13. Januar 2021, 21:06 Uhr

»Terminal 3 wird nicht gebraucht«

13. Januar 2021, 21:06 Uhr
Die Visualisierung zeigt das künftige Terminal 3 (vorn) des Frankfurter Flughafens. ILLUSTRATION: DPA

- Um ihr Anliegen publik zu machen, suchen die Gegner des Flughafenausbaus in Frankfurt die Öffentlichkeit. Weil das derzeit nicht geht, treffen sie sich virtuell in kleineren Zirkeln und hoffen darauf, dass die Montagsdemos wieder losgehen können.

Frau Hauck, das Passagieraufkommen in Frankfurt liegt um mehr als 70 Prozent unter dem des Vorjahrs. Die Landebahn ist zum Parkplatz umfunktioniert. Braucht es die Flughafenausbaugegner noch?

Durch die Stilllegung der Landebahn ist es in Teilen Frankfurts und der Region schon sehr viel ruhiger. Nichtsdestotrotz geht der Bau an Terminal 3 weiter. Die Luftverkehrswirtschaft geht davon aus, dass in einigen Jahren wieder alles wie früher wird. Aber so darf es nicht werden, die Flugbewegungszahlen müssen begrenzt werden. Flugverkehr ist schädlich für Gesundheit und Umwelt. Das ganze System muss überdacht werden.

Wie könnte so ein Neustart nach Corona aussehen? Was sagen Sie, die sich sowohl auf Stadtteilebene als auch Bundesebene im Kampf gegen Fluglärm engagiert?

Ich bin auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs, weil auf unterschiedlichen Ebenen agiert werden muss. Zum einen haben wir die Region Frankfurt und Rhein-Main, in die sich Fraport wie eine Krake reinfrisst. Die Landebahn war immer überflüssig. Die prognostizierten Flugbewegungen wurden nie erreicht. Die Flugbewegungen wurden schöngerechnet. Der Schaden für die Anwohner kleingerechnet. Da müssen wir lokal agieren, damit Fraport weniger Lärm und Schadstoff produziert und sich wie die gute Nachbarin benimmt, als die sie sich gerne darstellt.

Nehmen wir an, die Pandemie ist in einem Jahr tatsächlich so gut wie bekämpft. Wie stellen Sie sich einen Neustart am Flughafen vor?

Unsere Forderungen sind aktueller denn je. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um ins Gespräch zu kommen, wie man den Flugverkehr besser organisieren kann. Das fängt an mit dem Nachtflugverbot, den Nachtrandstunden. Wir wissen wirklich nicht, warum im Moment vor 6 Uhr geflogen werden muss.

Gab es in der Richtung schon Gespräche?

Wir wollen das mit der hessischen Fluglärmschutzbeauftragten Regine Barth angehen. Konkrete Gespräche gab es noch nicht. Parallel setze ich mich als Mitglied der Bundesvereinigung gegen Fluglärm für Änderungen auf der Gesetzesebene ein. Der Flugverkehr gehört zu den am höchsten subventionierten Bereichen. Die Luftverkehrswirtschaft von den Fluggesellschaften bis hin zu den Flughafenbetreibern werden direkt oder indirekt subventioniert. So gibt es zum Beispiel keine Kerosinsteuer. Die tatsächlichen Kosten müssen ersichtlich sein und von den Verursachern getragen werden.

Terminal 3 wird weiter gebaut. Bei einem Baustopp, argumentiert Fraport, würde sehr viel Geld in den Sand gesetzt. Was wäre eine Alternative?

Aus unserer Sicht muss eine Umnutzung des Terminals durchdacht werden. Auch in Hinblick auf die Arbeitsplätze.

An was für eine Umnutzung haben Sie gedacht?

Man kann zum Beispiel die neue Multifunktionshalle dort ansiedeln. Arbeitsplätze, die flugunabhängig sind. Wir vom Bündnis der Bürgerinitiativen planen ein Gespräch mit einer Gewerkschaft aus England, die viele Mitarbeiter des Flughafens Gatwick umgeschult hat auf grüne Berufe. Da ist ja auch Wissen bei den Fraport-Mitarbeitern vorhanden. Man muss an neuen Konzepten arbeiten. Aber dafür muss man erst mal aufgeschlossen sein.

Wegen des Pandemieschutzes haben Sie schon Ende Februar die MontagsDemos am Flughafen ausgesetzt. Wie organisiert sich das Bündnis zurzeit?

Persönlich haben wir uns schon lange nicht mehr gesehen. Wir haben montags immer ein Onlinetreffen, aber damit erreichen wir leider wesentlich weniger Leute. Zu den Montags-Demos kamen jedes Mal rund 150, mit denen man kommuniziert oder Informationen ausgetauscht hat. Unsere Reichweite ist momentan eingeschränkter. Es gibt Newsletter, die Bürgerinitiativen selbst machen ihre Versammlungen auch online. Aber das Interesse ist nach wie vor groß. Wir planen Aktionen, sobald sich die Lage verbessert hat.

Gehören dazu auch die Montags-Demos. Oder haben die sich nach so langer Zeit totgelaufen?

Nein. Sie sind für viele Mitstreiter ein wichtiger Fixpunkt und sobald es geht, werden wir sie wieder aufleben lassen. Die Leute haben jetzt erfahren, wie viel angenehmer es sich ohne Lärm lebt. Und der Klimawandel spielt gesamtgesellschaftlich eine immer größere Rolle. Jutta Rippegather

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