19. April 2021, 20:13 Uhr

Kliniken spüren »sehr, sehr hohen Druck«

19. April 2021, 20:13 Uhr

Die Situation der stationären Patientenversorgung einschließlich der Intensivstationen in den Krankenhäusern sei aktuell sehr angespannt, sagte Klose am Montag. Teilweise gebe es mehr Patienten auf den Intensivstationen als während des Jahreswechsels 2020/21, warnte Jürgen Graf, ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Frankfurt und Leiter des Planstabs stationär des Ministeriums. »Der Druck, den wir in den Kliniken verspüren, ist ein sehr, sehr hoher«, betonte der Mediziner. »Die stark angespannte Situation zeigt uns, dass die dritte Welle noch nicht vorbei ist. Auf Basis unserer Prognosen rechnen wir in den nächsten Tagen sogar noch mit einem weiteren Anstieg der Patientenzahlen auf den Intensivstationen.« Hessenweit seien 88 Prozent der Intensivbetten belegt, auch auf den Normalstationen sei die Auslastung hoch. Landesweit sind dort derzeit 83 Prozent der Betten belegt. Auf den Intensivstationen hessischer Krankenhäuser lagen nach Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin von Montag (Stand 14.19 Uhr) 442 Covid-19-Patienten, von denen 215 beatmet wurden. 1705 von 1948 verfügbaren Intensivbetten waren belegt, auch von Menschen mit anderen Krankheiten.

Viele Operationen werden verschoben

Die Entwicklung dieser Zahlen zeige deutlich, dass sich die Arbeit in Richtung der Intensivversorgung und dort der Beatmung verlagere, so Graf. »Wir beobachten zudem eine Tendenz, dass das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen sinkt«, sagte er.

Schon seit Längerem seien planbare und nicht lebensnotwendige Operationen verschoben worden. Die Verschiebung von Eingriffen bedeute nicht, dass diese verzichtbar wären, sagte Klose. Graf ergänzte: »Wir schieben teilweise Eingriffe um Monate vor uns her.« Das könne dazu führen, dass sich nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenszeit verändere. So seien in Hessen schon »möglicherweise dringliche Herzoperationen« verschoben worden, weil es einen Bettenmangel gab. Die Deutsche Herzstiftung hatte vor Kurzem darauf hingewiesen, dass Beobachtungen zufolge im April 2020 etwa 30 bis 40 Prozent weniger Herzinfarktpatienten im Krankenhaus aufgenommen worden seien als vor der Pandemie. Zudem warteten Patienten während des Lockdowns zu lange, ehe sie einen Arzt aufsuchten.

Sollte die Zahl der Patienten, die Intensivbetreuung in den Kliniken brauchen, weiter steigen, seien nicht fehlende Beatmungsgeräte oder Intensivbetten das Problem, sagte Graf. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Mitarbeiter mit Erfahrung in der Intensivmedizin sei begrenzt. Hinzukämen die Auswirkungen für den Klinikbetrieb insgesamt: »Wenn wir eine weitere Intensivstation mit zehn oder zwölf Betten in Betrieb nehmen wollen, müssen wir dafür acht OP-Säle schließen und zwischen sechs und zehn Normalstationen, um das Personal zu rekrutieren, das wir brauchen«, sagte er angesichts des etwa fünfmal höheren Personalbedarfs auf einer Intensivstation. dpa

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