29. November 2021, 22:02 Uhr

Nadelöhr auf der Schiene beseitigt

29. November 2021, 22:02 Uhr
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Von DPA
Ein Regionalzug steht auf dem neuen Gleis am Homburger Damm vor dem Hauptbahnhof Frankfurt. Nach vierjähriger Bauzeit ist das zusätzliche Streckengleis nun fertig. FOTO: DPA

- Ein recht kurzes Stück Gleis mit großem Nutzen: Mit einer zusätzlichen Zufahrt aus Richtung Höchst in den Frankfurter Hauptbahnhof beseitigt die Bahn ein Nadelöhr im Schienennetz. Gestern ging das neue Gleis am Homburger Damm nach vier Jahren Bauzeit in Betrieb. Es ist der Anfang für einen erheblichen Ausbau des Bahnknotens Frankfurt.

»Die Probleme, die wir im Frankfurter Knoten lösen, haben Ausstrahlwirkung auf das gesamte Netz«, erklärt Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei der Inbetriebnahme der 800 Meter langen Strecke. Sie verbindet im Stadtteil Gallus den Homburger Damm mit dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs. Vor allem Regionalzüge aus Limburg, Königstein, Wiesbaden und dem Rheingau fahren dort entlang.

Weil Züge bisher teils dasselbe Gleis für Ein- und Ausfahrt nutzen mussten, wurden Verspätungen einzelner Züge auch auf andere Züge übertragen. Auch der Fernverkehr litt darunter. Vor allem die Pendler in den Regionalzügen und S-Bahnen bekamen die Folgen zu spüren. Insgesamt dürften täglich etwa 25 000 Reisende von dem flüssigeren Verkehr profitieren, wenn die Züge mit dem neuen Fahrplan am 12. Dezember auf dem Zufahrtsgleis fahren. »Die zusätzliche Infrastruktur ermöglicht weniger Wartezeiten und mehr Pünktlichkeit«, freut sich der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Bund und Bahn investierten 180 Millionen Euro in das Vorhaben.

Es ist auch ein erster Schritt für eine Neusortierung der Züge im Hauptbahnhof. Die Bahn möchte künftig die ICE- und IC-Züge auf den südlichen Gleisen abfertigen, den Regionalverkehr auf den nördlichen. Dank der neuen Verbindung können nun RE-Züge nach Limburg von den 20er-Gleisen abfahren statt von den Gleisen 1 und 2. Für Bund, Land und Bahn ist der Homburger Damm nur ein erstes Projekt, um die Kapazität des Hauptbahnhofs zu erhöhen. Denn der Bund plant, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln. Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) drängt auf mehr Kapazität im Hauptbahnhof für Regionalzüge. Als wichtigstes Vorhaben soll der Fernbahntunnel samt Tiefbahnhof 20 Prozent mehr Kapazität für den Fernverkehr in ganz Deutschland bringen. Das Megaprojekt soll für 3,5 Milliarden Euro bis Ende kommenden Jahrzehnts Realität werden. Bereits in Bau sind eigene Gleise für die S-Bahn-Linie 6. Die Strecke soll 2023 bis Bad Vilbel und 2028 bis Friedberg in Betrieb gehen und 570 Millionen Euro kosten. Sie bietet dann auch mehr Kapazität für Regional- und Fernzüge auf der stark genutzten Pendlerstrecke nach Gießen.

Mit zwei weiteren Vorhaben will die Bahn nächstes Jahr beginnen. Dann sollen die Bauarbeiten für den Ausbau des Knotens Stadion starten. Von dort bis in den Zulauf des Hauptbahnhofs werden neue Gleise gebaut, Fern- und Regionalverkehr dadurch voneinander getrennt. Dafür errichtet die Bahn auch eine dritte Mainbrücke in Niederrad. Dennis Pfeiffer-Goldmann



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