06. Mai 2021, 20:43 Uhr

Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe

06. Mai 2021, 20:43 Uhr
Die Demonstration zum 1. Mai in Frankfurt war eskaliert. ARCHIVFOTO DPA

- Nach der Eskalation bei der Demonstration zum 1. Mai in Frankfurt weist die Polizei die Vorwürfe linker Gruppen zurück. Anders als von den Demonstrierenden dargestellt, habe es nicht mehrere Schwerverletzte durch den Einsatz von Schlagstöcken gegeben. Jedenfalls seien den Krankenhäusern und Rettungsdiensten keine Fälle bekannt geworden. Das habe eine »gründliche und selbstkritische Einsatznachbetrachtung« ergeben, teilte die Polizei jetzt mit. Die Beamten hätten »verhältnismäßig und lageangepasst reagiert«.

Konkret geht die Polizei auf zwei Einsätze des Rettungsdienstes am Samstagabend ein. Zum einen erlitt ein Demonstrant einen epileptischen Anfall. Bei ihm wurde zudem eine knöcherne Verletzung des Schädels festgestellt. Bei einer anderen Person bestand der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Er blutete zudem am Kopf. In beiden Fällen sei nicht klar, wie es zu dieser Schädelverletzung gekommen war, die Polizei habe Ermittlungen wegen des Verdachts einer Straftat eingeleitet.

Die Pressestelle der Polizei kommt daher zu dem Schluss: »Der in den Medien und sozialen Medien dargestellte Vorwurf, die Polizei sei für mindestens drei Schädelbasisbrüche und mehrere Brüche von Armen und Händen verantwortlich, entbehrt jeder Grundlage und ist nachweislich falsch.«

Auch auf die Vorwürfe, die eine Demo-Sanitäterin am Dienstag erhoben hatte, geht die Polizei ein. Die Frau hatte berichtet, ein Demonstrant habe einen offenen Bruch am Ellenbogen erlitten. Dennoch sei er in die Gefangenensammelstelle gefahren worden, wo er zunächst keine Behandlung bekommen habe. Auch diese Darstellung ist laut Polizeiangaben falsch. Der Mann, der nach einem Schlag mit einer Fahnenstange gegen einen Beamten festgenommen worden sei, habe zwar im Polizeipräsidium über Schmerzen am rechten Ellenbogen geklagt. Aber: »Erkennbar war lediglich eine geringfügige Schwellung, keinesfalls eine Blutung oder gar ein offener Bruch.«

Der Mann sei wegen seiner Schmerzen dann auch nicht erkennungsdienstlich behandelt worden. Am Mittwoch hätten ihn Polizeibeamte zudem an seiner Arbeitsstelle aufgesucht. Er habe dann angegeben, »lediglich eine Prellung davongetragen zu haben«, und schließe aus, dass die Polizei für die Verletzung verantwortlich sei.

Film wird wieder gelöscht

Im Internet hat unterdessen ein kurzes Video vom Rande des Demo-Geschehens für großes Aufsehen gesorgt. In dem Handy-Film, der am Dienstag vom Bündnis »Revolutionärer Erster Mai Frankfurt« auf Twitter veröffentlicht wurde, ist ein Mann mit einer Atemschutzmaske und Feuerzeug in der Hand zu sehen, der am Rande der Demonstration offenbar vertrauensvoll mit einem Polizisten in Uniform spricht. Die Szene spielt in der Nähe des Saalbau Gallus, wo die Polizei den Aufzug aufgelöst hatte. Nach seinem kurzen Austausch mit dem Polizisten mischt sich der Mann wieder unter die Demonstrierenden.

Das Demo-Bündnis schrieb dazu auf Twitter, das Video zeige »ganz klar einen zivilen Beamten«, der als »Tatbeobachter oder Provokateur« eingesetzt worden sei. Auf Twitter wurde der Film innerhalb kurzer Zeit mehr als 250-mal geteilt und mehr als 6000-mal angesehen. Noch am Dienstagabend war das Video dann allerdings wieder aus dem Netz verschwunden. Miran Müller, der Sprecher des Demo-Bündnisses, sagte auf Nachfrage, man habe widersprüchliche Informationen zu der im Film gezeigten Szene und zu dem vermummten Mann erhalten. Da man keine klare Einschätzung mehr vornehmen könne, habe man das Video vorsichtshalber gelöscht. Man werte das Video derzeit mit der »Hilfe von Rechtsanwälten« aus.

Die Frankfurter Polizei teilte auf Nachfrage mit, der Mann in dem Video sei kein Polizist. G. Leppert/H. Voigts

Schlagworte in diesem Artikel

  • Beamte
  • Blutungen
  • Internet
  • Polizei
  • Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte
  • Social Media
  • Twitter
  • Frankfurt
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos