10. März 2021, 20:22 Uhr

Sause in der Zwangspause: Wenn Wirte trotz Verbots öffnen

10. März 2021, 20:22 Uhr
Bewirtung ist noch nicht erlaubt. FOTO: DPA

Darmstadt/Frankfurt/Kassel - Die Kneipen sind seit Wochen dicht. Restaurants dürfen Essen nur nach Bestellung an der Tür verkaufen oder nach Hause liefern. Eine schnelle Besserung der Lage ist für die Wirte in der Corona-Pandemie nicht in Sicht. Schon zum Jahresstart prognostizierte der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA für Hessen Umsatzverluste in Milliardenhöhe und wachsende Existenzsorgen. Einige protestierten mit Aktionen gegen die Auflagen, andere zapften trotz aller Verbote in ihren Gaststuben Bier und öffnen für einige Feierlustige die Türen.

»Statistisch hat das keine Relevanz. Aber klar gibt es die schwarzen Schafe«, sagte der Hauptgeschäftsführer des DEHOGA in Hessen, Julius Wagner. »Wo Verordnungen und Gesetze sind, da werden sie auch gebrochen.« Der Hotel- und Gastronomieverband und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderten derweil nachdrücklich einen Corona-Perspektivplan zur vollständigen Öffnung der Branche. Es müsse einen belastbaren Fahrplan für die Betriebe geben. Die Regierung müsse die Nöte der 18 000 Betriebe mit ihren rund 185 000 Beschäftigten ernst nehmen und sich für einen erweiterten Stufenplan einsetzen. In einer Mitteilung des Landesregierung über die Regeln für die Gastronomie im zweiten Lockdown heißt es schlicht: »Einrichtungen, deren Schwerpunkt nicht im Anbieten von Speisen liegt, sind zu schließen. Hierzu gehören insbesondere: Bars, Kneipen, Schankwirtschaften, Shisha-Bars.« Einige Wirte missachten die Regeln. Das Ordnungsamt in Frankfurt hat seit Anfang November mit der Schließung der Kneipen 75 Verfahren wegen Verstoßes gegen das Bewirtungsverbot eingeleitet, überwiegend gegen Betreiber von Trinkhallen. Zudem seien 13 Verfahren eingeleitet worden, weil entgegen aller Regeln Gäste in den Kneipen waren. Einige der schwarzen Schafe waren selbst nach dem Auffliegen des Ausschanks unbelehrbar. »In acht Fällen wurden gegen Betreiber gastronomischer Betriebe mehr als einmal Bußgeldverfahren eingeleitet, auch hier sind hauptsächlich Betreiber von Trinkhallen betroffen«, teilte das Ordnungsamt auf Anfrage mit.

Auch in Kassel verstieß ein Wirt mehrfach gegen die Auflagen. »Zusätzlich zu den Bußgeldverfahren wurde die verantwortliche Person in diesem Fall ermahnt, dass bei weiteren Verstößen auch eine Betriebsuntersagung in Betracht kommen kann«, teilte der Sprecher der Stadt, Claas Michaelis, mit. Insgesamt seien im zweiten Lockdown in der nordhessischen Stadt bislang vier Verstöße festgestellt worden. In Darmstadt waren es nach Angaben des Magistrats acht Verfahren. Die Polizei löste mehrfach illegale Treffen in Kneipen und Bars auf. So feierten in Höchst in einer Bar im Januar 24 Menschen ohne Abstand und Maske. In Frankfurt setzten Ermittler im November in einer Bar nicht nur den Verstößen gegen die Corona-Auflagen ein Ende, sie hoben auch eine Zockerrunde aus. dpa

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