02. September 2021, 20:26 Uhr

Kaum Frauen auf dem Chefsessel

02. September 2021, 20:26 Uhr
Anke Giesen ist im Vorstand von Fraport allein unter Männern. ARCHIVFOTO:DPA

Wiesbaden - Frauen fehlen zu oft in Führungspositionen. Das betrifft nicht nur die hessischen Ministerien. Es gilt auch für die Unternehmen in Landesbesitz und die Landesstiftungen - also bei Einrichtungen, in denen die Landesregierung über die Personalien mitbestimmen kann.

Zum Beispiel bei der Flughafen GmbH Kassel, die den kleinen Airport im nordhessischen Calden betreibt. Dessen Geschäfte führt Lars Ernst. Dem Aufsichtsrat sitzt Finanzstaatssekretär Martin Worms vor. Insgesamt sind sieben Personen in Geschäftsführung und Aufsichtsgremium der Flughafen GmbH tätig, die zu gut zwei Dritteln dem Land Hessen gehört. Frauen: Fehlanzeige. Das geht aus der Antwort von Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) auf eine Anfrage der Linken hervor. Er bezieht sich auf den Stand von Ende 2019.

Acht landeseigene Unternehmen, darunter eben die Kasseler Flughafen GmbH, seien »reine Männerbünde«, formuliert die Linke-Abgeordnete Christiane Böhm. Dabei handele es sich immerhin um 28 Prozent der Unternehmen mit Landesbeteiligung.

Fraport fehlt

Die Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport ist in dem Bericht nicht aufgeführt, da nur Unternehmen mit einer Landesbeteiligung von mehr als 50 Prozent berücksichtigt wurden. An Fraport hält das Land knapp ein Drittel der Anteile. Auch hier gilt: Eine Frau (Anke Giesen) unter fünf Vorstandsmitgliedern.

Die männliche Dominanz zieht sich durch - von der Nassauischen Heimstätte über die Hessische Landesbahn bis zu kleineren Unternehmen. Alleinige Geschäftsführerinnen gibt es immerhin beim Welterbe Grube Messel mit Marie-Luise Frey und beim Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt mit Monika Meyer.

Unter den 29 Unternehmen und zehn Stiftungen, deren Frauenanteil in der Führungsetage und den Aufsichtsgremien Minister Boddenberg ausweist, finden sich nur in einer Institution mehr Frauen als Männer. Doch auch dieses Beispiel gilt inzwischen nicht mehr. Denn beim Landesjugendsinfonieorchester hat Jens Bastian in diesem Jahr die Geschäftsführung von Charlotte Gjesdahl übernommen. Ein Mann löste also eine Frau ab. Immerhin - im Aufsichtsrat der Orchester GmbH haben Kunststaatssekretärin Ayse Asar, Sandra Birgit Strobl aus der Staatskanzlei und die Präsidentin des Landesmusikrats Hessen, Ursula Jungherr, die Mehrheit gegenüber zwei männlichen Mitgliedern. Die umgekehrte Entwicklung gab es bei der Hessen Film- und Medien GmbH. Dort folgte Anna Schoeppe als Geschäftsführerin auf Hans Joachim Mendig. Da auch im Aufsichtsrat die Frauen in der Überzahl sind, ist dies in den Entscheidungsgremien das weiblichste Landesunternehmen.

Die Linke-Abgeordnete Böhm stellt fest, dass zahlreiche Unternehmen und Stiftungen unter Verantwortung der Landesregierung »nicht annähernd die Vorgaben des Bundes für DAX-Konzerne« erfüllten, die ohnehin schon unzureichend seien. Die Landesregierung müsse »ein Konzept entwickeln, wie diese frauenfeindlichen Strukturen aufgebrochen werden«, forderte Böhm. Pitt von Bebenburg

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