18. März 2021, 22:31 Uhr

Hohe Inzidenz macht Pläne zunichte

18. März 2021, 22:31 Uhr
Es hatte sich schon angedeutet: Ministerpräsident Volker Bouffier verkündete gestern Abend, dass es für die Schüler der weiterführenden Schulen doch keine Präsenztage mehr vor den Osterferien geben werde. FOTO: DPA

Wiesbaden - Von Montag an sollten alle Schüler in Hessen tageweise zurück in den Unterricht. Dieser Plan des Kultusministeriums stieß aber auf immer breitere Kritik. Erste Städte und Kreise erteilten dem Land wegen steigender Infektionszahlen in der Pandemie eine Abfuhr, Eltern riefen zum Protest auf. Am Donnerstag dann die Kehrtwende der Landesregierung: Das Corona-Kabinett habe beschlossen, »dass wir diesen Einstieg in den Wechselunterricht und auch den entsprechenden Präsenztag nicht vornehmen«, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Dieser Schritt sei bereits angekündigt worden, sollten die Infektionszahlen zu hoch sein.

Wegen der Corona-Pandemie wird derzeit für die Klassen 1 bis 6 Wechselunterricht angeboten: Jeweils die Hälfte der Klasse kommt jeden zweiten Tag oder jede zweite Woche in die Schule. Nur die jeweiligen Abschlussklassen bekommen vollständigen Präsenzunterricht. Die Jahrgangsstufen 7 bis 11 lernen im Distanzunterricht, also zu Hause im sogenannten Homeschooling. Sie sollten eigentlich ab 22. März für mindestens einen Präsenztag pro Woche in die Schule kommen. Dieses Vorhaben wurde nun gekippt.

Die weiterführenden Klassen an den Schulen blieben nun zunächst weiter im Distanzunterricht, sagte der Regierungschef. Hessen halte grundsätzlich an seinen Planungen für die Schulen fest. »Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab dem 19. April landesweit die Jahrgangsstufen 1 bis 4 an fünf Tagen in der Woche und die Jahrgangsstufen ab Klasse 5 im Wechselmodell unterrichtet werden«, sagte Bouffier.

Bouffier kündigte an, dass noch vor Ostern an 20 Schulen Selbsttests ausprobiert werden sollen, damit das Land nach den Osterferien in eine regelmäßige Testung an den Schulen einsteigen könne. Kostenlose Selbsttests stünden auch für Kita-Personal bereit.

»Die Zahlen zeigen uns: Eine mögliche dritte Corona-Welle ist deutlich unterwegs«, sagte Bouffier. Es werde vorerst keine weiteren Öffnungsschritte geben. Er verwies auf das geplante Gespräch der Regierungschefs von Bund und Ländern am kommenden Montag. Dort gehe es um die Fragen: Wie geht es weiter? Was passiert an Ostern? Bouffier plädierte erneut dafür, dass die Bundesländer bei ihren Corona-Regeln eng beieinander bleiben.

Beim Thema Impfen hänge nach wie vor viel von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab, betonte er. Das Land habe »ein überragendes Interesse«, sobald es irgend möglich sei, niedergelassene Ärzte und die Betriebsärzte beim Impfen mit einzubeziehen. Allerdings seien derzeit alle Impfdosen, deren Lieferung zugesagt sei, bereits verplant. Bis Ende April hätten Bürger dafür Termine bekommen. Wenn nun Ärzte breiter ins Impfen einbezogen würden, dann müssten Termine abgesagt werden, Menschen würden »brutal« enttäuscht, sagte Bouffier. »Ich will das nicht.«

Er hoffe darauf, dass es bald wieder grünes Licht gebe für den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca, sagte der Ministerpräsident. Das Land sei dann zügig in der Lage, diesen Impfstoff wieder zu spritzen. Er sehe es als Aufgabe als Ministerpräsident, für die Impfung zu werben. »Wenn ich mal drankomme und mir irgendeiner Astrazeneca sagt, das kriegst du jetzt. Das würde ich sofort nehmen.«

Beim Thema Reisen habe er Verständnis dafür, dass die Menschen nicht mehr verstünden, warum sie nach Mallorca fliegen dürfen, es aber nicht möglich sei, in der Rhön eine Ferienwohnung zu mieten - »das müssen wir lösen«, sagte Bouffier.

»Wir haben eine höchstdynamische Lage, wir haben eine ganze Menge von Unsicherheiten und Ungewissheiten«, erklärte der Ministerpräsident und appellierte an die Menschen, gemeinsam einen kühlen Kopf zu bewahren.

Hessens Wirtschaft begrüßte, dass es vorerst keine Verschärfung der bisherigen Regelungen für Unternehmen gibt. »Click and Meet« und Terminvereinbarungen blieben weiterhin möglich. »Das ist ein gutes Signal und eine kluge Abwägung«, erklärte dazu der Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, Robert Lippmann. Und weiter: »Denn die Nachverfolgbarkeit ist gegeben und das Infektionsrisiko dabei gering.« dpa

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