06. Oktober 2021, 20:18 Uhr

Kein Chef und viele Kündigungen

06. Oktober 2021, 20:18 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Am UKGM-Standort Marburg sorgen offenbar Personalfragen für eine gewisse Unruhe. FOTO: THORSTEN RICHTER

- Dem Universitätsklinikum in Marburg drohen Personalsorgen. Das zeigen Recherchen der »Oberhessischen Presse (OP)«. Viele Mitarbeiter fürchten sich offenbar vor weiteren Kürzungen, der Betriebsrat spricht von einem »Transformationsprozess«.

Erster Punkt, der laut OP für Unruhe sorgt: Der UKGM-Standort Marburg habe seit dem Wochenende keinen Ärztlichen Geschäftsführer mehr. Der Vertrag von Professor Harald Renz sei ausgelaufen. Wann ein Nachfolger den Dienst antritt und wer es wird, blieb zunächst unklar. Der Rhön-Klinikum-Konzern, zu dem das Universitätsklinikum Gießen/Marburg gehört, kündigte in der OP »zeitnahe« Gespräche an.

Zweiter Punkt: Auf einer Station sollen auf einen Schlag »15 von 16 Pflegekräften gekündigt« haben, wie die Zeitung unter Berufung auf eigene Informationen berichtete. UKGM-Sprecher Frank Steibli bestätigte der OP eine unbestimmte Anzahl an Kündigungen zum 31. Mai 2022. Welche Station betroffen ist, wurde nicht bekannt. Aus dem Krankenhaus hieß es laut OP jedoch, dass Hintergrund der »kollektiven Kündigungswelle« eine »spezielle Situation« gewesen sei, die sich »nicht auf das Universitätsklinikum insgesamt verallgemeinern« lasse.

Und zu guter Letzt: Behauptungen aus der Belegschaft, nach denen »eine dreistellige Zahl von Betten« im Marburger Krankenhaus gesperrt sei, weil es an Personal fehle, wies Kliniksprecher Steibli als falsch zurück. Richtig sei aber, räumte er gegenüber der Marburger Zeitung ein, »dass wir mehr Patientinnen und Patienten bei uns aufnehmen und behandeln könnten, wenn mehr Pflegekräfte bei uns im Einsatz wären«. Es komme immer wieder vor, dass man die Bettenkapazitäten vorübergehend anpassen müsse. Dafür gebe es eine Reihe an Gründen: Allgemein etwa Urlaub oder Krankheitsausfälle. Derzeit kämen außerdem pflegeintensive Patienten und zusätzliche Gesetzesauflagen durch die Pandemie hinzu.

Das UKGM sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem Mangel an Pflegekräften. »Das Universitätsklinikum Marburg hat während der gesamten Corona-Pandemie gezeigt, dass es als eines der sechs koordinierenden Krankenhäuser in Hessen zu jeder Zeit die Verantwortung für unsere Patienten - mit und ohne Corona-Infektion - übernommen hat«, sagte Steibli. Während in vielen Kliniken in Deutschland aktuell noch deutlich weniger Patienten die Einrichtung wieder aufsuchen, als sie dies vor der Pandemie getan haben, stelle man am Klinikum Marburg wieder eine zunehmende »Normalisierung« der Belegungszahlen fest. Till Conrad



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos