11. August 2021, 22:33 Uhr

Hoffen auf ein schnelles Ende

11. August 2021, 22:33 Uhr
Zahlreiche Reisende warten am frühen Morgen im Frankfurter Hauptbahnhof auf einen ICE nach Berlin. FOTO: DPA

- Das wohlbekannte emsige Gewusel im Frankfurter Hauptbahnhof lässt am Mittwochmorgen noch nicht auf einen besonderen Tag schließen. Erst beim Blick auf die Anzeigetafel mit den abfahrenden Zügen und die langen Schlangen vor dem DB-Reisezentrum wird deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Mittwoch ist. Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat viele Reisende kalt erwischt.

Seit 2 Uhr stehen die meisten Züge der Deutschen Bahn still. Auch der Güterverkehr wird bestreikt. Die Arbeitsniederlegungen sollen noch bis Freitag um 2 Uhr dauern. Hintergrund ist, dass die GDL die monatelangen Tarifgespräche im Juni für gescheitert erklärte hat. Die angebotenen Lohnerhöhungen auf eine Laufzeit von 40 Monaten seien nicht akzeptabel. Auch eine Corona-Prämie für das laufende Jahr ist ein dringende Forderung der Gewerkschaft.

Die Reisende Barbara Simon hat für den Streik kein Verständnis. Das Ganze sei nur ein Machtkampf zwischen den beiden Gewerkschaften. Neben der GDL gibt es noch die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Wegen des Tarifeinheitsgesetzes muss in den DB-Betrieben, in denen beide Gewerkschaften dieselben Berufsgruppen vertreten, der Tarif der vor Ort größeren Gewerkschaft gelten. Oftmals ist dies die EVG. Die GDL möchte nun einen besseren Tarifvertrag aushandeln, als es die EVG getan hat.

Irene Schreiber ist traurig über die Situation. »Wir wollten nach Bad Hersfeld und uns die Ruine anschauen. Abends sollte es zurückgehen.« Doch auch ihre Bahn fährt nicht zum geplanten Zeitpunkt. »Dabei ist doch das Wetter so schön, perfekt für einen Ausflug.« Zum Teil könne sie den Streik verstehen und hofft auf eine schnelle Einigung. »Aber wir haben momentan so viele Probleme zu lösen. Muss das da auch noch sein?«

Vor dem Bahnhofsgebäude haben sich einige GDL-Mitglieder versammelt und halten eine kleine Kundgebung ab. Bernd Steindorf, Lokführer bei Regio Frankfurt, freut sich über die gute Streikbeteiligung in allen Bereichen. Sogar Fahrdienstleiter seien dabei. Er verdeutlicht noch mal, dass der geforderte Corona-Bonus durchaus verdient sei. Man habe den Betrieb unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten. »Einige unserer Mitglieder wurden angepöbelt und bespuckt. Es war hart.«

Im Hauptbahnhof geht das Treiben unvermindert weiter. Ständig tönen Ansagen aus den Lautsprechern: »Dieser Zug fällt heute aus.« Ab und zu fahren aber Regionalbahnen. Auch die S-Bahnen sind von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Viele von ihnen fallen aus. Nicht betroffen vom Streik sind Straßenbahnen und U-Bahnen. Die VGF und Traffiq haben entschieden, die Kapazitäten auf Frankfurts U-Bahn-Linien zu maximieren.

Laut Deutscher Bahn fallen deutschlandweit 75 Prozent der Fahrten aus. Durch einen Notfallfahrplan sollen Metropolen zumindest im Zweistundentakt miteinander verbunden werden. Steven Micksch

Der Ersatzfahrplan für den Fern- und Regionalverkehr ist in der Fahrplanauskunft auf bahn.de und in der App DB Navigator abrufbar. Alternativ gibt es auch Infos auf rmv.de. Informationen gibt es außerdem bei der Streikhotline unter Telefon 80 00/99 66 33.

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