06. September 2021, 20:24 Uhr

Signale setzen für Umweltpolitik

Bettina Hoffmann gehört nicht zu den Lautsprechern der Grünen, doch an Selbstbewusstsein mangelt es der 61-jährigen Nordhessin nicht: Als die Partei im Januar ihre Landesliste für die Bundestagswahl aufstellten, kandidierte sie für den Spitzenplatz gegen ihre 63-jährige Darmstädter Bundestagskollegin Daniela Wagner, die 2017 die Landesliste angeführt hatte. Hoffmann gewann.
06. September 2021, 20:24 Uhr
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Aus der Redaktion
Für die Hessen-Grünen im Rennen: MdB Bettina Hoffmann im Redaktionsgespräch. FOTO: SCHACHTSCHNEIDER

Für die promovierte Biologin Bettina Hoffmann war klar, dass diesmal eine ausgewiesene Umweltpolitikerin auf Platz eins stehen sollte: »Ich sehe das als Signal, dass Umweltpolitik jetzt im Zentrum allen Handelns stehen muss. Die Konzepte haben wir längst, sie müssen jetzt auch umgesetzt werden.«

Dass den Grünen bei ihrem Leib- und Magenthema schnell das Stigma der Verbotspartei angeheftet wird, weiß Hoffmann. Es gehe aber nicht darum, den Menschen Vorhaltungen oder bessere Menschen aus ihnen zu machen. »Wir wollen die Regeln, nach denen wir zusammenleben - und die gibt es ja schon - besser machen. Und zwar so, dass wir auch diejenigen erreichen, für die das Klima nicht an erster Stelle steht.« Diejenigen also, die sich Klimaschutzmaßnahmen nicht ohne Weiteres leisten können. Sie sollen über einen Klimabonus einen Ausgleich bekommen, sagt Hoffmann. Aus Kostengründen nichts zu tun oder weniger, ist für die Grüne jedenfalls keine Alternative.

Klare Regeln

Auch für die Wirtschaft nicht, wie sie auch vielen Unternehmensbesuchen wisse: »Die Unternehmen warten auf klare Regeln. Wenn die derzeitige Bundesregierung nur auf Sicht fährt, hemmt das Investitionen. Manche Unternehmen wünschen sich sichere Übergangsfristen, aber vor allem eine klare Ansage für nachhaltige Maßnahmen.«

Auch wenn die Mutter zweier erwachsener Kinder erst seit einer Legislaturperiode dem Bundestag angehört - an politischer Erfahrung mangelt es ihr nicht. Die gebürtige Philippsthalerin (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ist seit mehr als 20 Jahren Stadtverordnete in Niedenstein (Schwalm-Eder), war Kreistagsabgeordnete und ehrenamtliche Kreisbeigeordnete, Vorstandssprecherin ihres Kreisverbandes und Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Ländlicher Raum. Sie gehörte dem Landesvorstand der Grünen an und war frauenpolitische Sprecherin.

»Dass die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in Stadt und Land 2018 als Staatsziel in die hessische Verfassung aufgenommen wurde, dafür habe ich persönlich mit gesorgt«, erklärt Hoffmann sichtlich zufrieden. Dahinter verberge sich vor allem die Forderung nach besserer öffentlicher Infrastruktur, sowohl im Verkehr als auch im sozialen Bereich im ländlichen Raum. Beruflich hatte sie immer mit grünen Themen zu tun, sei es als Biologin in der Forschung, im Labor oder dann in der Agentur für Planung und Kommunikation, die sie fast 20 Jahre gemeinsam mit ihrem Mann geführt hat. Es ging um Umwelt, Tourismus und Regionalentwicklung: »Auch da habe ich gesehen, dass es viele gute Konzepte gibt, die aber in den Schubladen ruhen.«

Hoffmann will sie rausholen und dazu beitragen, dass die Grünen ökologische Konzepte in der nächsten Bundesregierung umsetzen. Ob ihnen das gelingt, ist ungewiss, denn der Höhenflug der Partei wurde gerade abgebremst. Doch Bettina Hoffmann ficht das nicht an: »Das ist halt jetzt ein Auf und Ab, da kann sich schnell was ändern«. Auf Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock lässt sie nichts kommen: »Klar wurden Fehler gemacht, aber das meiste wurde auch sehr aufgebauscht.«

Problemfall A 49

Dass man später in einer Regierung Kompromisse machen muss, gehöre in der Demokratie dazu. Das haben die Grünen auch in Hessen erlebt. Beispiel: die A 49. Als unter massiven Protesten die Rodungen in Mittelhessen begannen, lasteten viele Gegner das dem grünen Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir an. »Aber man kann den Leuten erklären, dass das nicht stimmt.« Auch Hoffmann ist eine entschiedene Gegnerin des Projektes und forderte ihre Partei nach ihrer Wahl auf, weniger kompromissbereit zu sein: »So etwas wie die A 49 darf nicht wieder vorkommen.«

Nicht in der »Blase«

Sorge, sich in der oft zitierten »Blase Berlin« vom Alltag der Menschen zu entfernen, hat Hoffmann nicht. »Ich bin viel im meinem Wahlkreis unterwegs, und was im Bundestag entschieden wird, hat ja auch direkt mit den Menschen im Land zu tun.« Gleichwohl glaubt sie, dass es besser wäre, die Zahl der Legislaturperioden für Abgeordnete zu begrenzen - ohne sich auf eine Zahl festzulegen. »Es würde aber verhindern, dass Menschen die Politik zu ihrem Lebensentwurf machen und Gefahr laufen, dass ihr Mandat irgendwann wichtiger wird als die Interessen der Bürger.«



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