29. April 2021, 20:46 Uhr

Mehr Geld für hessische Schulen

29. April 2021, 20:46 Uhr

Wiesbaden - Um Lernrückstände der Schüler aus der Corona-Pandemie zu kompensieren, sollen Hessens Schulen mehr Geld vom Land bekommen. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden an. »Wir werden allen Schulen Mittel zur Aufstockung ihrer Schulbudgets zur Verfügung stellen«, sagte er. »Denn das ist für mich der Königsweg.« Damit könnten die Schulen vor Ort die Maßnahmen ergreifen und finanzieren, die sie für sinnvoll und erforderlich hielten. Dies könnten beispielsweise zusätzliche Förderkurse oder Hausaufgabenhilfen sein.

Die Pandemie habe zu einer hohen Belastung gerade von Kindern und Jugendlichen geführt, betonte Lorz. Umso wichtiger sei es, die Schulen in den Blick zu nehmen. Dabei gehe es nicht nur um Lernrückstände, sondern auch der Mangel etwa an sozialen Kontakten und Bewegung mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Dies auszugleichen, sei eine »gesamtgesellschaftliche Aufgabe«, sagte der Minister. Das Problem müsse sehr grundsätzlich und mit langem Atem angegangen werden.

Auch psychische Probleme beachten

Die Abgeordneten waren sich fraktionsübergreifend einig, dass Schüler bei der Kompensation von Corona-Lernrückständen unterstützt werden müssen. Die Opposition warf der Landesregierung jedoch vor, das Problem nicht konsequent anzugehen.

243 000 Jugendliche ab Klasse sieben seien seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen, sagte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. »Das Coronavirus hat psychische Spuren bei so vielen hinterlassen, die man mit ein paar Lerncamps sicher nicht wegwischen kann.« Es dürfe nicht nur darum gehen, Lernrückstände aufzuarbeiten, sondern man müsse auch psychische und soziale Probleme in den Blick nehmen, sagte Degen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte: »Die Vereinbarung von Bund und Ländern, eine Milliarde Euro für Nachhilfe zur Verfügung zu stellen, greift viel zu kurz und wird diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, kaum erreichen.«

Ein weiteres Thema im Landtag waren bessere Arbeitsbedingungen für Erntehelfer, wie sie Linke und SPD fordern. »Auf dem Papier gilt der Mindestlohn, aber oft gibt es so hohe Abzüge für Verpflegung und Unterkunft, Kleidung oder Arbeitsgerät, dass kaum etwas übrig bleibt«, kritisierte Linke-Fraktionschefin Janine Wissler am Donnerstag im Parlament in Wiesbaden. So werde der Mindestlohn untergraben. »Diese Zustände sind keine bedauerliche Ausnahme, sondern gehören vielerorts zum Geschäftsmodell.«

Nötig wären gesetzliche Regelungen wie verpflichtende Einzelzimmer, kostenlose Masken und Corona-Tests, betonte Wissler. Außerdem müsse es regelmäßige Kontrollen geben.

Auch der SPD-Arbeitsmarktexperte Wolfgang Decker forderte mehr Schutz und faire Bedingungen für die Saisonarbeiter. Die Erntehelfer müssten sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden, damit sie in jedem Fall Krankenversicherungsschutz erhalten. Dazu müssten die Aufsichtsbehörden verstärkt und systematisch kontrollieren, vor allem die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen.

Der DGB mahnte einen Sozialversicherungsschutz ab dem ersten Tag der Beschäftigung und einen wirksamen Arbeits- sowie Infektionsschutz an.

Erneut Kritik an #allesdichtmachen

Unterdessen hat Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) ihre Kritik an der Aktion #allesdichtmachen erneuert. »Satire darf alles - aber ihr darf auch widersprochen werden«, sagte die Ministerin am Donnerstag im hessischen Landtag in Wiesbaden. Über die Angemessenheit der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gebe es zu Recht eine breite Debatte. In der Aktion suggerierten aber »besonders einzelne Videos, aber auch die Zusammenschau insgesamt ein Bild des ›wir gegen die‹, also ›wir Eingeschränkte‹ gegen ›die, die uns einschränken‹.«

»Diesen Gegensatz finde ich falsch«, betonte die Kunst- und Kulturministerin. »Insbesondere erscheint dieses ›die‹ durch die Inszenierung der Videos als eine Einheit aus Politik, Wissenschaft und Medien.« Es entstehe der Eindruck, dass innerhalb dieser Ebenen und vor allem zwischen diesen Ebenen keine Diskussion oder gar Kritik geschehe. »Das ist nachweislich falsch.« Es gebe Debatten quer durch alle Gruppen der Gesellschaft. dpa

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