23. September 2021, 20:13 Uhr

Restaurants schätzen Flexibilität

»Arbeitserleichterung«, »Normalität«, »volle Kapazität«: Im Gastro- und Friseurgewerbe begrüßen viele das neue 2G-Optionsmodell bei den Corona- Regeln. Aber es gibt auch kritische Punkte.
23. September 2021, 20:13 Uhr
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Von DPA

Rund eine Woche nach dem Start des 2G-Optionsmodells bei den hessischen Corona-Regeln ziehen Gastgewerbe und Friseure ein durchweg positives Resümee. Die neue Möglichkeit sei eine »Arbeitserleichterung« und gebe »ein Stück Normalität« zurück, sagte der Landesinnungsmeister der Friseure, Kay-Uwe Liebau, auf dpa-Anfrage in Darmstadt.

»Die Erfahrungen sind grundsätzlich und mehrheitlich positiv«, sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA, Julius Wagner. »Bedauerlicherweise sehen sich die Gastronomen aber auch Anfeindungen ausgesetzt, hauptsächlich in den sozialen Netzwerken oder durch diffamierende E-Mails.«

Mit dem 2G-Modell sind Lockerungen für Menschen gemeint, die gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind. Für Besucher und Kunden gelten dann in den teilnehmenden Einrichtungen - zum Beispiel Restaurants, Cafés, Kinos oder Friseursalons - keine Maskenpflicht und keine Abstandsregeln. Die 3G-Regel bedeutet, dass nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete Zutritt haben. Beispielsweise für die Innengastronomie gelten bei dieser Variante Maskenpflicht bis zum Platz und Abstandsregeln.

Nach DEHOFGA-Schätzungen führen etwa 40 Prozent der Gastronomiebetriebe in Hessen ihren Betrieb nun nach dem 2G-Optionsmodell - teilweise ganz, teilweise je nach Veranstaltung oder Räumlichkeiten. Er gehe davon aus, dass im Herbst und Winter die 2G-Option eine zunehmende Rolle spielen werde, sagte Wagner.

Lasse etwa ein Restaurant nur noch Geimpfte und Genesene ein, könne im Gegenzug auf alle bisherigen Corona-Maßnahmen verzichtet werden; also vor allem keine Abstände und keine Masken mehr, betonte der DEHOGA-Geschäftsführer. »Das bedeutet wieder volle Kapazität, worauf der Betrieb schließlich ausgerichtet ist, um wirtschaftlich arbeiten zu können.« Zu bedenken sei allerdings, dass die 2G-Regel auch für die Servicemitarbeiter gelte. »Gastronomen haben dann nicht nur das Recht, ihre Mitarbeiter nach ihrem Impfstatus zu fragen, sie müssen es sogar«, sagte Wagner. »Das kann durchaus eine Herausforderung sein.«

Insbesondere Gastronomiebetriebe, deren Gäste nach bisherigen Erfahrungen eine 90- bis 95-prozentige Impfquote aufweisen, entschieden sich für das 2G-Modell. »Aktuell haben beispielsweise noch viele der Zwölf- bis 17-Jährige nicht den vollen Impfschutz erreicht«, sagte Wagner. »Restaurants, die vor allem Anlaufpunkt für Familien sind, entscheiden sich daher eher für 3G.«

Für manche komme das 2G-Modell allerdings auch allein deshalb nicht in Betracht, weil nicht alle Mitarbeiter - aus welchen Gründen auch immer - geimpft seien.

Viele Gastro-Betriebe machten von den flexiblen Möglichkeiten des Wechsels zwischen 3G und 2G Gebrauch. Zum Beispiel könne der Normalbetrieb in 3G laufen, während die Hochzeitsfeier oder der runde Geburtstag im 2G-Modell stattfinde, sagte Wagner.

Auch Friseur Liebau hat in seinem Salon eine flexible Regelung eingeführt. Dies sei möglich, da alle Mitarbeiter geimpft seien, sagte er. Sind alle Kunden ebenfalls geimpft oder genesen, könne die Maskenpflicht entfallen. Wolle aber beispielsweise eine ungeimpfte Schwangere einen neuen Haarschnitt, werde im Salon Maske getragen.

Clubbetreiber sehen die 2G-Option »mit gemischten Gefühlen«, wie der Sprecher der Initiative Clubs am Main, Victor Oswalt, sagte. Der Zusammenschluss vertritt 15 Clubs im Großraum Frankfurt. Einige sähen es als Chance, endlich wieder aufmachen zu können. Andere täten sich schwer damit, dass sie und nicht die Politik entscheiden müssten, wer reindürfe und wer nicht.

Beide Gruppen sähen das 2G-Modell als »Übergangslösung« bis zum Ende der Pandemie. 3G sei keine Alternative, sagte Oswalt: Bei den Beschränkungen könne kein Veranstalter wirtschaftlich arbeiten. »Die bleiben dann zu.« Mit 2G gebe es keine Beschränkungen, »das wird sein wie früher«.

Oswalt zufolge werden in den nächsten Wochen viele Clubs ihre Türen für Geimpfte und Genesene öffnen. Die ersten hatten schon am vergangenen Wochenende wieder geöffnet, an diesem Wochenende kämen weitere dazu, »ab Oktober sind wir wieder in Betrieb«. Die Clubs hoffen, dass die Gäste ausreichend informiert sind und es an der Tür keine langen Diskussionen gibt.



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