Hessen

Im Gespräch mit Pflanzen

- Nach vorn und zurück schaut der 150 Jahre alte Palmengarten mit zwei Projekten in seinem Jubiläumsjahr. Fangen wir mit der Zukunft an: Auf der großen Spielwiese dröhnt und flimmert es. Dort steht etwas, von dem Palmengartendirektorin Katja Heubach sagt: »Das ist ein eigener Organismus.«
29. Juni 2021, 21:02 Uhr
DPA
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Hingucker: Besondere Membran für ein Klang- und Lichtszenario. FOTO SEBASTIAN KLIMEK

- Nach vorn und zurück schaut der 150 Jahre alte Palmengarten mit zwei Projekten in seinem Jubiläumsjahr. Fangen wir mit der Zukunft an: Auf der großen Spielwiese dröhnt und flimmert es. Dort steht etwas, von dem Palmengartendirektorin Katja Heubach sagt: »Das ist ein eigener Organismus.«

Daran ist der Garten im Prinzip nicht wirklich arm, doch was die Studierenden des Ins-tituts für Materialdesign an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung geschaffen haben, unterscheidet sich vom Bekannten.

Es ist ein Ort mit Membranen aus Textil, Weidenruten, Kräutern und Kletterpflanzen. »Die Pflanzen reagieren, wenn Menschen sich nähern«, sagt Sophie Bernauer, eine der Studierenden. Und wie sie reagieren! Mit Synthesizertönen, die entstehen, weil Elektroden die Signale messen, die die Pflanzen senden, und in Klang umwandeln. »Wir wollen darstellen, wie Pflanzen vernetzt sind«, sagt Kira Bernauer. Oder wie der Dozent Markus Holzbach sagt: »Es ging darum, dass die Pflanzen auf sich aufmerksam machen mit einem Klang- und Lichtszenario.«

Später auch Abendtermine

Das Licht ist tagsüber nicht so leicht zu erkennen, weil es sanft blau leuchtet an den weißen Textildächern. Im Dunkeln sei das besser zu sehen, sagt Lucas Glittenberg aus dem Team. Es sei daran gedacht, später im Jahr noch Veranstaltungen am Abend zu machen, ergänzt Noa Haller.

Und die Pflanzen reagieren hörbar auf uns Menschen? Ja, sagen die jungen Leute, die sich stark mit Natur und Vergänglichkeit in ihrem Designstudium beschäftigen. Für den Betrachter und Zuhörer ist es ein bisschen, als spräche er mit den Pflanzen, und das berührt durchaus.

Der Zugang zum Palmengarten ist wieder komplett offen. Heubach sagt: »Corona hat uns gebeutelt, aber wir konnten in der Zeit des Stillstands auch viel machen mit unseren Kooperationspartnern.« Dazu zählen 14 sogenannte Sichtachsen: rote Rahmen in der Gartenlandschaft, durch die hindurch der Blick fällt auf Verändertes und Vergangenes. Auf das Eingangsschauhaus etwa, das vor 100 Jahren noch um 90 Grad gedreht dastand, also praktisch in den Garten hineinragend. Der zentrale Bau ist unverändert, die Flügel rechts und links sind neu. »Der Grundgedanke bei den Sichtachsen ist: en passant erkennbar machen, wie es hier früher aussah«, erläutert Kirsten Grote-Baer vom Palmengartenteam.

Es gab Tennisplätze, ein Fußballfeld, eine Radrennbahn drum herum - wer hätte das gewusst? Heute schaut man durch den roten Rahmen auf eine Wiese, und dahinter steht das Tropicarium an der Stelle, an der einst der erste Rosengarten wuchs, »damals noch sehr romantisch«, sagt Grote-Baer, ehe die Architektur realistischer wurde. T. Stillbauer

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/im-gespraech-mit-pflanzen;art189,741425

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