21. Juli 2021, 21:48 Uhr

Per Joystick und Drohne

21. Juli 2021, 21:48 Uhr
Ein ferngesteuerter »Tausendfüßler« schiebt die Gerüsttürme unter der Salzbachtalbrücke an. FOTO: AUTOBAHN GMBH

Wiesbaden - Er ist zum Wahrzeichen für die abrupte Sperrung der Salzbachtalbrücke in Wiesbaden geworden: Der rot-gelbe Spezial-Lastwagen, der nach wie vor weithin sichtbar auf der Autobahnbrücke der A 66 steht. Er konnte bislang nicht von dem maroden Bauwerk geholt werden - zu gefährlich, sagen die Experten. Im Notfall müsste er zusammen mit der Brücke gesprengt werden. Und diese Sprengung wird gerade vorbereitet. Kein leichtes Unterfangen, denn um das Bauwerk herum ist eine Sperrzone eingerichtet, die niemand betreten darf - auch kein Bauarbeiter.

Dennoch ist auf der Baustelle reger Betrieb, eine Raupe planiert dicht an stark beschädigten Pfeilern den Boden - wie von Geisterhand, ihr Führerhaus ist leer. Aus sicherer Entfernung steuert der Raupenfahrer das tonnenschwere Baugerät per Joystick fern. Dabei hat er über mehrere Bildschirme einen Blick auf die Baustelle - so, als säße er ganz normal im Führerhäuschen der Raupe. Inzwischen sind rote Stützpfeiler in Position gebracht worden, um die Brücke so weit zu sichern, dass die konkreten Vorbereitungen für die Sprengung anlaufen können. Auch diese riesigen Stahlkonstruktionen wurden ferngesteuert mit einem sogenannten Tausendfüßler - einem Baugerät mit vielen Achsen -, an ihren Platz manövriert. Ob alles richtig sitzt, überprüfen die Fachleute per Drohne.

»Ich bin guter Dinge, dass wir im Juli die Notstabilisierung der Südbrücke beenden werden«, sagte Matthias Achauer vom Brückenbau und Bauwerksmanagement der Autobahn GmbH auf Anfrage. Zunächst sei der Überbau der Brücke mit Beton abgesichert worden, dann folgten die roten Hilfsstützen direkt am maroden Pfeiler. Aber bis zur Sprengung der Brücvke seien weitere Arbeiten nötig, betonte Achauer.

Dabei geht es vor allem darum, die Gleise und die Bundesstraße unter der Brücke zu schützen. Außerdem müssten die nahe gelegene Kläranlage und Abwasserleitungen so gesichert werden, dass sie keinen Schaden nehmen. Der Salzbach - ein wichtiger Abfluss für Wiesbaden - solle vor der Sprengung in Rohre verlegt werden, kündigte Achauer an. »Das können wir aber erst machen, wenn wir unter die Brücke kommen.« Vor der plötzlichen Sperrung liefen an der Brücke bereits die Vorbereitungen für einen Abriss, der im Herbst starten sollte. Die abgesackte Südbrücke befand sich nicht mehr unter Verkehr - der war bereits komplett auf die Nordbrücke umgeleitet worden. Allerdings mussten auch diese Fahrspuren nach der Havarie des südlichen Pfeilers für den Verkehr dichtgemacht werden - zu gefährlich, sagen die Fachleute.

Wie viele Brücken in Hessen wurde die Salzbachtalbrücke in den 1960er Jahren erbaut. Seit damals sei die Verkehrsstärke von etwa 20 000 Kraftfahrzeugen am Tag auf heute bis zu 90 000 Fahrzeugen am Tag angestiegen, erläuterte die Autobahn GmbH. »Das klingt zwar beeindruckend, ist aber weniger relevant als die Zunahme des zulässigen Gesamtgewichtes der Lkw und deren stark gestiegener Anteil am Verkehrsaufkommen.« Dies führe zu einer deutlich stärkeren Belastung der Bauwerke, als bei ihrer Errichtung abzusehen war. »Diese permanente Überlastung führt dazu, dass die Nutzungsdauer der Bauwerke stark abnimmt.«

Die Fachleute hoffen, die Brücke vor der Sprengung so weit stabilisieren zu können, dass der teure Lastwagen - ein sogenanntes Brückenuntersichtgerät - in Sicherheit gebracht werden kann. Allerdings dürfe sich dafür kein Mensch in Gefahr bringen, betonte Brückenbau-Experte Achauer. Andrea Löbbecke

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