16. September 2021, 20:47 Uhr

Netzwerk für besseren Schlaf

In Deutschland leiden vier Prozent der Erwachsenen unter Schlafstörungen. Marburger Spezialisten haben jetzt ein Netzwerk gegründet, um Ressourcen besser einteilen zu können, und damit die Patienten schneller eine passende Therapie finden.
16. September 2021, 20:47 Uhr
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Aus der Redaktion
Von der Schlafmedizin über die Kieferorthopädie bis zur Pneumologie - Experten in Marburg gründen ein Netzwerk gegen Schlafstörungen. FOTO: FAIN

Ein komplexes Krankheitsbild, fünf Fachrichtungen der Medizin, ein Ziel: Die beste Therapieform für die Patienten finden. Dazu bilden namhafte Marburger Spezialisten der Schlafmedizin ein Netzwerk aus ambulanter und stationärer Betreuung. Das Netzwerk nennen sie Somnologicum, das Patienten eine schlafmedizinische Behandlung aus einem Guss anbietet. Neben der vollständigen schlafmedizinischen Diagnostik im Schlaflabor können die Patienten auch ambulant von dem Angebot des Somnologicums profitieren.

»Der Anteil des ambulanten Betreuens wird zunehmen«, ist Dr. Lukas Jerrentrup als Leiter des Somnologicums überzeugt. Dort können Patienten untersucht und die für sie beste Therapieart bestimmt werden. Für Patienten, die bereits eine Therapie vollziehen oder diese aus diversen Gründen unterbrechen, kann das Netzwerk wertvolle Arbeit leisten. Dazu gehört es auch, aufwendige Doppeluntersuchungen zu vermeiden, da die diversen Spezialisten direkten Zugriff auf bereits erhobene Test haben.

Völlig neues Lebensgefühl

So sollen zum Beispiel standardisierte Fragebögen vermeiden, dass ein Patient bei jedem neuen Arzt einen Erhebungsbogen wiederholt ausfüllen muss. Eine zum Teil schon umgesetzte Digitalisierung werde dabei die Arbeit erleichtern. Ein weiterer Vorteil ist: Betroffene, die meinen, selbst ihre Wunschtherapie gefunden zu haben und sich einen Termin bei einem Spezialisten buchen, blockieren deren wertvolle Arbeitszeit nicht mehr. Jeder Patient wird dahin gelenkt, wo es für ihn am besten ist. Das werde zum Beispiel wertvolle Kapazitäten in der Pneumologie freisetzen, bemerkt Professor Claus Franz Vogelmeier.

Die Experten von Somnologicum haben insbesondere die optimale Betreuung von Patient mit schlafbezogenen Atmungsstörungen im Fokus. Das Konzept sieht vor, den Patienten alle passenden Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und zu erklären. Zusätzlich soll es ermöglichen, Probleme mit einer Therapie zu lösen, entweder den Patienten umzustellen oder auch eine Kombination verschiedener Möglichkeiten vorzuschlagen. Denn rund vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter Schlafstörungen und den negativen Auswirkungen des Schnarchens wie verringerte Leistungsfähigkeit am Tag, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder dem berüchtigten Sekundenschlaf am Steuer.

Therapieformen gibt es einige, die in den Anfangstagen der Schlafmedizin vorherrschende operative Methode ist mittlerweile eine unter vielen. So vermittle zum Beispiel die CPAP-Therapie, bei der der Mund- und Rachenraum mittels Luftdruck offen gehalten wird, vielen Patienten ein »völlig neues Lebensgefühl«, sagt Professor Ulrich Koehler, der Leiter des Schlaflabors.

In der Uni-Klinik untersuchen und behandeln die Experten rund 2500 Patienten im Jahr. Die Warteliste reicht bis in den Januar hinein, womit Marburg im Vergleich zu anderen Häusern immer noch sehr gut sei.

Das Behandeln von Schlafstörungen sei keine Nischenmedizin, bemerkt Professor Harald Renz bei der Vorstellung des neuen Netzwerkes. Schlafstörungen gebe es häufiger, als sich mancher vorstelle, fährt der Ärztliche Geschäftsführer des Universitätsklinikums Marburg fort. Er freut sich wie die anderen Ärzte darüber, dass auch Jens Uwe Albrecht von der Adipositaschirurgie am Krankenhaus in Lich ins Netzwerk eingebunden ist.

Die Vielfalt an Experten sorge dafür, Marburg als Exzellenzzentrum der Schlafmedizin zu erhalten, ist sich die Kaufmännische Geschäftsführerin Sylvia Heinis sicher. Der Schlaf sei zum Teil noch ein Mysterium, doch der Zusammenschluss von Experten in Marburg und Umgebung ermögliche es, die beste Therapie zu finden, damit »die Patienten am Ende besser schlafen können«.



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