17. Februar 2021, 19:09 Uhr

Im Ernstfall zählt jede Sekunde

Das Eis auf zugefrorenen Seen lockt - kann aber trotz scheinbarer Stabilität lebensgefährlich sein. Um dann helfen zu können, müssen auch Retter trainieren. In diesem Winter stimmen dafür die Voraussetzungen.
17. Februar 2021, 19:09 Uhr
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Von DPA
Feuerwehrmänner von der Wasserrettung benutzen auf zugefrorenen Flüssen und Seen Schläuche als Orientierungshilfe. Zur Sicherheit der Retter unter Wasser gibt es ein Tauchertelefon für die Verbindung mit den Kollegen im Schlauchboot. FOTO: DPA

Jochen Schneider hat gerade seinen ersten Tauchgang unter Eis hinter sich, da mimt der Frankfurter Feuerwehrmann auch schon ein Unglücksopfer, das im Eis des zugefrorenen Teichs im Frankfurter Ostpark eingebrochen ist. Die Rettung naht in diesem Fall ganz besonders schnell, denn Schneiders Kollegen von der Wasserrettung der Frankfurter Feuerwehr stehen am Ufer schon in ihren orangefarbenen Überlebensanzügen bereit, haken ihre Rettungsleinen ein, ehe sie sich mit einer Trage aufs Eis und Richtung »Unglücksstelle« bewegen.

In seinem Taucheranzug ist Schneider gut gegen die Kälte des Wassers isoliert, doch im Ernstfall kommt es auf jede Sekunde an - im eiskalten Wasser kühlt der Körper schnell aus.

Sven Zimmermann, Einsatzberater für Wasserrettungseinsätze, lässt den Blick zwischen seinem Clipboard und der gefrorenen Wasseroberfläche schweifen, auf der schon erste Taupfützen sichtbar geworden sind. Dass die Eisfläche dennoch sicher ist für die Eisrettungsübung, wurde am Morgen noch einmal mithilfe einer Motorsäge überprüft. Doch mit einer Dicke von zehn Zentimetern stand der praktischen Übung nichts im Weg - und Zimmermann ist darüber froh. »Das Hauptaugenmerk liegt heute auf dem Tauchen unter Eis - das ist heute wohl zum letzten Mal in diesem Jahr möglich.«

Tauchübungen unter Eis selten

Denn auch wenn die Feuerwehrtaucher alle drei Wochen eine Tauchübung absolvieren und Rettungseinsätze proben - einen richtig kalten Winter mit ausreichend gefrorenen Seen und Teichen hat es in Frankfurt schon einige Jahre lang nicht gegeben. »Viele der jüngeren Kollegen konnten mit Tauchen unter Eis noch gar keine Erfahrungen machen - und bei den Älteren ist es jetzt auch schon eine Weile her«, sagt er.

Als wirklich nachteilig hat sich dieser Übungsmangel in den vergangenen Jahren nicht erwiesen - wo kein Eis ist, kann schließlich niemand einbrechen. Das Betreten zugefrorener Gewässer sei in Frankfurt obendrein grundsätzlich verboten, betont Marcus Brinkmann. Der Brandamtmann gehört nicht nur zum Team der Pressesprecher der Frankfurter Feuerwehr, sondern ist als Wachleiter der Feuer- und Rettungswache 40 im Frankfurter Osthafen auch Leiter des Tauchwesens der Branddirektion Frankfurt. In den vergangenen Tagen gab es aus mehreren Orten Hessens immer wieder Polizeimeldungen über Menschen, die sich auf das trügerisch sicher wirkende Eis von Seen und Teichen begeben hatten und zum Verlassen der Eisfläche aufgefordert werden mussten.

Ausrüstung wiegt 50 Kilogramm

Rund 50 Kilogramm wiegt die Ausrüstung, die die Taucher mit sich herumschleppen. Damit im Ernstfall trotzdem jeder Handgriff sitzt, wird nun ein paar Stunden geübt - sowohl das Tauchen unter Eis als auch die Rettung von Verunglückten. Schneider, der sich nach seiner Eis-Premiere aus dem Taucheranzug schält, war vor dem Tauchgang schon ein wenig nervös, räumt er ein. »Es war ja das erste Mal. Aber es ist auch spannend, von unten durch das Eis zu sehen.«

Für die Sicherheit der Retter gibt es nicht nur das Tauchertelefon für die Verbindung mit den Kollegen im Schlauchboot, sondern auch die Rettungsleine, über die dem »Leinenmann« ebenfalls durch Ziehen Signale gegeben werden können. Als Orientierungshilfe sind zudem rote Feuerwehrschläuche auf dem Eis ausgelegt worden.

Weiter als 25 Meter dürfen sich die Taucher ohnehin nicht vom Boot entfernen. Doch wer noch nie unter Eis getaucht ist, kann vorher nicht wissen, ob das dicke Eis über dem Kopf jenseits des Einstiegslochs nicht zu Problemen mit der Orientierung führt oder man sich plötzlich verunsichert fühlt. »Darum wollen wir mit Übungen wie dieser gerade junge Taucher schulen«, sagt Zimmermann. So sei das Tauchen unter Eis dann für sie schon etwas Bekanntes - »und im Ernstfall werden sie nicht buchstäblich ins kalte Wasser geworfen«.



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