21. Oktober 2021, 22:00 Uhr

Skyline im Wandel

Wer an Frankfurt denkt, denkt unweigerlich an die Skyline. Nicht umsonst trägt die Stadt den Beinamen Mainhattan. Doch wie fing das alles an mit den Hochhäusern?
21. Oktober 2021, 22:00 Uhr
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Aus der Redaktion

Wer Antworten auf diese Frage sucht, stellt fest, dass es einen Teil der einst markanten Bauten nicht mehr gibt. Zudem wäre zu klären, was ist eigentlich ein Hochhaus? Die Hessische Bauordnung nennt eine Mindesthöhe von 22 Metern. So ist für manche der 1926 fertiggestellte und 33 Meter hohe Mouson-Turm das erste Hochhaus der Stadt. Für viele zählt er nicht, da er seine Höhe nur dem Treppenhaus zu verdanken hat. Oder ist es eher das heute von der Universität genutzte IG Farben-Haus mit dem Baubeginn 1928, immerhin 35 Meter hoch? Für Martin Hunscher, Leiter des Stadtplanungsamtes, ist es eher das Gewerkschaftshaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße, 1931 erbaut nach Plänen der Berliner Architekten Max Taut und Frank Hoffmann. Eher unscheinbar steht es mit seinen 31 Metern zwischen den Bankentürmen. Doch nach Fertigstellung ragte es deutlich über die Gründerzeitvillen hinaus.

Dem Stahlskelettbau ist deutlich anzusehen, dass er im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet wurde: klare gerade Linien, bei den Materialien dominieren Stahl, Glas und Beton. Es war die Zeit des Neuen Frankfurts und des Stadtbaurates Ernst May, in der die Römerstadt, Höhenblick oder »Zickzackhausen« als Siedlungen im Stil der klassischen Moderne entstanden. Gemein haben diese drei Häuser, dass sie bis heute zum Stadtbild gehören.

Anders sieht es mit Bauten aus, die in der Wirtschaftswunderzeit der 50er Jahre und danach entstanden sind. Errichtet während der sogenannten Nachkriegsmoderne, sind etliche wieder verschwunden. So etwa das AEG-Hochhaus. Das erste Bürohochhaus nach dem Zweiten Weltkrieg entstand bis 1951, ragte 43 Meter in die Höhe und beherbergte die Unternehmenszentrale des Elektrokonzerns. Als dieser nach 1996 abgewickelt wurde, erwarb die Allianz das Areal, ließ die Gebäude abreißen und errichtete ein neues Bürozentrum auf dem Grundstück.

Immer wieder sind in Frankfurt markante Punkte im Stadtbild verschwunden. Hierzu gehört etwa das Fernmeldehochhaus in der Innenstadt, ebenfalls erbaut im sachlichen Stil der Nachkriegsmoderne. Mit seinen 69 Metern Höhe und den markanten Antennen war der 1956 fertiggestellte Bau ein optischer Fixpunkt in der damals noch flachen Frankfurter Innenstadt. Heute stehen auf diesem und benachbarten Grundstücken das Hotel Al Jumeirah, das Bürohochhaus Nextower und das Einkaufszentrum Myzeil.

Ebenfalls verschwunden ist das Zürich-Hochhaus. Entstanden zwischen 1958 und 1960, war es seinerzeit mit seinen 68 Metern einer der höchsten Bauten seiner Art. Mit ihm zog die »International Style« genannte Architekturrichtung in die Stadt ein. Wie zuvor verzichteten die Architekten zwar auf Schnörkel. Die Materialien: Beton, Stahl und Glas. Und die Formensprache zeigte: Man will nach oben, hoch hinaus. »Man nannte diese Bauten auch Kisten«, sagt der Architekturhistoriker Philipp Sturm. In Frankfurt kam die Richtung »hoch hinaus« zwischen dem damals mit Gründerzeitvillen flach bebauten Westend und der Ruine der Alten Oper deutlich zur Geltung. Zugleich markierte es den Beginn der Ausdehnung des Bankenviertels.

Diese historische Bedeutung veranlasste die Denkmalpfleger, das Zürich-Hochhaus zu schützen. Die Zürich-Versicherung als Eigentümerin wehrte sich juristisch dagegen und nach einigem Hin und Her durfte das Gebäude 2002 abgerissen werden. »Die Hochhausrevolution frisst nun ihre eignen Kinder - und das just in dem Moment, in dem diese erstmals potenziell denkmalwürdig werden«, schrieb der Kunsthistoriker Markus Dauss.

Ähnlich ist es dem ums Eck gelegenen Hochtief-Hochhaus ergangen. Erbauer war Egon Eiermann, einer der berühmtesten deutschen Architekten der Nachkriegszeit. Das 22-stöckige Gebäude war ursprünglich mit acht Etagen konzipiert. Es sackte ab und die Bodenwanne drohte zu reißen. Der Baukonzern beantragte, den Denkmalschutz aufzuheben, um das etwas höhere Ensemble WestendDuo zu errichten.

Generationen von Studierenden dürfte der AfE-Turm auf dem ehemaligen Universitätsgelände ein Begriff sein. Mit seinen 116 Metern war das von 1969 bis 1972 errichtete Gebäude kurzzeitig das höchste Haus der Stadt. Der brutalistische Stahlskelettbau beheimatete bis 2012 Seminarräume, Bibliotheken, Büros und Hörsäle der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Für 2500 Studierende konzipiert, musste das Gebäude schon bald die doppelte Anzahl aufnehmen. Das schmale, hohe Gebäude galt als dysfunktional. Wer ein Seminar besuchen wollte, musste lange Wartezeiten an den Aufzügen in Kauf nehmen. Die innere Aufteilung mit 31 Geschossen auf 38 ineinander verschobenen Ebenen galt ebenfalls als problematisch. Der Umzug der Universität zum IG-Farben-Gelände im Westend brachte um das Jahr 2010 das Aus für den Bau. Er wurde 2014 gesprengt.

Eine Sonderstellung nimmt der Henninger-Turm am Sachsenhäuser Berg ein. Denn das von 1959 bis 1961 entstandene Gerstesilo zählt nicht zur Gruppe der Bürohochhäuser, gehört aber zur Silhouette der Stadt einfach dazu. Mit seiner Höhe von 120 Metern war es bis 2005 das höchste Gebäude dieser Art weltweit. Verschärfte Brandschutzauflagen führten dazu, dass das Drehrestaurant in dem Aufsatz nicht mehr genutzt wurde. Auch für das Braugerste-Silo war der Bedarf entfallen. Das Gebäude wurde 2013 abgerissen. Auf dem Gelände entstand ein 15 Meter höheres Wohnhochhaus, dessen Silhouette dem Ursprungsbau ähnelt.



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