07. Februar 2021, 20:17 Uhr

Riskanter Trend

07. Februar 2021, 20:17 Uhr
Die Polizei warnt: Driften ist gefährlich. FOTO: DPA

- Der Motor heult, das Heck bricht aus und das Auto schlittert um die Kurve. Kein Malheur, sondern ein gewolltes Manöver wie bei einer Rallye. Beim Driften übersteuern PS-Fans ihr Fahrzeug absichtlich - und nicht immer auf speziellen und dafür geeigneten Arealen wie Rennstrecken. Die Polizei beobachtet eine wachsende Zahl von Drift-Vorfällen im öffentlichen Raum. »Es ist ein gefährliches Unterfangen und wir können von Glück sagen, dass bislang im Verhältnis zu den Fällen, die festgestellt wurden, noch nicht mehr passiert ist«, sagt Thomas Mosbacher, Experte für Verkehrsprävention beim hessischen Landeskriminalamt.

Unter Driften versteht man - angelehnt an eine Bezeichnung aus dem Motorsport - das Herumschleudern mit dem Auto, wobei die Hinterachse ausbricht. Fälle seien ganzjährig zu beobachten. Driften sei aber leichter, wenn der Untergrund unbefestigt oder verschneit und vereist sei, sagt Mosbacher. Für die Manöver würden auch Supermarktparkplätze genutzt oder ein Kreisverkehr. »Wer immer meint, das tun zu müssen, sollte auch bedenken, dass er nicht nur sich gefährdet, sondern auch unbeteiligte Dritte.«

Die Gefahr beim Driften ist, dass das Fahrzeug unkontrollierbar ausbricht, wie der Experte erläutert. »Dann ist alles möglich: Das Auto kann sich überschlagen, in den Graben rutschen oder in den Gegenverkehr geraten.« Genau Zahlen zu Zwischenfällen oder Crashs gibt es demnach nicht, da der Begriff in der Statistik nicht eigens aufgeführt wird. Fest stehe aber: »Es gibt die Vorfälle, und die Zahlen steigen, was wir bei Kontrollen feststellen.«

In den vergangenen Monaten fielen allein in Hessen mehrfach Drifter auf: Anfang Januar etwa nutzten Unbekannte die schneebedeckte Start- und Landebahn des Segelflugplatzes in Gedern im Wetteraukreis für ihre Fahrmanöver - das Gelände wurde durch tiefe Spurrillen verwüstet. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei auf dem Plateau am Hohen Meißner ein Treffen von Autodriftern mit 40 Wagen aufgelöst. Im vergangenen Sommer knallte ein 18-Jähriger auf einem Schulhof in Gießen beim nächtlichen Üben mit seinem Wagen gegen eine Sitzbank. Im benachbarten Thüringen gab es anders als in Hessen bereits einen tödlichen Unfall: Vor wenigen Wochen starb ein vierjähriges Mädchen in Gera, während es mit seinen Eltern einen Rodelausflug gemacht hatte. Nach damaligen Polizeiangaben wurde das Kind eingeklemmt, als ein Mann beim Driften auf der Schneefläche die Kontrolle über seinen Wagen verlor und gegen einen Transporter prallte.

»Winterliche Fahrbahnen verleiten dazu, das Driften auszuprobieren«, sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Im realen Straßenverkehr sei bewusst herbeigeführtes Driften aber fahrlässig und gefährlich.

Von »Leichtsinn« spricht denn auch Polizei-Experte Mosbacher - und mitunter von »Auswüchsen« der PS-begeisterten Szene. Nicht jeder, der an seinem Auto bastele und es tune, sei ein Drifter, betont er. »Aber Drifter kommen oftmals aus der Tuning-Szene«. Längst seien nicht nur junge Leute dabei. »Nach unseren Erkenntnissen ist auch das gesetztere Alter von 30, 40 vertreten. Und es sind meistens Männer.«

Die Polizei setzt zum einen auf Kontrollen. Zum anderen wolle man sensibilisieren, auf die Gefahren aufmerksam machen und auch deutlich machen: Wenn schon driften, dann auf Rennstrecken oder ausgewiesenen Arealen. dpa

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