09. Dezember 2020, 21:52 Uhr

Rindenbrand schwächt Bäume

09. Dezember 2020, 21:52 Uhr
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Aus der Redaktion
Perfekte Bedingungen für Schädlinge: Auch der Borkenkäfer macht sich unter der geschädigten Rinde breit. FOTO: PRIVAT

Oberursel - Die ersten Bäume sind bereits gefallen; ihre Überreste liegen neben der Halle auf dem Freigelände der Brüder Valentin und Florian Steden an der verlängerten Freiligrathstraße in Oberursel. Dort soll demnächst eine neue Kelterei samt Gastronomie entstehen, ein Projekt für das das Stadtparlament im Juli grünes Licht gegeben hatte. Dass dafür gut zehn Prozent der Apfelbäume weichen müssen, sei eingeplant gewesen, schildern die Brüder im Gespräch mit dieser Zeitung.

Tatsächlich werden aber noch deutlich mehr der hochstämmigen Stöffche-Lieferanten fallen. »Das tut uns sehr weh«, sagt Florian Steden. Knapp ein Viertel der Bäume ist von dem Pilz »Diplodia mutila« befallen - auch bekannt unter dem Namen Rindenbrand.

Trockenheit, Risse und Borkenkäfer

Dass so viele ihrer Bäume auf einmal erkranken, ist für die Brüder eine ganz neue Erfahrung. Allerdings sind sie damit nicht allein. Viele Obstbauern haben derzeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Äußere Zeichen für den Rindenbrand sind flächige dunkle Verfärbungen und Risse, die senkrecht am Stamm verlaufen. Um zu klären, was mit den Bäumen geschehen soll, hätten sie sich mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Landwirtschaft ausgetauscht, berichten Florian und Valentin Steden.

Und damit bei Passanten kein falscher Eindruck entstehe, haben sie nun rund um ihr Grundstück Informations-Tafeln aufgestellt. »Alle Bäume werden nachgepflanzt«, versichern die Brüder - entweder an gleicher Stelle oder auf einem Nachbargrundstück, das derzeit als Acker genutzt wird. Das gelte auch für die Exemplare, die für das Keltereiprojekt gefällt werden müssen.

Die Trockenheit der vergangenen drei Jahre habe nicht nur dem Wald, sondern auch Bäumen auf den Streuobstwiesen enorm zugesetzt, schildert Valentin Steden. »Durch das fehlende Wasser wird das Immunsystem geschwächt.« Dadurch werden die Apfelbäume anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Was seit Neuestem auch der Borkenkäfer ausnutzt. Bislang hat der Schädling sein Unwesen im Wald getrieben und dort vor allem Fichten befallen. Inzwischen hat er aber auch Geschmack an Obstbäumen gefunden. Die durch die Trockenheit entstehenden Risse und Verletzungen seien nicht nur »Eintrittspforten für pilzliche Erreger, sondern auch für den Borkenkäfer«, konstatiert Valentin Steden.

Mittlerweile sind drei Arten bekannt, die auch Obstgehölze befallen. Sie bohren sich in die geschwächten Bäume und legen ihre Larven zwischen Rinde und Holz. Diese wiederum ernähren sich vom Rindengewebe und hinterlassen die für Borkenkäfer typischen Brut- und Fraßgänge.

Wenn ein Baum von Borkenkäfern befallen ist, sollte er möglichst schnell gefällt werden, um eine Übertragung auf die gesunden Nachbarbäume zu verhindern. Ähnlich verhalte es sich mit dem Rindenbrand, sagt Valentin Steden.

Manchmal hilft nur die Fällung

Leider gebe es ansonsten wenig, was man dagegen tun könne. Bei manchen Bäumen könne es reichen, wenn man die befallenen Äste entfernt und kleinere Stellen am Stamm ausschneidet. Sobald aber größere Bereiche am Stamm betroffen seien, müsse der gesamte Baum entfernt werden - mitsamt dem Altholz, denn totes Holz sei das bevorzugte Medium, auf dem sich der Pilz vermehrt. »Der breitet sich ruckzuck aus«, weiß Valentin Steden über die Misere zu berichten. Was die Nachpflanzungen angeht, sind die beiden Brüder nun auf der Suche nach Apfelsorten, die mit Trockenheit besser zurechtkommen. Torsten Weigelt



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