07. Juli 2021, 22:23 Uhr

Mitwisser in Kassel?

07. Juli 2021, 22:23 Uhr
Nach dem Anschlag in Wien im November wurde nun eine Wohnung in Kassel durchsucht. ARCHIVFOTO: DPA

Kassel - Ein Kasseler könnte ein Mitwisser des islamistischen Anschlags vom 2. November vorigen Jahres in Wien sein. Die Bundesanwaltschaft durchsuchte gestern Morgen die Wohnung des Mannes im Stadtteil Forstfeld. Wie ein Kosovare aus Osnabrück, dessen Wohnung Beamte ebenfalls durchsuchten, soll er von den Anschlagsplänen des Attentäters Kujtim F. gewusst haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte.

Der Anhänger des Islamischen Staates (IS) tötete am 2. November 2020 in der Wiener Innenstadt vier Menschen. 20 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der 20 Jahre alte Attentäter, dessen Eltern zur albanischen Minderheit in Nordmazedonien gehören, starb durch Polizeischüsse.

Die beiden Männer aus Kassel und Osnabrück »verfolgen ebenfalls eine radikalislamische Gesinnung«, wie es in der Mitteilung aus Karlsruhe heißt. Ins Visier der Ermittler waren sie bereits kurz nach dem Anschlag geraten. Sie sollen Kujtim F. im Juli 2020 in Wien besucht haben. Laut Bundesanwaltschaft übernachteten sie bei ihm und trafen sich mit weiteren Islamisten aus Österreich und der Schweiz.

Bereits am 6. November hatten Ermittler ihre Wohnungen durchsucht. Der Deutsche aus Kassel war damals noch in einem Hochhaus in Waldau gemeldet. Wie sein Bekannter war er seinerzeit lediglich als Zeuge geführt. Es ging um die Sicherstellung möglicher Beweise.

Nun ist sich die Bundesanwaltschaft sicher: »Die Beschuldigten hielten es zumindest für möglich, dass Kujtim F. seine bereits zuvor gegenüber Dritten offen geäußerten Anschlagsabsichten in die Tat umsetzen würde.« Der Vorwurf gegen sie lautet: Nichtanzeige geplanter Straftaten. Festgenommen wurde niemand.

DNA an Waffen festgestellt

Das DNA-Profil einzelner Teilnehmer des Treffens im Juli 2020 stellten Ermittler auch an den bei der Tat verwendeten Waffen sowie an einem Siegelring des IS fest, den Kujtim F. am 2. November trug, als er im Wiener Ausgehviertel Bermudadreieck auf Menschen schoss.

Die Männer aus Kassel und Osnabrück sollen bereits am Abend des Attentats Inhalte auf ihren Mobiltelefonen und Social-Media-Profilen gelöscht haben, die auf eine Verbindung zu Kujtim F. hinweisen.

In der Straße, wo die Ermittler gestern ab halb acht die Wohnung des Kasselers durchsucht hatten, war der Einsatz den ganzen Tag Gesprächsthema. Eine junge Mutter hatte die Beamten sowie Spezialeinsatzkräfte der GSG 9 gesehen, als sie ihre Kinder zur Schule brachte.

Auch eine Nachbarin wunderte sich über das Großaufgebot vor ihrer Haustür. Den Mann, wegen dem die Ermittler nach Kassel gekommen waren, kannte keine von ihnen. Die Nachbarin sagte: »Ich weiß gar nichts über den Mann. Vielleicht ist das auch besser so.« Matthias Lohr

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