08. März 2021, 19:13 Uhr

Hessen erbt zunächst als Platzhalter

08. März 2021, 19:13 Uhr
Kein Testament? Dann erbt das Land Hessen. FOTO: DPA

- Immobilien, Firmenanteile, Autos, Grundstücke oder Sparbücher: Das Land Hessen hat von gestorbenen Einwohnern 2020 mehr als 917 000 Euro geerbt. Insgesamt sei in 991 Fällen das Land als Erbe eingesetzt worden, teilte die zuständige Oberfinanzdirektion Frankfurt auf Anfrage mit. Im Jahr zuvor war es mit mehr als 2,5 Millionen Euro noch fast dreimal so viel. Von den Überschüssen 2020 und 2019 seien allerdings die entstandenen Verwaltungskosten noch nicht abgezogen worden.

Wie hoch durchschnittlich ein Erbe für das Land ist, lässt sich der Direktion zufolge nicht sagen, da sich die Einzelfälle erheblich unterscheiden. Sie reichten zum Beispiel von überschuldeten oder maroden Immobilien bis hin zu wertvollen und zu verkaufenden Anteilen an Firmen.

Wann das Land erbt, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten. »Ist zur Zeit des Erbfalls kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden, erbt das Land, in dem der Erblasser zur Zeit des Erbfalls seinen letzten Wohnsitz oder, wenn ein solcher nicht feststellbar ist, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Im Übrigen erbt der Bund«, heißt es dort im Paragraf 1936. Allerdings tritt das Land für 30 Jahre das Erbe zunächst einmal nur als Platzhalter an. In diesem Zeitraum kann sich ein zuvor nicht gefundener wahrer Erbe melden und Anspruch erheben.

»Die Dauer, bis das Land nach einem entsprechenden Todesfall als Erbe festgestellt wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich«, heißt es bei der Oberfinanzdirektion. »Dies kommt auf die Einzelumstände an, es kann schon wenige Wochen nach dem Tod der Fall sein oder auch erst nach Jahrzehnten.« Sei binnen einer den Umständen entsprechenden Frist niemand als Erbe gefunden worden, könne das Nachlassgericht feststellen, dass außer dem Fiskus kein Erbberechtigter vorhanden ist. Bis dann tatsächlich eventuell Geld fließt, kann es in einigen Fällen aber dauern. Eine Auszahlung finde im Regelfall nicht statt, teilte die Oberfinanzdirektion mit. Vielmehr müsse meist erst einmal abgewickelt werden. Heißt: Immobilien oder Sachwerte müssen verwertet, Konten aufgelöst, eventuelle Rechtsstreits zu Ende gebracht und mögliche Verbindlichkeiten bezahlt werden. dpa

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