22. August 2021, 18:48 Uhr

GPS ortet geklaute Räder

Immer mehr teure Fahrräder stehen in den Städten herum. Als neuer Diebstahl-Schutz verbreitet sich der GPS-Tracker. Nur auf ihn verlassen sollte man sich nicht, meint der Radlobbyclub ADFC.
22. August 2021, 18:48 Uhr
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Massendelikt Fahrraddiebstahl. FOTO: DPA

Kürzlich in Kassel: Einem Mann wird, so berichtet die Polizei, nachts sein knapp 3000 Euro teures Fahrrad vor dem Wohnhaus gestohlen. Am nächsten Morgen findet er nur noch das geknackte Zahlenschloss, mit dem das Mountainbike angeschlossen war. Womit der Dieb allerdings nicht gerechnet hatte: Das Rad war mit einem versteckten GPS-Tracker ausgestattet, der dem Besitzer in Echtzeit den Standort auf dem Handy anzeigt. Der Mann erstattete Anzeige bei der Polizei.

Das Signal des kleinen Senders führte ihn und die Beamten schließlich in den Keller eines Hauses, in dem neun weitere mutmaßlich gestohlene Bikes gefunden wurden.

12 424 Fahrräder sind nach Angaben der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2020 in Hessen gestohlen worden. Der Schwerpunkt liegt beim einfachen und schweren Diebstahl in der Preisklasse von 500 bis 2500 Euro, wie es beim Landeskriminalamt heißt. »Es ist davon auszugehen, dass sich Bandentäter stets von der Marktsituation leiten lassen und genaue Vorstellungen davon haben, welche Arten, Modelle oder technischen Ausstattungsmerkmale sich am besten zu Geld machen lassen. Aktuell ist ein Trend zu E-Bike-Diebstählen aus Gewerbeobjekten erkennbar«, sagt LKA-Pressesprecher Ibtasam Arif.

Niedrige Aufklärungsquote

Die Chancen, ein gestohlenes Rad zurückzubekommen stehen schlecht. Den Ermittlern zufolge wurden im vergangenen Jahr nur rund zehn Prozent der Fälle aufgeklärt. Um ihr geklautes Bike dennoch ausfindig machen zu können, setzen immer mehr Radfahrer auf GPS-Tracker. Zum Teil sind die Geräte bereits im Rad integriert, sie können aber auch nachgerüstet werden.

Das LKA in Hessen »steht einem Einsatz von GPS-Ortung durch Privatpersonen, insbesondere bei höherwertigen E-Bikes, grundsätzlich positiv gegenüber«, sagt Pressesprecher Arif. Wird ein Diebstahl festgestellt, sollte sich der Besitzer jedoch niemals selbst auf die Suche nach seinem gestohlenen Fahrrad machen, sondern die Polizei alarmieren. Sofern die Geschädigten die Daten zur Verfügung stellen, unterliege die Weitergabe zur Ortung des Fahrrades keinen rechtlichen Hürden.

Claus Opfermann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) warnt aber, sich nicht zu sehr auf die GPS-Tracker zu verlassen. »Wenn ich ein Profi bin, weiß ich, wo das Ortungsgerät eingebaut ist und kann es schnell außer Kraft setzen.« Die Tracker würden eher gegen Gelegenheitsdiebe helfen. »Das ist ein schöner Zusatz, aber ersetzt eine weitere Sicherung nicht«, sagt der Fachmann.

Den besten mechanischen Diebstahl-Schutz böten stabile Bügel- oder Panzerkabelschlösser. Er rät zudem zur Fahrrad-Codierung. Dabei wird beispielsweise durch die Polizei oder den ADFC ein Code, bestehend aus der verschlüsselten Adresse und den Initialen des Eigentümers, deutlich sichtbar in den Fahrradrahmen eingraviert, um den Weiterverkauf zu erschweren. Polizei oder Fundbüro erkennen anhand des Codes den Eigentümer des Fahrrads und können ihn informieren.

Opfermann rät Fahrradbesitzern zudem, ihre Räder auch in Kellern und Garagen zu sichern. E-Bike-Besitzer sollten immer den Akku mitnehmen.

Wenn alle Sicherung doch nicht gereicht hat und das Fahrrad weg ist, bietet der niederländische Fahrradhersteller Vanmoof, der kürzlich auch eine Filiale in Frankfurt eröffnet hat, einen besonderen Service an. Dank integriertem GSM-Tracker kann das Fahrrad lokalisiert werden. Wird es geklaut, rücken professionelle Bike-Hunter aus, um es ausfindig zu machen und es seinem Besitzer zurückzubringen.



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