12. April 2021, 21:43 Uhr

Kunstnester für Mehlschwalben

12. April 2021, 21:43 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion

Bad Soden/Sulzbach - Mehlschwalben sind so etwas wie Sommerboten. Wenn sie demnächst aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückkehren, beginnt bei uns die warme Jahreszeit. Früher nisteten Mehlschwalben unter den Dachvorsprüngen vieler Häuser. Mittlerweile ist ihre Zahl um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Das liegt zum einen daran, dass die Vögel nicht ausreichend Futter finden, weil es durch das Spritzen von Herbiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft immer weniger Insekten gibt. Es hat aber auch mit der Schwierigkeit zu tun, das geeignete Baumaterial für Nester zu finden. Mehlschwalben brauchen dafür feuchten Lehm. Mit ihrem Speichel formen sie daraus bis zu 1500 kleine Kügelchen pro Nest. In der versiegelten Landschaft, in der nicht einmal auf Feldwegen Wasserpfützen über längere Zeit stehen bleiben, ist Lehm jedoch rar geworden.

Moos hält nicht

»Mehlschwalben behelfen sich dann häufig mit Moos, das auf Waschbetonbauten wächst«, weiß Klemens Fischer vom Naturschutzbund (NABU) Bad Soden. Die Nester, die so entstehen, seien jedoch instabil und löchrig. Eier und Jungvögel landeten häufig auf dem Boden. Auch in Bad Soden, wo früher fast jedes Haus ein Mehlschwalbennest hatte, waren die Vögel mit dem schwarz-blauen Deckgefieder und dem weißen Bauch fast ausgestorben. Mittlerweile gibt es wieder mehr als 60 Nester in der Stadt. Die Mehlschwalben haben sie allerdings nicht selbst gebaut, sondern Klemens Fischer und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom NABU haben die künstlichen Nisthilfen aus Holzbeton unter den Dachsparren von Häusern montiert. »Sie wurden sofort von den Vögeln angenommen«, freut sich Fischer. Mehlschwalben brüteten in Kolonien. »Wenn ein Vogelpaar kommt, sind auch andere schnell zur Stelle.« Während noch vor wenigen Jahren viele Hausbesitzer Nester abschlugen und die Vögel zu vergrämen versuchten, meldeten sich jetzt immer mehr Menschen, die gerne ein Mehlschwalbennest unter ihrem Dach hätten, sagt Fischer. Das sei auch in Sulzbach so gewesen. Wichtig sei, die Nester dort anzubringen, wo bereits Mehlschwalben Nistversuche unternommen haben. Andrea Rost



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos