13. April 2021, 21:07 Uhr

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Deutschland ist ein bemerkenswert waldreiches und grünes Land. Fast ein Drittel der Landesfläche ist Wald. Deutsche sollen ja ein »besonderes« Verhältnis zu ihrem Wald haben. Hessen ist mit über 40 Prozent Waldanteil sogar das waldreichste aller Bundesländer! Aber was macht eigentlich den Wald so grün?
13. April 2021, 21:07 Uhr
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Aus der Redaktion
Grüne Lichtteilchen können ihre Energie nicht an das Blatt übertragen. FOTO: DPA

Warum sind die Blätter grün?

Bäume (und andere Pflanzen) können etwas, was wir Menschen (und andere Tiere) nicht können: Sie können Energie direkt von der Sonne aufnehmen und verwerten. Jedes Lichtteilchen, das von der Sonne kommt, trägt eine kleine Portion Energie. Wir erkennen die Energie an der Farbe. Blaue Lichtteilchen haben ein bisschen mehr Energie als grüne und rote ein bisschen weniger.

Wenn ein Lichtteilchen auf das Blatt eines Baumes fällt, dann kann es seine Energie auf das Blatt übertragen. Damit ist es dann einfach weg und verschwunden. Das funktioniert aber nur für ganz bestimmte Energien, das heißt, ganz bestimmte Farben. Für blaue Lichtteilchen geht das besonders gut und auch für rote. Für grüne Energie funktioniert das aber ziemlich schlecht. Grüne Lichtteilchen können ihre Energie nicht an das Blatt übertragen. Sie verschwinden demzufolge nicht, sondern werden vom Blatt reflektiert und können somit auch unsere Augen erreichen: Wir sehen also die grünen Lichtteilchen, aber keine blauen und roten, die ja vom Blatt absorbiert worden sind. Würden alle Lichtteilchen mit allen Farben ihre Energie auf das Blatt übertragen, wären sie alle verschwunden und das Blatt würde schwarz aussehen. Würden überhaupt keine Energien übertragen, würden alle Farben gleichmäßig reflektiert und das Blatt erschiene weiß, denn Weiß ist nichts anderes als die Summe aus allen möglichen Einzelfarben.

Was passiert jetzt mit der blauen und roten Energie, die das Blatt aufgenommen hat? Der Baum holt Wasser mit den Wurzeln aus der Erde und die Blätter holen CO2 (Kohlendioxid) aus der Luft. Mit der Energie der blauen und roten Lichtteilchen wird im Blatt aus diesen beiden Stoffen Zucker und Sauerstoff hergestellt. Aus dem Zucker entsteht Holz (Kohlenstoff) für den Baum, und der Sauerstoff wird an die Luft abgegeben. Das Ganze nennt man Photosynthese. Im Grunde macht ein Blatt das Gegenteil von dem, was wir machen: Wir essen Zucker und atmen Sauerstoff und geben dabei Wasser und CO2 ab.

Ein Baum kann etwa zehn Menschen mit Sauerstoff versorgen und deren CO2-Produktion kompensieren. Wir erzeugen aber fast 50-mal so viel CO2 und Energie durch Verbrennen von Öl, Kohle und Holz, den sogenannten »fossilen« Energieträgern, wie unser eigener Körper zum Leben braucht.

Pflanzen, Bäume und Wälder sind für uns unschätzbar wertvoll. Leider behandeln wir sie aber nicht so. Wir alle wissen, dass wir zu viel CO2 freisetzen. Dies geschieht vor allem durch zu viel Verbrennen fossiler Brennstoffe. All diese Stoffe sind dereinst auch durch Photosynthese in Pflanzen entstanden. Was wir aber in den vergangenen 150 Jahren verbrannt haben, zu dessen Aufbau hat die Natur viele Millionen Jahre gebraucht.

Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn wir uns unseres »besonderen« Verhältnisses zum Wald wieder besinnen würden.

Prof. Breckow ist Leiter des Instituts für Medizinische Physik und Strahlenschutz (THM Gießen).



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