24. März 2021, 21:01 Uhr

Sorge um Trinkwasser an der A 49

24. März 2021, 21:01 Uhr
Besorgnis: Das Gleental beim Schmitthof ist Wasserschutzgebiet für Brunnen, die auch Frankfurt mit Trinkwasser versorgen. Nun soll die A 49 den Bereich durchschneiden. FOTO: JOL

Homberg/Ohm - Die Folgen der neuen Autobahn A 49 für das Grundwasser sind nach Ansicht der Gegner des Projekts nicht ausreichend berücksichtigt. »Wir fordern einen sofortigen Baustopp bis zum Ende des Planergänzungsverfahrens«, sagte Barbara Schlemmer, Sprecherin des Aktionsbündnisses »Keine A49«, dieser Tage in Dannenrod, Stadtteil von Homberg/Ohm.

Sie sei »sehr erschüttert«, dass das Land die Mängel akzeptiere. Die Daseinsvorsorge der Bevölkerung müsse oberste Priorität genießen, forderte Schlemmer. Kurz danach präsentierte das hessische Verkehrsministerium das Ergebnis einer Prüfung der am Regierungspräsidium in Gießen angesiedelten Oberen Wasserbehörde. Demnach ist der Schutz der Gewässer gewährleistet. Die Linke im Landtag hatte eine fachgutachterliche Stellungnahme bei RegioConsult in Marburg in Auftrag gegeben. Darin zeigen die Experten schwerwiegende Mängel im Gewässerschutz beim Neubau der A 49 zwischen Stadtallendorf und Gemünden auf. Unter anderem sei die Belastung der Autobahnabwässer mit Benzo(a)pyren falsch berechnet, sagte Wulf Hahn von RegioConsult. Der krebserregende Schadstoff entsteht aus Abgasen von Verbrennungsmotoren.

Vorwürfe gegen Al-Wazir

Es fehlten Abwehrbrunnen gegen die Grundwasserverunreinigung an der Gleentalbrücke, so Hahn weiter. Die geplante Technik zur Ableitung der Abwässer entspreche seit Jahren nicht mehr dem aktuellen Stand. Und die Eingriffe in das Grundwasser durch 25 Meter tiefe Brückenpfeiler seien nicht untersucht worden. Sein Fazit: »Mit den vorliegenden Planungen wird das Verschlechterungsverbot der Wasserrahmenrichtlinie nicht vollständig eingehalten und es wird gegen das Wasserhaushaltsgesetz verstoßen.«

Der stellvertretender Vorsitzende der Linken, Jan Schalauske, warf dem hessischen Verkehrsminister vor, seiner Pflicht nicht nachzukommen: »Die Verantwortung ist auch nach der Übergabe der Zuständigkeit an die Autobahn GmbH bei Hessens Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) geblieben.« Aus fachlicher Sicht, so Schalauske, hätte dessen Ministerium das Gutachten zur Überprüfung der Einhaltung der Wasserrahmenrichtlinie zurückweisen müssen. »Für eine Planaufsichtsbehörde grenzt es an Verleugnung, es als Nachweis der Unbedenklichkeit des Autobahnbaus für das Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser zu akzeptieren.«

Der Schutz des Grund- und Trinkwassers werde »sehr genau überwacht«, heißt es hingegen in der Mitteilung des Ministeriums. Die Obere Wasserbehörde bescheinige dem kritisierten Fachbeitrag zwar »kleinere redaktionelle Mängel und Ungenauigkeiten in der Darstellung«. Diese stellten aber nicht die Kernaussage infrage. Gleiches gelte »für punktuelle Schwächen der Darstellung in Bezug auf Schadstoffeinträge und vorgeschriebene Schwellenwerte«. Im Ergebnis sei eine Verschlechterung des Grundwasserkörpers auszuschließen. Das Ministerium nehme die Anregungen »sehr ernst« und werde die Obere Wasserbehörde beim Ausarbeiten der sogenannten Ausführungsplanung beteiligen. »Dadurch wird sichergestellt, gegebenenfalls erforderliche Änderungen und Ergänzungen zum Gewässerschutz durchzusetzen.« Ein weiteres wasserrechtliches Verfahren schließt das Ministerium ausdrücklich nicht aus.

Der Lückenschluss von 31 Kilometern soll Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Dafür waren im Maulbacher Wald, aber auch im nahe gelegenen Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie im Dannenröder Forst Bäume gefällt worden. Befürworter versprechen sich von dem seit 40 Jahren geplanten Vorhaben eine schnellere Anbindung an die Metropolen. Die Gegner befürchten mehr Lärm und kämpfen gegen Umweltzerstörung. Jutta Rippegather

Schlagworte in diesem Artikel

  • Die Linke
  • Gewässerschutz
  • Minister
  • Ministerien
  • Tarek Al-Wazir
  • Umweltzerstörung
  • Verkehrsminister
  • Verkehrsministerien
  • Wasserhaushaltsgesetz
  • Wasserrahmenrichtlinie
  • Wasserrecht
  • Homberg
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen