17. Juni 2021, 19:19 Uhr

Lösungen gemeinsam erarbeiten

Familienmediationen können bei Konflikten vermitteln - etwa nach einer Trennung. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach dem Hilfsangebot stark gestiegen, sagen Experten.
17. Juni 2021, 19:19 Uhr
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Von DPA
Wenn es Streit zwischen (ehemaligen) Partnern gibt, kann eine Mediation sinnvoller - und günstiger - als ein Gerichtsverfahren sein. FOTO: DPA

Von Scheidungen über Streitigkeiten zwischen Eltern und Kindern bis zur Klärung von Erbschaften: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Anfragen von Familien nach professioneller Streitschlichtung durch eine Mediation nach Einschätzung von Experten stark gestiegen. Die Sprecherin der Frankfurter Regionalgruppe des Vereins der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation (BAFM), Petra Krauß, schätzt, dass sich die Zahlen verdoppelt haben. Genaue Daten konnte sie nicht nennen. BAFM-Geschäftsführerin Swetlana von Bismarck rechnet nach eigenen Worten damit, dass die Nachfragen wegen sinkender Inzidenzwerte bald weiter anziehen, da wieder mehr Mediationen in Präsenz stattfinden können.

»Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise zeigt sich, dass eskalierende Familienkonflikte ein gesellschaftlich dringliches Thema sind«, erklärt Krauß. Die Wahrscheinlichkeit von Auseinandersetzungen nehme durch die Ausnahmesituation in einer Pandemie zu. »Neu ist etwa, dass getrennte Paare sich nicht einigen können, ob ihre Kinder in Zeiten von Corona die Kita besuchen sollen oder nicht.« In einer Mediation könne darüber auf neutralem Boden diskutiert und ein gemeinsamer Nenner gefunden werden.

Vorteil des Verfahrens sei, dass Lösungen in den Sitzungen gemeinsam erarbeitet würden. »Die Medianden äußern ihre Wünsche, Zukunftsideen und Vorstellungen, wie es etwa nach einer Scheidung weitergehen soll«, sagt Sabine Langhirt, Mediatorin und Vorstandsmitglied der BAFM-Regionalgruppe Frankfurt. »In Mediationen können neue Familienkonstellationen erarbeitet werden und so beispielsweise zwischen Eltern vermittelt werden. Dann können getrennte Paare meist trotz einer Scheidung weiterhin etwa Familienfeste zusammen besuchen.« Wichtig sei, dass beide Partner mit den getroffenen Absprachen einverstanden sind und diese von beiden als gerecht empfunden werden.

Komplizierter würden die Sitzungen oft, wenn viele finanzielle Aspekte von Ehepaaren geklärt werden müssten. »Gibt es viele Vermögensgegenstände oder komplexe Einkommenssituationen, können sich Mediationen durchaus in die Länge ziehen«, erklärt Langhirt. Dies traf etwa im Fall eines Paares zu, das sich nach 32 Ehejahren trennte. »Da wir vier gemeinsame Kinder haben, ein Haus, das uns zu gleichen Teilen gehört, sowie Vermögen angespart hatten, war uns eine gütliche Einigung sehr wichtig«, erklärt eine Mediandin von Langhirt, die anonym bleiben möchte. In intensiven Gesprächen in einem wertschätzenden Rahmen habe man mit der Mediatorin eine für beide Seiten befriedigende Lösung erarbeiten können. »Es sollte im Interesse aller Paare mit Trennungswunsch liegen, für ein später gelingendes Leben eine gute Einigung zu finden«, erklärt sie. Ein nachhaltiger Groll auf den Ex-Partner mache unfrei und unglücklich.

Starke Emotionen, Rachegelüste oder großes Misstrauen zwischen den Medianden belasteten oft die Gespräche in den Sitzungen. »In solchen Fällen erstrecken sich die Mediationen häufig über einen Zeitraum von acht bis zwölf Monate«, erklärt Krauß. Eine neunzigminütige Sitzung koste zwischen 80 und 200 Euro, sei insgesamt allerdings meist günstiger als ein Gerichtsverfahren mit mehreren Anwälten.

Im Fall eines Ehepaares, das sich nach 20 Jahren Beziehung ohne Kinder trennte, reichten drei Sitzungen mit Langhirt aus. »Uns gefiel, dass die Parteien sich in gegenseitigem Einvernehmen und in Gesprächen die Lösung ihres Konfliktes selbst erarbeiten«, erläutert der Mediand, der ebenfalls seinen Namen nicht nennen möchte. Emotionen, Gedanken und Finanzen habe man so sortieren können, dass er und seine Frau zwar nicht mehr verheiratet, aber noch befreundet seien.

Auch der Richterbund Hessen sieht Mediationen als ein sinnvolles Mittel neben der gerichtlichen Rechtsprechung. Das teilt Christine Schröder, Sprecherin des hessischen Landesverbandes, mit. »Insbesondere bei Streitigkeiten auf dem Gebiet des Familienrechts eignet sich Mediation zur Konfliktlösung besonders gut.« Bei Konflikten unter Verwandten könne das Verfahren gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden.



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