14. Mai 2021, 22:18 Uhr

Naturschutzgebiete im Stress

Es sind teils streng geschützte Gebiete, Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere: Auch im zweiten Jahr der Pandemie werden Ausflügler zum Stresstest für Naturschutzgebiete und Wälder. Auf der Liste der Verstöße steht Fröschefangen, Müll, Grillen und Campieren.
14. Mai 2021, 22:18 Uhr
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Von DPA
»Wo der Mensch ist, ist auch Müll« , stellt der BUND fest. Das gilt auch für Wälder und Naturschutzgebiete, die seit einem Jahr von deutlich mehr Menschen besucht werden. FOTO: DPA

Raus in die Natur, in die Wälder, Schutzgebiete, Parks und Gärten: Mit der Corona-Pandemie mit Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und weniger Freizeitmöglichkeiten liegt der Spaziergang im Grünen im Trend. Ein Bummel durch ein Naturschutzgebiet, wie der Kühkopf-Knoblochsaue bei Stockstadt mit seinem Auwald und seiner Artenvielfalt, endet leider nicht immer zum Besten für Pflanzen, Tiere und Umwelt. Weggeworfene Zigarettenkippen auf den Wegen, Verpackungsplastik und leere Flaschen in den Büschen, abseits der Wege ins geschützte Gebiet: »Es hat sich bereits an den schönen Tagen im Frühjahr und über Ostern beziehungsweise am Muttertag angedeutet, dass sich die letztes Jahr seit Beginn der Pandemie stark angestiegene Zahl der Verstöße dieses Jahr fortsetzt«, heißt es beim Regierungspräsidium Darmstadt über die Situation in Naturschutzgebieten. Auch die Regierungspräsidien in Kassel und Gießen haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

»Seit letztem Jahr gibt es mehr Müll in den Wäldern und die Frequenz der Waldbesuche hat sich erhöht«, sagt auch die Sprecherin des Landesbetriebes Hessen Forst, Michelle Sundermann. »Grundsätzlich freuen wir uns aber über die Waldbesuchenden. Wo sonst soll man auch hin in dieser Zeit?«, sagt Sundermann. Allerdings sei es wichtig, dass die Regeln eingehalten würden. Dazu gehöre, dass man seinen Müll wieder mitnehme und Absperrungen re-spektiere. Querfeldein sei es riskanter als auf den Wegen und es störe Tiere, die gerade jetzt ihre Jungen aufziehen.

Grundprobleme, die man auch beim Naturschutzbund BUND sieht. »Es freut uns grundlegend, dass die Menschen wieder mehr in die Natur gehen«, sagt die Sprecherin vom BUND Hessen, Lynn Sophie Anders. »Aber man sollte sich an die Regeln halten, gerade jetzt in der Brut- und Setzzeit.« Die Wälder und Schutzgebiete seien höher frequentiert. Und: »Wo der Mensch ist, da ist auch Müll.« Ein Problem sieht Anders in der Gefahr wilder Grillplätze. Die Wälder seien viel zu trocken. Und es gebe die Sorge, dass vor Ort gegrillt werde.

Schon kurz nach Beginn der Pandemie hatten die Regierungspräsidien in Darmstadt, Gießen und Kassel vor einem Jahr Alarm geschlagen, dass Regeln in den Naturschutzgebieten nicht eingehalten werden. Die Folgen waren Müll und Trampelpfade. Die Behörden berichteten über geplünderte Nistkästen, gefangene Eidechsen oder Frösche, Picknicks und Grillfeste auf geschützten Flächen oder nicht angeleinte Hunde.

Verstöße, die sich den Regierungspräsidien zufolge dieses Jahr fortsetzen. Illegales Mountainbiking, Planschen in Gewässern, Campieren, Grillen, Ausgraben von Pflanzen, Wohnmobile mitten auf Wiesen, Quad fahren querfeldein, Trampelpfade oder Fangen von Fröschen stehen auf der Liste der bereits registrierten Verfehlungen in diesem Jahr. Tier- und Pflanzenarten seien in den Naturschutzgebieten bedroht, heißt es bei den Behörden unisono.

Kontrolliert wird das Einhalten der Regeln überwiegend von den Forstämtern. »Sensible Bereiche werden häufiger kontrolliert, dies gilt insbesondere für die Wochenenden mit Ausflugswetter«, heißt es bei der Behörde in Kassel.

Das Regierungspräsidium in Gießen erläutert: »Die Revierleiter der Forstämter sind befugt, die Personalien von Leuten festzustellen, die sich trotz Hinweisen uneinsichtig zeigen und mit einer Anzeige eine Geldbuße wegen der Ordnungswidrigkeit erhalten sollen.«



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