10. Mai 2021, 19:28 Uhr

Städter bereiten Landwirten Stress

10. Mai 2021, 19:28 Uhr
Fast 1000 Schafe treibt Schäfer Volker Schuhmacher auf eine Weide in der Nähe der Eschbacher Klippen. FOTO: DPA

Eschbach - Man hört die Herde bereits, ehe die ersten Schafe auf dem Waldweg erscheinen, eine blökende Schar, die Volker Schuhmacher und seiner Hütehündin durch den Wald auf die Weide folgt. Eine Staubwolke glitzert im Nachmittagslicht, beim Anblick des frischen Grüns laufen die mehr als 900 Schafe schneller, die Hündin sorgt für Ordnung in der Herde, scheucht ein paar neugierige Lämmer wieder zurück auf den Weg. Minutenlang ist es laut, dann haben Mutterschafe und Lämmer zueinandergefunden, weiden und lassen sich das frische Gras schmecken. Schuhmacher schiebt den Hut zurück, seine blauen Augen wandern über die Herde. Jetzt fehlt nur noch ein Pfeifchen zur kompletten Schäferidylle.

Das finden auch die Ausflügler und Touristen, die immer wieder auf Schuhmachers Herde stoßen - eher zum Leidwesen des 66-Jährigen, dessen Hof in der Nähe der Eschbacher Klippen und damit einem Ausflugsziel steht. Seit Beginn der Corona-Pandemie kommen die Ausflügler nicht mehr nur am Wochenende, und ihre Zahl hat zugenommen.

Nicht immer sind die Besucher ein Grund zur Freude. Denn viele glaubten, die Felder seien Allgemeingut und die Wirtschaftswege der Landwirte reine Touristenpfade. »Die stören schon, wenn sie überall ausschwirren«, meint er. »Fährt man in den Wald, laufen die Leute mit Stöpsel im Ohr und Handy, hupt man, werden die oft aggressiv und schreien rum wegen Staub. Dabei will ich doch nur zu meinen Schafen.« Und ohne Auto gehe es nicht, wenn das Weidegebiet mit einem Elektrozaun gesichert wird.

»Die wissen nicht, was sie alles kaputt machen, wenn sie auf dem Feld Federball spielen oder ein Picknick machen«, klagt Schuhmacher. Wenn er mit seinen Schafen von Weidefläche zu Weidefläche ziehe, seien besonders frei laufende Hunde ein Problem. »Die laufen überall drüber, keiner hält sich an die Schilder zur Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit. Und wenn man sich beschwert, heißt es immer, der will doch bloß spielen.« Frei laufende Hunde machten allerdings seine Schafe nervös.

Zwar gibt es Bauernvertreter, die in der Landflucht der Städter Vorteile sehen. »Gerade unsere Direktvermarkter profitieren, da man sich besinnt, woher die Produkte kommen«, so Karsten Schmal, der Präsident des Hessischen Bauernverbands. Es sei auch wichtig, dass der Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern in Gang komme.

Schuhmacher hingegen ist froh, wenn er möglichst wenig mit Touristen zu tun hat, die ihm häufig ungefragt erzählen, was für einen relaxten Job er habe. »Jeder hat einen Kommentar zu geben: Die Schafe stehen in der Sonne. Die frieren, es ist doch nass«, erzählt er kopfschüttelnd. Und wehe, ein Ausflügler sehe etwa ein tot geborenes Lamm: »Die wollen da gleich mitsterben.«

Das Problem sei nicht allein, dass mancher Städter Tiere vermenschlicht, sondern dass manche sich ausgesprochen rücksichtslos verhalten, ergänzt Elke Schuhmacher, die Frau des Schafbauern. »Da sind Leute, machen Camping oder lassen Müll liegen - und das geht nicht. Manche wollen nicht sehen, dass sie zu Gast sind.« DPA

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