12. August 2021, 21:28 Uhr

Museumsreifes Smartphone

Das Smartphone wird 25 Jahre alt. Zum Geburtstag startet das Museum für Kommunikation in Frankfurt eine Online- Ausstellung. Es geht um technische Entwicklungen, persönliche Geschichten - und ein bisschen auch um die Schattenseiten der Innovation.
12. August 2021, 21:28 Uhr
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Von DPA
Am 15. August 1996 war die Geburtsstunde des ersten Smartphones, als der »Nokia 9000 Communicator« als erstes internetfähiges Mobiltelefon auf den Markt kam. FOTO: DPA

Am 15. August 1996 kam ein Handy auf den Markt, das als Urahn heutiger Smartphones durchgehen kann. Ein Aufklapptelefon mit dem man Faxe verschicken konnte und das vor allem internetfähig war. Ein Vierteljahrhundert später ist der »Nokia 9000 Communicator« reif fürs Museum, und kann im Eingangsbereich des Museums für Kommunikation (MFK) in Frankfurt bestaunt werden.

Dass sich seit dem Start der Smartphone-Ära vieles rasant verändert hat, wird nicht erst bei Betrachtung des klobigen Geräts deutlich. Nun nimmt das MFK das Jubiläum zum Anlass für eine Digitalausstellung, die pünktlich zum Geburtstag am Sonntag (15. 8.) an den Start geht. »Wir wollten wissen, wie genau das Smartphone die digitale Kultur beeinflusst hat«, erklärte das Museum.

Die Schau »Smartphone.25 - Erzähl mal!« umfasst Kapitel wie »Digitaler Alltag«, »Smart Storys« oder »Smartphonegeschichte« und erzählt von der technischen Entwicklung und auch von gesellschaftlichen Veränderungen.

Das Besondere ist, dass theoretisch jeder mitmachen kann. So rief das MFK vor einigen Monaten Interessierte auf, alte Handys sowie Smartphones einzuschicken und Erlebnisse mit den Geräten zu erzählen.

Bundesweit nahmen demnach bisher mehr als 80 Menschen teil, Einsendungen seien bis Jahresende möglich. Die Telefone kommen in die Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation, zu der auch das Museum für Kommunikation Berlin gehört.

Erste wenige »Smart Storys« soll es in der Online-Ausstellung zu lesen geben, weitere sollen demnächst folgen. »Die persönlichen Geschichten der Nutzerinnen und Nutzer ermöglichen einen kurzweiligen Rundgang durch die Geschichte der Mobiltelefonie«, sagte Museumsdirektor Helmut Gold am Donnerstag.

»Die Geschichten sind mal lustig, mal traurig, mal leidenschaftlich«, ergänzt Kurator Joel Fischer. Da sei der ältere Herr, der vor vielen Jahren mit einem Handy mit Digitalkamera in der Tanzschule Tangoschritte gefilmt hat, um zu Hause zu üben.

Und später veröffentlicht werden soll die Geschichte einer Frau, die sich im Italienurlaub Anfang der 90er Jahre gewundert habe, warum sich so viele Menschen Computer ans Ohr hielten, bis ihr Sohn ihr erklärt habe, dass das Handys seien.

Dazu gibt es eine Übersicht über Vor- und Nachfahren des ersten Smartphones oder die Einführung von Apps. Und ständig wird die Besucherin oder der Besucher der digitalen Ausstellung aufgerufen, eigene Geschichten zu erzählen, über das Nutzungsverhalten zu berichten oder etwa ein Screenshot vom Homescreen zu teilen.

Eher am Rande kommen Schattenseiten wie Smartphone-Sucht zur Sprache. Dann geht es um negative Folgen durch lange Bildschirmzeiten oder um digitalen Burnout. Und es wird auf Möglichkeiten hingewiesen, aktiv gegenzusteuern, etwa mit einem »Dumbphone« - also ein Handy, das nur mit den allernötigsten Funktionen ausgestattet ist.

Vor 25 Jahren, als Kamera und Touchscreen, Blackberry und iPhone noch in der Ferne lagen, hätte man sich wohl kaum eine solche Entwicklung vorstellen können. Aber wer heute noch einen 9000 Communicator in der Schublade liegen hat, kann sich durchaus freuen: Auf eBay und Co sind die Geräte noch immer gefragt und erzielen Preise von über 500 Euro.



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