12. März 2021, 19:13 Uhr

Sanitäter soll fixierten Mann geschlagen haben

12. März 2021, 19:13 Uhr
Nach einer Auseinandersetzung in dieser Flüchtlingsunterkunft laufen gegen einen Rettungssanitäter sowie gegen zwei Polizeibeamte und einen Bewohner Ermittlungen. FOTO: DPA

Kassel - Nach einer Auseinandersetzung bei einem Einsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel laufen gegen einen Rettungssanitäter sowie gegen zwei Polizeibeamte und einen Bewohner der Einrichtung staatsanwaltliche Ermittlungen. Der 44 Jahre alte Rettungssanitäter soll laut Staatsanwaltschaft Kassel bei dem Einsatz im Beisein der Polizisten einen auf einer Trage festgeschnallten Bewohner der Unterkunft einmal geschlagen haben, nachdem dieser den Sanitäter und seine Kollegin bespuckt haben soll. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wird gegen den Sanitäter wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt und zudem geprüft, ob die Beamten eine Strafvereitelung im Amt begangen hätten. Bei den Ermittlungen sei auch ein Video aus einer Überwachungskamera gesichtet worden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalls. »Die Bilder auf dem Video sind schrecklich. Die Umstände und der Tathergang müssen jetzt so schnell wie möglich aufgeklärt werden.« Vom hessischen Innenministerium hieß es: »Das angesprochene Video macht uns fassungslos. Unabhängig davon, wie sich die fixierte Person zuvor gegenüber dem Sanitäter verhalten haben mag, ist es völlig inakzeptabel, eine wehrlose Person zu schlagen. Damit steht unzweifelhaft der Straftatbestand der Körperverletzung im Raum. Wenn Polizisten Zeugen einer solchen Straftat werden, müssen sie sofort mit aller Entschlossenheit einschreiten«, so das Ministerium. Gegen die eingesetzten Polizeibeamten würden disziplinarische Konsequenzen geprüft.

»Fassungslos und betroffen«

Auch der Kasseler Polizeipräsident Konrad Stelzenbach zeigte sich erschüttert. »Ich darf Ihnen versichern, dass mich die Abläufe vom 8. 11. 2020, so wie sie in der Videosequenz zu sehen sind, fassungslos und betroffen machen«, erklärte Stelzenbach am Freitag. »Gewalt gegen eine fixierte und somit wehrlose Person ist nicht zu tolerieren - ganz unabhängig davon, was zuvor vorgefallen ist.«

Die Auseinandersetzung ereignete sich bereits am 8. November vergangenen Jahres. Laut damaligem Polizeibericht waren Polizei und Rettungsdienst seinerzeit wegen eines randalierenden Bewohners in die Flüchtlingsunterkunft gerufen worden. Der 32-Jährige »sichtlich alkoholisierte« Bewohner sei zunächst »scheinbar hilflos« gewesen, während des Einsatzes aber »wieder zu Kräften« gekommen. Der Mann soll versucht haben, die Einsatzkräfte mit einer Alu-Leiter zu attackieren. Die Beamten hätten ihn »durch den schnellen Einsatz von Pfefferspray« abwehren und den Angreifer anschließend überwältigen können. Der Mann habe erhebliche Gegenwehr geleistet, es sei auch »zu mehreren Spuckattacken gegen die Beamten und die Rettungskräfte« gekommen, hieß es. Der Schlag des Rettungssanitäters wurde in dem Polizeibericht nicht erwähnt. dpa

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