14. April 2021, 21:56 Uhr

Modellprojekt vor dem Aus?

Das Alsfelder Modellprojekt »erst testen, dann einkaufen« könnte nach einer Woche schon wieder vor dem Aus stehen. Am Mittwoch überschritt die kreisweite Inzidenz bei den Corona-Fallzahlen die 200er-Marke. Heute wird das ebenfalls der Fall sein. Am dritten Tag mit einer 200er-Inzidenz müsste das Projekt abgebrochen werden: Am Freitag wären die Läden schon wieder zu. Dennoch glaubt die Stadt an ihr Modell.
14. April 2021, 21:56 Uhr
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Aus der Redaktion
(Noch) geöffnet: Corina Schlosser steht mit Maske vor dem Modegeschäft, in dem sie beschäftigt ist, und wartet auf Kundschaft. Alsfeld hatte Ende letzter Woche das Modellprojekt begonnen, um Öffnungsschritte in der Pandemie zu testen. FOTO: DPA

Endlich wieder shoppen - zahlreiche Menschen nutzten seit vergangenem Donnerstag die Möglichkeit, in Alsfeld einzukaufen. Die Fachwerkstadt war als erste der drei hessischen Modellkommunen gestartet. Ein Besuch in einem der drei städtischen Testcenter mit Bescheinigung des Negativergebnisses ist die »Eintrittskarte« zum Einkaufen. 38 Einzelhändler machen mit. Von Freitag bis Dienstag ließen sich 3175 Menschen testen, teilte Bürgermeister Stephan Paule (CDU) am Mittwoch in einer ersten Bilanz mit. Darunter waren 26 positive Ergebnisse, die später in PCR-Tests bestätigt wurden. »Die Leute haben wir herausgefischt und damit auch ein Ziel erreicht«, so der Bürgermeister.

Denn mit der Motivation fürs Einkaufen und Testen habe man das »Dunkelfeld bei Infektionen erhellen wollen.« Es sei alles wie erwartet eingetreten und die Stadt angesichts von rund 1100 Kundenkontakten in den Geschäften »nicht überrannt worden.«

Dennoch steht das Modellprojekt eine Woche nach dem Start auf der Kippe. Wird dreimal hintereinander der Inzidenzwert von 200 überschritten, muss der Modellversuch abgebrochen werden, so die Vorgabe beim Land. Dabei hat Alsfeld das Pech, dass die Corona-Fallzahlen in der Stadt zuletzt sogar wieder leicht zurückgegangen sind. In übrigen Teilen des Vogelsbergkreises sind sie aber gestiegen. Paule: »Wir spielen nach den Regeln. Dreimal die Inzidenz von 200 gerissen heißt Abbruch des Modellprojektes.«

Am heutigen Donnerstag wisse man mehr, wenn die Verantwortlichen Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gehalten haben. Sollte die Inzidenz an drei Tagen wieder unter 200 sinken, dann werde man gemeinsam mit der Landesregierung beraten, wie weiter verfahren wird und ob die Geschäfte wieder öffnen können. Unklar ist zudem, wie und wann sich die sogenannte Bundesnotbremse auswirkt, die kommende Woche beschlossen werden soll. Auch sie könnte das Modellprojekt vor dem 1. Mai stoppen.

Ursprünglich hatte Alsfeld nach einigen Tagen mit dem Modellprojekt am kommenden Wochenende die Außengastronomie öffnen wollen. Das steht jetzt nicht zur Debatte, obwohl man mit Gastronomen bereits gute Konzepte erarbeitet hat, so der Bürgermeister. Leider könne man derzeit kein sicheres Datum für eine mögliche Öffnung der Gastronomie nennen.

Egal, wie es nun weitergeht, Rathauschef Paule und die Mitarbeiter aus der Verwaltung nehmen aus dem Modellprojekt wichtige Erkenntnisse mit, betonen sie. So könne man mit großer Sicherheit sagen, dass das Risiko, sich beim Einkaufen mit dem Coronavirus zu infizieren, gering sei. »Wir haben keinen Hinweis, dass eine der Infektionen auf einen vorherigen Einkauf in unseren Geschäften zurückgeht.« Es sei alles gesittet gelaufen und die Händler hätten sich sehr genau an alle Vorgaben gehalten, betonte Uwe Eifert von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Denn die Modellprojekte werden in der dritten Corona-Welle von einigen sehr kritisch gesehen. Das galt auch für einige Alsfelder Einzelhändler, die sagten, es mache wenig Sinn, kurz zu öffnen, wenn man schon Tage später wieder schließen muss.

Stephan Paule sieht demgegenüber die Regeln kritisch, nach denen manche Geschäfte trotz Lockdown öffnen können und andere nicht. »In die Parfümerie dürfen Sie nur mit einem negativen Testergebnis, nebenan in den Drogeriemarkt mit Parfümerieabteilung geht das ohne.« Wenn ein harter Lockdown sein müsse, dann solle man bis auf die Lebensmittelgeschäfte den ganzen Handel schließen und nicht Ausnahmen machen, die nicht zu verstehen seien: »Und die Händler? Ute Stöppler vom Sportstudio Müller etwa hofft, dass es keinen permanenten Wechsel von geöffneten und geschlossenen Geschäften geben wird. Und: »In der Schweiz geht man trotz höherer Inzidenz mit der Pandemie lockerer um«.



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