Hessen

Streit um Reformen

Fulda - Die Deutsche Bischofskonferenz hat zu Beginn ihrer Herbstvollversammlung in Fulda den Willen zu Reformen unterstrichen. Ziel des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs, sei es, »das Handeln der Kirche sehr konkret zu verändern«, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Montag zu Beginn des viertägigen Treffens. Es gehe nicht um einen »kleineren Außenanstrich«, sondern um »wesentliche Veränderungen«.
20. September 2021, 20:37 Uhr
DPA
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Proteste begleiten die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Im Fokus dabei: Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. FOTO: DPA

Fulda - Die Deutsche Bischofskonferenz hat zu Beginn ihrer Herbstvollversammlung in Fulda den Willen zu Reformen unterstrichen. Ziel des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs, sei es, »das Handeln der Kirche sehr konkret zu verändern«, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Montag zu Beginn des viertägigen Treffens. Es gehe nicht um einen »kleineren Außenanstrich«, sondern um »wesentliche Veränderungen«.

Rolle der Frau als Zukunftsfrage

Konkret heißt das für Bätzing: »Die Rolle der Frau ist nach meinem Begriff, das habe ich oft genug gesagt, die entscheidende Zukunftsfrage, und eine Öffnung in die Dienste und Ämter hinein muss diskutiert werden.« Zur kirchlichen Sexualmoral sagte er: »Wir brauchen da Zeichen. Zeichen auch im Blick auf Partnerschaften, die nicht in einer sakramentalen Ehe beschlossen werden, ob sie gleichgeschlechtlich oder mehrgeschlechtlich sind. Wir brauchen konkrete Zeichen.«

Bätzing machte diese Zusicherung angesichts immer drängenderer und ungeduldiger Forderungen nach Reformen. So hatte Andrea Keber von der feministischen Reformbewegung »Maria 2.0« zuvor bei einer Pressekonferenz in Fulda erklärt, man erwarte von den Bischöfen auch »eine klare Positionierung gegenüber Rom«. Es helfe nichts, lediglich für Reformbestrebungen Verständnis zu zeigen und Zusicherungen zu machen - und dann einzuknicken, wenn eine Entscheidung aus Rom komme, sagte Keber und erklärte auch mit Blick auf die massiven Kirchenaustritte: »Es geht um die Zukunft dieser Kirche.«

Konservative Bischöfe wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wiederum kritisieren, dass Bätzing und andere Reformer nur Erwartungen schüren würden, die sie am Ende nicht erfüllen könnten, weil der Vatikan dabei nicht mitmachen werde. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte jüngst sogar Alternativtexte auf einer eigenen Webseite veröffentlicht. Dazu sagte Bätzing, dies sei ein »Überraschungsmoment« gewesen, Voderholzers Initiative gefährde den Synodalen Weg jedoch in keiner Weise.

Vom 30. September bis zum 2. Oktober tritt in Frankfurt zum zweiten Mal die Synodalversammlung zusammen, das aus Klerikern und Laien zusammengesetzte Gremium, das am Ende konkrete Handlungsempfehlungen vorgeben soll.

An der Herbstvollversammlung nahm auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße teil, der dem Papst im März seinen Rücktritt angeboten hatte. Der Grund dafür war, dass ihm ein Gutachten Pflichtverletzungen bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nachgewiesen hatte. In der vergangenen Woche hatte Papst Franziskus gleichwohl entschieden, dass Heße in sein Amt zurückkehren kann. Dies hatte eine Welle der Kritik ausgelöst. Der Tenor war: Was müssen Bischöfe eigentlich tun, um ihr Amt zu verlieren? dpa

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/streit-um-reformen;art189,753745

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