass sie sich trotz Bedenken getraut habe. Den Moment, als sie das erste Mal kühlen Fahrtwind auf der Haut spürte, hat sie noch gut in Erinnerung: »Das war ein richtiges Wow-Gefühl«, sagt die 61-Jährige.

Fahrradfahrer zählen nach wie vor zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Die Zahl der Verkehrstoten sank in den vergangenen Jahren tendenziell, die Corona-Pandemie brachte einen historischen Tiefstand. Doch Zweiradfahrer können von dem Trend am wenigsten profitieren, wie eine Auswertung des Statistischen Bundesamts ergeben hat. Während der Anteil von Autoinsassen an den Verkehrstoten seit 1991 deutlich von 60 auf 43 Prozent sank, gab es bei den Fahrradfahrern eine Verdopplung von acht auf 16 Prozent. dpa

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