01. März 2021, 19:37 Uhr

Kleines Bäumchen Hoffnung

Es ist ein Hoffnungsschimmer: Nach massiven Klimaschäden in Hessens Wäldern wachsen an vielen Stellen kleine Bäumchen nach. Eichen, Ahorn, Linden - ob sie überleben, ist jedoch nicht sicher.
01. März 2021, 19:37 Uhr
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Von DPA
Aufforsten für die Zukunft: Junge Eichen sollen mithelfen, dem Wald eine Perspektive zu geben. ARCHIVFOTO: PM

Das ist schon Balsam auf der Seele«, sagt Förster Matthias Lemcke und blickt über eine Kuppe im Wiesbadener Stadtwald. Man muss zweimal hinschauen - dann sieht man Hunderte von dünnen Bäumchen, die seit Kurzem in der Erde stecken. Es sind junge Traubeneichen, die den Kahlschlag wieder in einen Wald verwandeln sollen. Die Fichten, die vorher auf der sechs Hektar großen Fläche standen, fielen der Trockenheit und dem Borkenkäfer zum Opfer. Innerhalb von rund einem Jahr seien alle Bäume so krank gewesen, dass sie hätten gefällt werden müssen, erklärt Lemcke. Ihn schmerzt der schlechte Zustand der Wälder sehr. »Ein Försterleben stellt man sich anders vor«, sagt er und streichelt seiner Jagdhündin Hanne über den Kopf. Nun liegt seine Hoffnung auf den kleinen Eichen. »Das schafft bei dem ganzen Elend etwas Befriedigung«, sagt der Förster. Wenn alles gut geht, dann sind die Bäume in zehn bis 15 Jahren rund zwei bis drei Meter hoch. »Ich wünsche mir lauter verregnete Sommer.«

Denn auch bei den Eichen ist es nicht völlig klar, ob sie mit dem Klima der kommenden Jahre zurechtkommen, sollte es beispielsweise so trocken bleiben. Beim Aufforsten wird ein gewisser Ausfall mit eingerechnet, alle 0,7 Meter kommt ein kleiner Baum in den Boden - also rund 7150 pro Hektar. Für die Ränder zu den Waldwegen hat Lemcke blühende Sträucher und Bäume geplant, die Bienen und Vögel als Futterpflanzen und Lebensraum dienen können, darunter Kornelkirsche, Felsenbirne oder Pfaffenhütchen.

Es gehe nicht mehr darum, hochproduktive Wälder mit schnell wachsenden Bäumen zu pflanzen, erklärt der Förster. Es geht darum, dass es überhaupt Wälder gibt, die trotz Klimawandel überleben.

Auch beim Landesbetrieb Hessen Forst wird am Wald der Zukunft gearbeitet. Denn möglichst bald sollen auf kahlen oder stark geschädigten Flächen wieder Bäume stehen, die das Treibhausgas CO2 speichern. Ziel dabei zugleich: Ein vielfältiger, widerstandsfähiger und anpassungsfähiger Wald, der hochwertiges Trinkwasser und den Rohstoff Holz einerseits liefern kann und den Bürgern andererseits Erholungsmöglichkeiten bietet, wie Hessen Forst erläutert.

Dafür setzt der Landesbetrieb auf einen Mischwald mit drei bis fünf unterschiedlichen Baumarten, wie eine Sprecherin erklärt. »Wir verwenden nur heimische Baumarten oder solche, die schon lange und erprobt in unseren Wäldern wachsen.« Neben Eichen seien das beispielsweise auch Ahorn, Linden und die Weißtanne. Dagegen werde es in Zukunft sicher weniger Fichten in den hessischen Wäldern geben. Der Umbauprozess in stabile Mischwälder laufe bereits seit 30 Jahren, sagt die Sprecherin.

Versuche mit Atlaszeder

In Zukunft könnten bei Wiederaufforstungen auch neue Baumarten ins Spiel kommen, die hierzulande bisher nicht oder selten verwurzelt sind. Noch sind dem enge Grenzen gesetzt, weil etwa vermieden werden soll, dass nicht heimische Arten hiesige verdrängen und mit ihnen auch neue Schädlinge in die Wälder einwandern. Angesichts massiver Waldschäden und besorgniserregender Klimaprognosen wächst aber der Handlungsdruck, wie Thomas Böckmann deutlich macht. Er ist Leiter der Nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Seit vergangenem Jahr werden Projekte betreut, bei denen alternative Baumarten auf ihre Tauglichkeit für den Klimawandel geprüft werden.

Hessen Forst freut sich auf Mithilfe

Dazugehört beispielsweise die bisher vor allem in Ländern wie Rumänien und der Türkei verbreitete Baumhasel, die in Nordafrika beheimatete Atlas-Zeder und die Esskastanie, die vor allem in Süd- und Westeuropa vorkommt. Mit bereits vorhandenen Anpflanzungen werde erfasst, wie sie an ihre Standorte gekommen sind und welche Bedingungen dort herrschen. Nach den verbleibenden drei Jahren Projektzeit sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Für Hessen Forst stehen Pflanzungen in allen Teilen Hessens an. Die Sprecherin sagt: »Wir freuen uns auf die Unterstützung der Bevölkerung, wenn dies coronabedingt wieder möglich ist!«



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