10. Mai 2021, 19:28 Uhr

In 60 Jahren kein Feuer gelöscht

10. Mai 2021, 19:28 Uhr
Die Werkfeuerwehr des Unternehmens Infraserv, Betreiber des Industriepark Höchst, hat das 60 Jahre alte Feuerwehrboot an das Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein übergeben. DPA

- So mancher Feuerwehrmann hatte gestern eine Träne im Knopfloch, als von der Werksbrücke die Wasserschleier aufstoben, das Feuerlöschboot der Frankfurter Berufsfeuerwehr aus allen Rohren Wasser schoss und zum letzten Mal das knarzige Schiffshorn von »Florian Werk Hoechst« in Höchst erklang: Das Feuerlöschboot, seit 60 Jahren im Dienst, hat den Industriepark Höchst verlassen. Das Boot ist im März ausgemustert worden; lange war unklar, was mit ihm geschieht.

Vorm Einschmelzen gerettet

Jetzt befindet es sich auf der Überführungsfahrt nach Hamburg, wo es auf Höhe der Elbphilharmonie liegen wird, bis geklärt ist, wo und wann es aus dem Wasser gehoben wird. Das 20 Meter lange und 14 Tonnen schwere Boot soll Attraktion im Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein werden.

Wolfgang Kelm, der stellvertretende Vorsitzende des Museums-Fördervereins, war eigens in den Industriepark gekommen, um das Feuerlöschboot entgegenzunehmen. »Ich bedanke mich bei den Leuten, die entschieden haben, es nicht in den Hochofen zu stecken«, sagte Kelm. In Norderstedt soll es Teil der Dauerausstellung werden.

Übergeben wurde das Boot von Dr. Thorsten Peine, dem stellvertretenden Leiter der Werkfeuerwehr von Infraserv Höchst. Die rund 130 Männer und Frauen der Werkfeuerwehr ließen ihr Schätzchen nicht einfach ziehen: Am Nordufer war fast der komplette Fuhrpark aufgefahren, und von der mittleren Werksbrücke und dem Nordufer bildeten von Einsatzfahrzeugen erzeugte Wasserschleier einen Bogen, durch den das Boot in Rente fuhr.

Dabei verriet Peine, dass das Feuerlöschboot in den 60 Jahren nie ein großes Feuer gelöscht hat. Im Industriepark, dem früheren Stammwerk der Hoechst AG, hat nie ein Schiff gebrannt; nur einmal löschte die Mannschaft bei Griesheim eine Yacht - weil sie von Höchst aus schneller am Einsatzort war als das Feuerlöschboot der Frankfurter Berufsfeuerwehr. Das Höchster Boot war 1961 das erste Feuerlöschboot auf dem hessischen Abschnitt des Mains. Weil der Weg in Richtung Innenstadt oder Fechenheim durch die Schleusen zu lange gedauert hätte, schaffte sich auch die Berufsfeuerwehr einen Wasserwerfer an.

Die »Hoechst« war mangels Bränden vorrangig im Umwelteinsatz aktiv oder zur Rettung von über Bord gegangenen Menschen. Anfangs wurde sie, als die Hoechst AG noch eine eigene Reederei hatte, auch als Schlepper eingesetzt. Außerdem ist sie als Eisbrecher klassifiziert. Im Frankfurter Westen bekannt und beliebt ist das Feuerlöschboot durch den Einsatz beim Abschlussfeuerwerk des Schlossfests.

Nach dem Abschied wollte die Besatzung die Nacht in Duisburg verbringen und dann weiter rheinaufwärts fahren. Bis nach Hamburg ist es noch weit. Holger Vonhof

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